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Helmut Wolff

aus DER SPIEGEL 41/2003

Helmut Wolff , 75, der Leibchirurg des verstorbenen DDR-Chefs Erich Honecker und nebenbei ein fleißiger Inoffizieller Mitarbeiter ("IM Becher") des Staatssicherheitsdienstes, soll am Samstag dieser Woche durch ein »Wissenschaftliches Symposion« geehrt werden. Die ganztägige Jubelfeier wird im »Großen Hörsaal« der Charité stattfinden, wo die »bedeutende Arztpersönlichkeit« Wolff bis 1992 gewirkt hat. Die Einladung verspricht den geladenen Gästen ein »äußerst brisantes Thema«, gemeint ist die »Chirurgie im Spannungsfeld zwischen medizinischem Fortschritt und gesellschaftlicher Entwicklung«. Hauptfrage: »Was können wir erwarten von der Zukunft?« Über die Vergangenheit des Prominenten - er war seit 1948 SED-Mitglied und nachweislich Stasi-IM von 1979 bis Oktober 1989 - soll nicht debattiert werden. Die 1992 aufgefundenen Akten der Gauck-Behörde belegen, dass Wolff seinem Stasi-Führungsoffizier ein treuer Spitzel war, über Kollegen aus Ost und West streng konspirativ berichtet hat, und zwar, wie Wolff-kritische Fachkollegen 2001 in einem offenen Brief schrieben, »nicht angeblich, sondern beurkundet, bewiesen und bezeugt«. Der Chirurg und IM hat dabei sein eigenes Wohl nie aus den Augen verloren. So erbat er die Hilfe des MfS beim Import eines standesgemäßen »Pkw Mercedes«. Diesmal helfen ihm, als »Sponsoren« des Symposions, neben anderen die großen Pharmafirmen Pfizer und Boehringer Ingelheim.

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