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Herbert Achternbusch

aus DER SPIEGEL 27/1986

Herbert Achternbusch, 47, und Margarethe von Trotta, 44, Filmemacher, verlangen zusammen mit neun anderen Leidtragenden aus Oberbayern Sühne für die offiziellen Fehlinformationen nach dem GAU von Tschernobyl. Sie zeigten Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann, die Gesundheitsministerin Rita Süssmuth und den bayrischen Umweltminister Alfred Dick wegen »fahrlässiger Körperverletzung« und »schwerer Umweltgefährdung« an. Wohl wissend, wie gefährlich hoch der radioaktive Fallout über Bayern sein würde und schließlich auch war, hätten die Beschuldigten diese Bedrohung zu spät und dann nicht im wahren Umfang bekanntgemacht. Ihre Schuld sei es, daß die Klagenden und ihre Kinder tagelang nichtsahnend kontaminierte Lebensmittel verzehrt, sich verseuchtem Regen ausgesetzt, in radioaktivem Wasser geplanscht und im verstrahlten Gras gelegen hätten. Sowohl bereits aufgetretene als auch künftige Gesundheitsschäden seien Folgen einer gesetzwidrigen Beschwichtigungs- und Verzögerungstaktik der zuständigen Minister. Achternbusch selber fühlt seine Lebenserwartung gemindert: » wenn i jetzt mit Krebs verreck, nachher stinkt er mir.«

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