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PERSONALIEN Hermann Höcherl, Valéry Giscard d'Estaing, Arnold Renz, Agnes Fink, Romuald Pekny, Walter Hanna, Emmett McCrary, Georges Marchais, Franz Georg Strauß, Rolf Seelmann-Eggebert

aus DER SPIEGEL 45/1976

Hermann Höcherl, 64, scheidender CSU-Bundestagsabgeordneter, gönnte sich zum Abschluß seiner MdB-Karriere noch eine Weltreise auf Kosten der Fraktion. Gemeinsam mit den CDU-Politikern und Landwirten Gerd Ritgen und Karl Bewerunge, die gleichfalls nicht wieder kandidiert hatten, jettete der Bayer nach Indien, Singapur, Hongkong und Australien. Zwar können die drei ihre Reise-Erfahrungen nicht mehr für die eigene Parlamentsarbeit verwerten und auch die Wünsche der Australier nach besseren Beziehungen zur EG dürfen Höcherl und Reisegefährten nicht mehr in den Ausschüssen vertreten, doch den Verdacht, die Fahrt sei nur ein kostspieliges Abschiedsgeschenk für verdiente Unions-Männer, weist der ehemalige Landwirtschaftsminister zurück: »Unsere Fraktion will halt von uns Experten der Landwirtschaft noch einmal ein Urteil haben.«

Valéry Giscard d"Estaing, 50, Frankreichs Staatspräsident, hoffte vergeblich auf Bonner Hilfe für die Parlamentswahlen in zwei Jahren. Im Bundesinnenministerium hatte er sondieren lassen, ob es möglich sei, daß Auslands-Franzosen auf deutschem Boden ihre Stimme abgeben. Genschers Beamten winkten ab -- weil sonst weitere Staaten mit ähnlichen Forderungen kommen und mit exportiertem Wahlkampfgeschrei für Unruhe in deutschen Landen sorgen könnten. Auch anderswo sondierte der Staatschef für die Wahlen: Noch während seines jüngsten Teheran-Besuches befragte er bei einem Empfang Bonns Persien-Botschafter Hans Georg Wieck nach Erfahrungen der Deutschen mit der Briefwahl. Giscard schien von dem für französische Verhältnisse einfachen Verfahren angetan. Aufgemuntert von den Tips des Diplomaten, versprach der Vor-Wahlkämpfer den Landsleuten im Iran, er wolle versuchen, »daß Sie 1978 Ihre Stimme hier abgeben können«. Bei knappem Wahlausgang, glauben Präsidenten-Berater, könnten sich die Stimmen der Auslands-Franzosen gegen die Volksfront auswirken.

Arnold Renz, 65, Salvatorianerpater, der sieh mit Billigung des Würzburger Bischofs Stangl als Exorzist versuchte, ist nun auch bei seinem Kirchen-Chef in Ungnade gefallen. Das Würzburger Bischöfliche Ordinariat rügte den Pater, weil er sich für die Traditionalisten-Bewegung des französischen Erzbischofs Marcel Lefebvre eingesetzt hatte und für Wallfahrten von Anhängern des Abweichlers geworben habe. So sei »Unruhe unter den Gläubigen« entstanden: »Dies sei zu verurteilen.«

Agnes Fink, 56, Deutsch-Schweizer Schauspielerin, muß sich derzeit in den Münchner Kammerspielen als Puffmutter mühen. In Jean Genets Vier-Stunden-Stück »Der Balkon« legt sie gar selbst Hand an ihren Mit-Mimen Romuald Pekny, 56, (Photo) -- und schockt dabei vor allem ältere Damen. Schon nach einer halben Stunde Bühnen-Bordell, so Münchens »AZ« nach den ersten Aufführungen, »stürmten einige würdige Damen aus dem Parkett, andere blieben nach der Pause weg«. Ihren Ruf als eine der profiliertesten deutschen Charakterdarstellerinnen sieht Agnes Fink durch ihre Freudenhaus-Rolle eher gefestigt: »Wenn ich voll einsetze, mich hingebe, erschrickt das Publikum -- ich glaube, das muß sein.«

Walter Hanna, 49 (Photo o. l.), amerikanischer Finanzberater, will sich im Fall eines Wahlsieges des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Jimmy Carter in dieser Woche die Haarpracht auf Carter-Länge kürzen lassen -- aus finanziellen Gründen. Hanna hat Angebote, als Doppelgänger des Demokraten in TV-Sketches und Shows aufzutreten, wenn Carter regieren sollte. Auch Emmett McCrary, 56 (o. r.), Ingenieur, soll als Ulk-Staatsmann auftreten -- falls Ford im Weißen Haus bleibt. Mit Präsidenten-Ähnlichkeit läßt sich leicht Geld verdienen: Während Nixons Amtszeit bekam James LaRoe (Photo l.) als »Richard Dixon« über 600 Dollar pro Auftritt. Allerdings: er war Schauspieler. Georges Marchais, 56, Führer der französischen Kommunisten, will seine politische Vergangenheit ins rechte Licht rücken lassen -- mit einer Zivilklage gegen Unbekannt. Ins Zwielicht gekommen sieht sich der KP-Chef bereits seit drei Jahren: 1973 hatten französische Wochenblätter berichtet, er habe während des Zweiten Weltkrieges im bayrischen Leipheim als Mechaniker Messerschmitt-Kampfflugzeuge für Hitlers Luftwaffe gebaut. Angeblicher Beweis: Ein Dokument aus dem Pariser Ministerium für ehemalige Frontkämpfer, in dem es heißt. Marchais habe sich 1942 freiwillig zur Arbeit in der deutschen Rüstungsindustrie gemeldet. Der Franzose aber will erst 1943 als Zwangsarbeiter ins Bayrische gebracht worden sein: »Das Dokument ist entwendet und dann gefälscht worden«. Drei Jahre mußte der KP-Generalsekretär auf den Beginn der Gerichtsverhandlung warten, vergangenen Dienstag war der erste Termin. Marchais agiert mit Grundsätzlichem: »Wenn es noch Justiz gibt in diesem Land und ich daran glauben soll, muß der Täter dieser Verleumdung demaskiert werden.« Die Chancen sind gering, niemand will wissen, wer"s war. Statt einem enttarnten Täter bleiben dem KP-Chef wahrscheinlich nur die Prozeßkosten.

Franz Georg Strauß, 15, Sohn des CSU-Vorsitzenden und Pennäler am Münchner Dante-Gymnasium, will sich künftig nicht nur um die eigenen Schularbeiten kümmern, sondern »auch für die Bedürfnisse und Probleme der anderen« da sein -- als neu gewähltes Vorstandsmitglied der rechten Münchner »Schüler-Union«. Franz Georg (Photo, mit Vater Franz Josef) wird eingesetzt, »wo sein Name und seine Ausstrahlung«, so ein SU-Vorständler, am »besten wirken« -- bei der Basisbetreuung.

Rolf Seelmann-Eggebert, 39, konservativer ARD-Afrika-Korrespondent, sah sich von Mitgliedern der westdeutschen Kolonie in Nairobi (Kenia) unerwartet als Linker verkannt. Für einen Film über »Deutsche in Afrika« hatte Seelmann hektographierte Fragebogen an rund 200 Kenia-Deutsche verschickt, auf denen er sich nach der Zahl der Hausangestellten und der Anzahl der Schlafzimmer erkundigte. Vertreter der bundesdeutschen Industrie in Nairobi warnten vor den Folgen solch »hetzerischer linker Stimmungsmache«. Hauptgrund für den auslandsdeutschen Volkszorn: Die Angesprochenen fürchten, daß zuviel Publizität ihren angestammten Privilegien schaden könnte. Die Monatsbezüge liegen im Schnitt um 100 Prozent über den deutschen Gehältern. Auch mittlere Angestellte halten sich in Kenia Koch, Gärtner, Butler und Kindermädchen.

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