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NEU IN DEUTSCHLAND Hermann Kesten: »Dichter im Café«

aus DER SPIEGEL 21/1959

Seine

Schriften bevölkert der aus Nürnberg stammende Romancier Kesten gern mit Persönlichkeiten aus dem eigenen Berufsbereich

- mit Poeten, Journalisten und Pamphletisten vergangener Zeiten. Die Kaffeehäuser in Rom, Wien, München, Berlin, Paris, London, New York liefern ihm die Kulissen für literarische Lebensabläufe. Ein Londoner Kapitel bietet eine Art Lexikographie über Satiriker, Lobredner, Biographen, Witzbolde und Stutzer des 18. Jahrhunderts. Die Gestalten - etwa der politische Geschäftemacher und Moralkritiker Daniel Defoe ("Robinson Crusoe") oder der geniale Früh-Sozialist und Kirchenherr Jonathan Swift ("Gullivers Reisen") - werden etwas akademisch beleuchtet. Die imaginären Gesprächspartner, mit denen der Autor seine Fälle diskutiert, sind allzu mechanisch konstruiert. Gelegentlich läßt er sich von den Zeitkritikern, mit denen er sich befaßt, zu eigenen, leidenschaftlichen Exkursen über Politik und Kulturpolitik hinreißen. Bewundernswert bleibt die archivalische Mühewaltung Kestens, der sich selbst zu den Kaffeehaus -Literaten zählt. (Verlag Kurt Desch, München; 440 Seiten; 14,80 Mark.)

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