Zur Ausgabe
Artikel 71 / 79
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

Herz-Jesu-Querulanten
aus DER SPIEGEL 24/1985

Herz-Jesu-Querulanten

(Nr. 22/1985, SPIEGEL-Streitgespräch mit den Pastoren Ulrich Rüß und Sönke Wandschneider über Kirche und Politik) *

Der Gipfel des Zynismus war das »Halleluja« des SPIEGEL.

Bobingen (Bayern) JÜRGEN ZEHENTBAUER

Immerhin haben diese beiden faszinierenden Herz-Jesu-Querulanten den atheistischen SPIEGEL-Mitdebatter dazu gebracht, urplötzlich »Halleluja« zu rufen.

Mannheim ALFONS BITTERWOLF Vizepräsident der Liga für Menschenrechte a.D.

Herr, mein Gott, halte uns fern von den zu vielen verbohrten Verkündern Deines Wortes wie Pastor Rüß und gib uns - bitte - viele Wandschneiders.

Mannheim VOLKER BREITENMOSER

Pastoren wie Ulrich Rüß, die sich in einer Welt voller Gewalt, Ungerechtigkeit und Elend keiner konkreten Aufgaben und Verantwortung bewußt sind, pervertieren die biblische Botschaft und verdienen Zyniker statt Christ genannt zu werden.

Viechtach (Bayern) MARKUS KATZENMEIER

Der Himmel bewahre uns vor dem gradezu reaktionären Mief unter den Talaren leider noch viel zu vieler ewiggestriger Pastoren.

Darmstadt ILSE BIRKE

Sie werden es nicht glauben, Herr Pastor Wandschneider, aber es gibt Christen, die aus dem Opfertod Christi leben, deren Leben unter der Führung Jesu steht, die Nachfolge praktizieren mit viel Freude am Gebet - und doch, Herr Pastor Rüß, nicht gewillt sind, diesen Rüstungswahnsinn mitzumachen, aktiv dagegen eintreten und sich bewußt den Problemen der Welt stellen. Und wir werden immer mehr! Na, was sagt ihr jetzt - Brüder?

Bad Windsheim (Bayern) GÜNTER BAUM

Danke, Herr Pastor Rüß, für Ihre klaren »christlichen« Bekenntnisse: Hatte ich eventuell bisher noch leise Zweifel, so bin ich jetzt endgültig von der Richtigkeit meiner Entscheidung überzeugt, schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten zu sein.

Langenhagen (Nieders.) UTA PIVITT

Herrn Rüß' Beitrag wirkt intellektuell bescheiden und gibt deshalb besonders deutlich Aufschluß darüber, auf welch emotionaler und reaktionärer Ebene Ketzerhüte in der protestantischen Kirche der letzten Jahre verteilt werden. Jesus Christus, König, Prophet und Priester in einem, wird auf einen Priester für die herrschende Klasse reduziert, hinzu kommen Ketten dogmatischer Stilblüten, und fertig ist eine kranke Kirche, die, so scheint mir, von Leuten wie Rüß zu Tode gepflegt werden könnte. Dagegen wehre ich mich entschieden!

Hamburg REINHOLD GÜNTHER Pastor in Hamburg-Bahrenfeld

Ihr SPIEGEL-Streitgespräch war, Rüß sei Dank, schönstes Kabarett. Habe mich bestens amüsiert und schlage den Pastoren vor, den Disput passagenweise von den Kanzeln zu verlesen, um die grassierende Austrittswelle per Showeffekte zu begrenzen.

Frankfurt HOLGER FUSS

Ich wende mich gegen eine Verkündigung, die zwischen Parteipolitik und Evangelium keinen Unterschied mehr erkennen läßt. Gute Predigt ist allemal auch politisch, läßt aber Alternativen erkennen und richtet sich nicht ständig bekenntnishaft gegen andere!

Bonn ERHARD HACKLER Bundesgeschäftsführer des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU

Wer zu Jesus Christus aufrichtig (!) betet, so daß dieser der Herr in seinem Leben wird und ihm Gottes heiligen Geist schenkt, der kommt zu der gleichen Auffassung wie Pastor Rüß. Das haben ich und viele Mitchristen selber erfahren.

Leichlingen (Nrdrh.-Westf.) WOLFGANG KRAUTMACHER

Es ist wirklich an der Zeit, daß Pastoren wie Wandschneider ihren Talar ausziehen und ihre eigene Sekte außerhalb der Kirche gründen. Die wirren Antworten dieses Polit-Pfaffen erweckten zwar keine Erleuchtung bei mir, immerhin aber schon mal Brechreiz.

Kiel GUENTHER HANSEN

Geradezu tragikomisch mutet es an, wenn ein Pastor zur Verweigerung des Wehrdienstes aufruft, von dem er durch seinen Beruf befreit war und ist - wenn man selber keine Gewissensgründe zu formulieren brauchte, sollen sich wohl wenigstens die anderen Gedanken machen müssen.

Vlotho (Nrdrh.-Westf.) PETER MICHAEL FISCHER Pastor

So wichtig es ist, Menschen vor dem Massenmord zu schützen; noch wichtiger ist es, Menschen auf den Tod vorzubereiten. Wer heute noch behauptet, diese Frage sei unwichtig, ist entweder ein Ignorant oder ein gedankenloser Dummkopf.

Bergneustadt (Nrdrh.-Westf.) REINHARD LORENZ Jugendmissionar

BRIEFE

Kleiner Unterschied

(Nr. 23/1985, Leserbriefe: SFB-Intendant Lothar Loewe zu den Redakteurprotesten) *

Intendant Loewe meint in seinem Leserbrief, er habe sich bei Ex-Senator Oxfort nicht wegen meiner kritischen Haltung entschuldigt, sondern weil mein Kommentar auf falschen Tatsachen beruhte. Herr Oxfort hatte in seiner Beschwerde sechs »unzutreffende Behauptungen« bemängelt. Darauf wurde ihm vom Intendanten ungeprüft bestätigt, »daß der Kommentar von sachlichen Fehlern strotzt«. Nachdem ich dann dazu Stellung nehmen konnte und die Rechtsabteilung des Senders das Ganze prüfte, blieb eine halbe »unzutreffende Behauptung« übrig: Ich hatte von Verhaftung gesprochen, und es handelte sich nur um Festnahmen. Die allerdings teilweise länger als zehn Stunden dauerten. Im Rundfunkrat nach dem Unterschied gefragt, gab der Intendant selbst eine falsche

Antwort. Quod licet Jovi, non licet bovi?

Berlin BARBARA WESEL

BRIEFE

Vorne hui, hinten pfui?

(Nr. 21/1985, Bundesbahn: Kundenwerbung mit schöneren Bahnhöfen, schnelleren Zügen und rosaroten Angeboten) *

Wo bleibt der Hinweis auf die anhaltende Stillegungs-Politik - auch im Jubiläumsjahr werden wieder Hunderte von Kilometern im Personen- und Güterverkehr eingestellt - bei diesem bunten, schnellen und billigen Werbe-Artikel für die Bahn?

Berlin KARL-HEINZ LUDEWIG Arbeitskreis Verkehr

Begrüßenswert ist der weitere Ausbau des IC-Netzes und des zugehörigen Service, wenn dadurch bewirkt wird, daß viele Geschäftsreisende anstelle von Flugzeug oder Auto die umweltfreundliche Eisenbahn benutzen. Aber wehe dem, der aus guter Erfahrung bei IC-Reisen lernt und - umweltbewußt - ab sofort die Bahn auch für den täglichen Weg zur Arbeit benutzen will! Für ihn gibt es ein böses Erwachen: Für die Stammkunden im Nahverkehr hat die DB nämlich dort, wo es keine S-Bahnen gibt, nur einen stark ausgedünnten Fahrplan und mangelhaften Service übrig! Als Trost kann sich der Reisende ab sofort während seiner (gegebenenfalls zweistündigen) Wartezeit in einem der schön renovierten Bahnhöfe vergnügen.

Bornheim (Nrdrh.-Westf.) URSULA LEHNER-LIERZ

Reiner, Du darfst Birne und Dolli gegenüber ruhig mehr Rückgrat beweisen, wenn es für Eisenbahners und Volk gut ist. Das heißt unter anderem: Übernahme aller Azubis, sonst haben wir bald kaum noch genug Lokführer und Werkmeister. Rangierer sind jetzt schon zu wenig.

Hannover UWE SZEPANNEK Mitarbeiter des Mehrbestandes bei der Deutschen Bundesbahn

Angesichts der enormen Schulden der DB werden sich Herr Gohlke und Herr Klein über ihre cleveren Beamten, die für den Fahrkartenverkauf auf dem Hauptbahnhof Kassel verantwortlich sind, besonders freuen. Dort hat man Verkaufspraktiken gefunden, die der DB zusätzliche Einnahmen von 80 Prozent ermöglichen. Am Fahrkartenautomaten für den Nahverkehr werden Fahrkarten nach Orten angeboten, die mit dem Bahnbus - seit mehr als zehn Jahren nicht mehr im Schienenverkehr - zu erreichen sind. Während am Automaten für eine Fahrkarte (zum Beispiel nach Großalmerode) neun Mark zu zahlen sind, kostet ein Fahrschein nach demselben Ort im Bahnbus fünf Mark. Die Fahrkarte scheint also nicht überall »zu den ehrlichsten Druckerzeugnissen der Welt« (Reiner Kunze) zu gehören.

Großalmerode (Hessen) KARL-HEINZ HILLE

Die »bunten« und »neuen« Aktivitäten sind begrüßenswerte Erneuerungen, doch leider nach wie vor nur für jugendliche beziehungsweise sportliche Bahnfahrer. Diese Voraussetzung ist nämlich zu erfüllen, wenn man nicht schweißgebadet in einen Zug ein- oder aus einem Zug aussteigen will. Hervorgerufen werden diese Strapazen durch zu niedrige Bahnsteige und Waggoneinstiege, die vor 150 Jahren schon verwendet wurden. Manche Bahnhöfe sind für Kinder, werdende Mütter, Behinderte regelrecht tabu.

Frankfurt ROLF BURFEIND

Mit Erstaunen konnte ich in dem Artikel von sauberen und schönen Bahnhöfen der DB lesen. Die Einwohner von Harxheim/Pfalz (Zellertal 1) haben ein gänzlich anderes Bild der DB-Bahnhofspolitik. Zog sich die DB in den letzten Jahren aus dem öffentlichen Personennahverkehr des ländlichen Raumes (Strecke Monsheim-Langmeil) durch Einstellung des Schienenverkehrs zurück, so hinterließ sie der Gemeinde doch eines: einen »Saustall« - in den ehemaligen Warte- und Diensträumen des Bahnhofs Harxheim-Zell, der sich weiterhin im Besitz der DB befindet. Vorne hui und hinten pfui!

Zellertal (Rhld.-Pf.) GUSTAV ZERENECHEL Gemeinderat

BRIEFE

Fahnen auf halbmast

(Nr. 21/1985, SPIEGEL-Redakteur Kurt Röttgen über Bayern Münchens Trainer Udo Lattek) *

Einen Trainer wie Lattek, der so großartige Erfolge mit mehreren deutschen Mannschaften zu verbuchen hat, mit Dreck zu bewerfen, ist ein billiges Zeichen der heutigen Zeit. Jedes Arschgeigengesicht darf schreiben, was er will. Hinter diesem Schmutzartikel stehen bestimmte Leute aus dem Norden, die es nicht vertragen können, daß ihre Mannschaft unter ferner liefen zu finden ist! Das ist die Wahrheit!

Stuttgart WERNER HEINZE

Kein anderer Trainer war bisher in der Lage, sein nichtvorhandenes Können so optimal zu verkaufen. Riegel-Rudi mußte auswandern. Lattek weiß das. Er weiß auch, daß Ende 1986 (spätestens) bei Bayern München die Fahnen auf halbmast stehen. Genau aus diesem Grund hat er heute schon zu diesem Zeitpunkt seinen Rücktritt angedroht. Der einzige, der wirklich weiß, was er wert ist, heißt Lattek. Hut ab!

Grossefehn (Nieders.) HANS K. BUSCH

Gehört Herr Röttgen vielleicht für Herrn Lattek zu den »wenigen wichtigen« Journalisten?

Freiburg ALOIS HÄRINGER

Besser kann man einen Fußballtrainer nicht beschreiben. Nach dem Motto: So recht von Herzen hundsgemein, das kann doch nur von Lattek sein!

Ludwigshafen (Rhld.-Pf.) JOERN BECHTEL

BRIEFE

Braungebrannte Häppchen

(Nr. 22/1985, SPIEGEL-Titel: Wilhelm Bittorf über das neue Schönheitsideal) *

Täglich stundenlange Marter, nur um zwischen den Pobacken Nüsse knacken zu können! Die »Damen« haben wohl ihr Hirn in ihren Glutaeus maximus verbannt!

Backnang (Bad.-Württ.) DR. JOCHEN KEMKE

Wie viele junge Männer haben heute Angst, von ihren Freundinnen im Ringkampf besiegt zu werden?! Die muskulöse, durchtrainierte Frau macht den Chauvis viel mehr Angst als die ganze feministische Bewegung.

Lüneburg (Nieders.) RAMONA SCHULTZ

Es wäre nachzudenken, ob man Herrn Bittorf eine Psychotherapie empfehlen sollte, damit er in die Lage kommt, seine Komplexe zu verarbeiten, und seine Angst vor sportlichen Frauen bekämpfen kann.

Eschwege (Hessen) THOMAS KALLAY Freizeit Fitness & Figur

Nach Lektüre des Artikels muß ich annehmen, daß Herr Bittorf unter einer Angstpsychose leidet. Aber auch seine Alpträume von »Mann-Weibern« werden mich nicht veranlassen, wieder ein weiblich-weiches »Kuscheltier« zu werden.

Köln SUSANNE ROTT

Was hat denn Ronald Reagan mit den Millionen Bodybuildern zu tun? Dieser politische Aspekt war völlig überflüssig. Damit kann sich doch nicht das Vorurteil bestätigen lassen, alle Menschen, die Gewichtstraining betreiben, wären blöd.

Düsseldorf ANDREAS MÜLLER

Bestimmt schauen Sie doch auch lieber einem gebräunten, wohlgeformten Frauenkörper nach als diesen Alternativweibern mit fettigen Haaren, wabbeliger Figur, Arafattuch und Gesundheitsschuhen, oder?

Frankfurt MARION NUSSBAUMER

Wenn Reagans Verstand in Tarzans Dschungel haust, möchte ich wissen, in welchen Sphären sich dann wohl Bittorfs Grips bewegt.

Parma (Italien) DIETRICH DOEPNER

Nur soweit: Wenn der Autor zu Recht oder zu Unrecht die geistigen Qualitäten des amerikanischen Präsidenten bezweifelt, weil der sich ab und zu ein sportliches Image verleiht, dann soll er sich doch einmal so manch nicht sportgestählten bundesdeutschen Politiker näher anschauen. Mitunter sind auch Fett und Hirn nicht miteinander vereinbar.

Kaufbeuren (Bayern) HANS HACKENBERG

In unserer Kultur-Zeit ist der Knackigkeits-Kult die konsequente Äußerung einer auf visuelle Reize reduzierten Empfindung der Fast-food-Generation, die mit trainiertem Konsumenten-Blick auf dem Menschen-Markt das braungebrannte Appetit-Häppchen sucht.

Herford (Nrdrh.-Westf.) UDO FEHMER

Man ist nicht so alt, wie man sich fühlt - man ist so alt, wie man sich anfühlt!

Augsburg SAMMY MELCER Sam's Gym - Fitness-Studio

Gegen die »Vergötzung« des eigenen Körpers wandte sich schon Boethius im »Trost der Philosophie": Diejenigen endlich, die sich mit den Vorzügen ihres Körpers spreizen, auf einen wie geringen, wie gebrechlichen Besitz stützen sie sich! Könnt ihr etwa Elefanten an Masse, Stiere an Kraft übertreffen, etwa Tiger an Schnelligkeit? ... Aber schätzet nur die Güter des Körpers so hoch ihr wollt, wenn ihr nur wißt, daß alles dieses, was ihr bewundert, das Feuerchen eines dreitägigen Fiebers auflösen kann/ ... (Drittes Buch, Zeile 14 ff.). Aber Miß World und ihr Ehemann lesen ja kein Buch ...

Mülheim (Nrdrh.-Westf.) BERTOLD RUGE

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 71 / 79
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.