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Briefe

Hinters Licht geführt
aus DER SPIEGEL 44/2000

Hinters Licht geführt

Nr. 42/2000, Titel: Börse. Der faule Zauber - Warum am Neuen Markt die Kurse abstürzen

Der arme Kleinanleger, der jetzt laut über die verlorenen Investitionen am Neuen Markt jammert, hat kaum Mitleid verdient. Wer sich leichtsinnig auf ein Territorium begibt, auf dem er sich nicht auskennt, muss die Konsequenzen selbstverständlich tragen. Niemand würde jemanden ernsthaft bedauern, der sein Erspartes einem Mann an der Tür anvertraut, den er weder persönlich noch geschäftlich kennt.

HAMBURG MIRKO BOTT

Nachdem der Index nunmehr fast 60 Prozent vom Jahreshoch entfernt ist, hilft die Story niemandem mehr. Für unzählige Kleinanleger kommt sie viel, viel zu spät. Die soliden Werte werden zu Unrecht mit runtergezogen, und der SPIEGEL haut in dieser Situation noch zusätzlich drauf. Es wäre dringend notwendig herauszustellen, dass auch viele am Neuen Markt notierte Unternehmen hervorragend arbeiten und das Vertrauen der Anleger verdient haben.

NORTHEIM (NIEDERS.) FRANK-UWE THOFERN

Im Nachhinein sind immer alle schlauer; dieses zeigt auch Ihr Blatt!

SCHOPFHEIM (BAD. WÜRTT.) R. HUGENSCHMIDT

Der Bericht ist einsame Spitze, wirklich Spitze ... Hut ab.

BERLIN ALEKSANDR SAPOSNIKOV

In längst vergangenen Zeiten wurden Aktiengesellschaften gegründet, um Visionen in Produkte und Dienstleistungen umzusetzen und die Aktionäre am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben zu lassen. Heute sehen manche in der AG offensichtlich nur noch ein billiges Mittel, mit heißer Luft sehr schnell viel Geld zu machen. Das kann auf Dauer nicht funktionieren - falls doch, dann wäre dies das Ende unseres gesellschaftlichen Systems, in dem Menschen für ihre Arbeit bezahlt werden. Insofern hat der Kursrutsch am Neuen Markt auch etwas Beruhigendes.

KITZINGEN (BAYERN) WOLFGANG SIEBENBÜRGER

Der Kleinanleger hat ignoriert, dass Börsengänge primär ein Betätigungsfeld für Marketingabteilungen geworden sind. Aber wo Geldgier, Mainstream und eine anständige Portion Ignoranz jeden Sinn für wirtschaftliche Grundtatbestände verschleiern, braucht die Frage nach Investment-Ethik gar nicht erst gestellt zu werden.

SCHWETZINGEN (BAD. WÜRTT.) GERALD HENSEL

Sie haben die Situation auf den Punkt gebracht. Sobald die Gier der Kleinanleger den Verstand ausschaltet - wird nicht mehr nachgedacht und einfach in »wildfremde« Unternehmen Geld gepumpt ... Ich, der ich begeisterter Aktionär bin, habe oft nur ein mitleidiges Lächeln erhalten, als ich im letzten Jahr in große Unternehmen wie zum Beispiel Nokia, MLP oder Cisco Systems investierte. Ein Jahr danach kann ich mich an einem 50-Prozent-Gewinn in meinem Gesamtdepot erfreuen - nicht eine Position liegt im Minus!

WIETZENDORF (NIEDERS.) DIRK KÖSTER

Im März 1999 kaufte ich mir Aktien der Firmen Brain International (damals 55 Euro) und BinTec (damals 34 Euro), da diese Gewinn auszuweisen schienen. Doch alle Zahlen waren erstunken und erlogen. Mittlerweile stehen beide Aktien zwischen 5 und 8 Euro! Ich frage mich nur, was das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel überhaupt tut. Der Neue Markt gehört verboten. All diese Aktien sollten sich im regulären Handel behaupten.

HANNOVER WOLFGANG MEIER

Über die Nieten in den Chefetagen haben Sie leider nicht berichtet. Auch die betätigen sich als Geldvernichtungsmaschinen - vor allem bitter für die vielen Kleinanleger.

CALAHONDA (SPANIEN) UWE MEYER-RICKS

Künftig wird die orakelhafte »1001 Nacht«-Metaphorik um den Neuen Markt einen Schrumpfungsprozess durchlaufen: Aus dem »Prognose/Profit«-Prinzip wird wohl bald eine »Verlust/Konkurs«-Spirale - dafür erfahren so seriöse Vokabeln wie Bilanz, Erfolgsrechnung oder Nettogewinn eine erhebliche Wertsteigerung.

RICHTERSWIL (SCHWEIZ) MARCEL ZUFFEREY

Sie verweisen zu Recht auf die geprellten Anleger. Es gibt aber auch viele Gläubiger, die hereingefallen sind - und sie haben nicht spekuliert, sondern gearbeitet!

THANNDORF (NIEDERBAYERN) DR. KAREN MOSS

Wenn in jeder zweiten Headline der Börsenlektüren das Wort »reich« vorkommt, dann ist damit nicht der Kleinanleger gemeint. Denn wenn dieser nicht rechtzeitig aussteigt, hat er ganz schnell kein Depot mehr, sondern eine Deponie.

FRANKFURT A. M. WERNER KRÜGER

Statt Internet-Anschlüsse für alle Schulen zu fordern, ist es sinnvoller, das Fach Wirtschaft zum Hauptfach zu erklären, damit endlich der Verstand und nicht der Glaube an die Macht von Telefonleitungen vorherrscht.

BERLIN MICHAEL BÄR

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