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Briefe

Historische Tatsache
aus DER SPIEGEL 4/1995

Historische Tatsache

(Nr. 2/1995, Türkei: Der Schriftsteller Yasar Kemal über die Verfolgung der Kurden)

Der mutige Yasar Kemal hat türkische Staatsintellektuelle hysterisch gemacht. Dies konnte ich in der türkischen Presse verfolgen. Er hat den »Völkermord an den Kurden« nicht nur angeprangert, sondern er hat auch die 70jährige ambivalente Minoritätenpolitik des Regimes zur Sprache gebracht. Gratulation! *UNTERSCHRIFT: Braunschweig ISMAIL SAHIN

Mir scheint die Frage entscheidend, gegen wen die systematische Unterdrückung und Verfolgung Jahrzehnte hindurch gerichtet war und ist. In diesem Punkt hat Kemal einseitig geurteilt. Ich teile zwar seine Behauptung, daß die sogenannte Türkische Republik eine derartige Tyrannei über die »anatolische Bevölkerung« errichtet hat. Es ist aber eine historische Tatsache, daß nicht nur die kurdische, sondern auch andere Teile der islamischen Bevölkerung der Türkei von ihren Machthabern ständig unterdrückt und tyrannisiert wurden - nicht nur physisch, auch kulturell und vor allem auf dem Gebiet der islamischen Religion. *UNTERSCHRIFT: Bonn DR. MURAT BAYRAK ehem. Mitglied im Türkischen Parlament

Kemal scheint ein Schriftsteller zu sein, der in den letzten Jahren keine Buchhandlung in der Türkei aufgesucht hat. Sonst hätte er nämlich gewußt, daß dort viele Bücher in Kurdisch und kurdischtürkische Wörterbücher ausliegen, was zeigt, daß Kurdisch in Schriftform nicht verboten ist - ein Verbot, Kurdisch zu sprechen, war zudem kein Thema. *UNTERSCHRIFT: Poing bei München SÜLEYMAN KARAMAN

Die Politik der gewaltsamen Türkisierung Kleinasiens begann bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit der systematischen Vertreibung und Ermordung der Armenier, die während des Ersten Weltkrieges ihren Höhepunkt erreichte. *UNTERSCHRIFT: Freiburg THOMAS BOGHARDT

Kemal hat recht: Diesen Krieg zu beenden ist auch eine Sache des deutschen Volkes. Er hat aber leider unrecht, wenn er meint, es sei bisher deshalb nicht zum Schlimmsten gekommen, weil sich kurdische und türkische Bevölkerung lange genug kennen. Es sind nicht die Völker, die einander morden, sondern staatliche Instanzen betreiben den Massenmord und hetzen die einen gegen die anderen auf. *UNTERSCHRIFT: Dortmund KLAUS DILLMANN *BEILAGE: Einer Teilauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe ist ein Prospekt der NKL Werbegemeinschaft Nord, Kiel, beigeklebt. Eine Teilauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe enthält eine Beilage der Akademischen Arbeitsgemeinschaft, Mannheim, sowie der Firma Warner Music, London.

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