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Briefe

HITLERS GEBISS
aus DER SPIEGEL 35/1968

HITLERS GEBISS

(Nr. 32/1968 Zeitgeschichte)

In Ihrem Artikel Zeitgeschichte« wurde eine vierte Version über den Tod Adolf Hitlers präsentiert und das nach 23 Jahren. Wie oft mögen noch in unserem Jahrhundert Publizisten aufstehen und makabre Geschichten über den Tod Adolf Hitlers schreiben? Ob diesmal die russische Version den Historikern Genüge tun wird? Wollen es hoffen!

Remscheid (Nordrh.-Westf.)

LUDWIG STANKI

Mit Aufmerksamkeit werden viele SPIEGEL-Leser den Bericht sowjetischer Ärzte über die Todesart Hitlers gelesen haben. Merkwürdig ist nur

wie spät man in Moskau diese Darstellung des angeblichen Gifttodes gestartet hat!

Es paßt durchaus in das Konzept des Linkskurses, daß man Hitler keines selbstgewählten Todes durch eine Revolverkugel für würdig hält. Sollte man Angst haben -- vor einem ideellen Wiedererstehen? Niemals!

Berlin DR. WALTER MÜHLBÄCHER

So geheim, wie Ihr Bericht »Hitler hat sich vergiftet« den Anschein erweckt, wurden die wahren Umstände um Hitlers Tod zumindest in der Sowjet-Union nicht gehalten. Ich erinnere mich des russischen Farbfilms »Der Fall von Berlin, dessen von der Defa synchronisierte Version Anfang der fünfziger Jahre in Wien zu sehen war: Darin wurde nicht nur dargestellt. wie Hitler Zyankali schluckt, den Drehbuchautoren waren auch Einzelheiten wie jene, daß das Gift zuerst an Hitlers Schäferhund ausprobiert wurde, bekannt, und sie nutzten die Konfrontation eines furchtbebenden Hitler mit seinem verendenden Hund dramaturgisch nach Kräften. Breitenfurt (Österreich)

DR. MANFRED SCHEUCH

Als die Russen nur noch einige hundert Meter vor seinem bombensicheren Bunker standen, hätte Hitler die einzige Möglichkeit gehabt, den von ihm und seinem Propagandaminister so lautstark und oft gepriesenen »süßen Heldentod« zu sterben und dabei einige »verhaßte Bolschewiken mit ins Jenseits zu nehmen. Doch daran dachte er wohl nicht. Und wenn es noch eines Beweises seiner ehrlosen, feigen unsoldatischen Gesinnung bedurft hätte, mit der Art seines Abtretens gab er ihn. Ein leichter Tod ist ihm mehr gewesen als die Fahne. Für sie und den Schutz seiner erbärmlichen Person ließ er draußen vor der Reichskanzlei 14jährige Kinder mit der Waffe in ungeübten Händen verbluten. Und so etwas ertrug das deutsche Volk 13 Jahre lang als seinen Kanzler.

Heroldsberg (Bayern)

FRIEDRICH SCHUSTER

Ich bin sehr enttäuscht über den SPIEGEL, der doch sonst das Gras wachsen hört und sich nun auch an diesem Unsinn, daß Hitler in Berlin umgekommen sein soll, beteiligt. Es steht einwandfrei fest, daß er nach dem 30. April in seinem Ausweichquartier im Harz gesehen worden ist.

Dillingen (Saarl.) RUDOLF KALLMEYER

Mit Hitlers Zahnarzt. dem Prof. Dr. med. dent. Hugo Blaschke, den Sie in Ihrem schaurigen Bericht erwähnen. verhält es sich so:

Er fiel in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde in das Sonderlager gebracht, das die US-Army in Oberursel (Taunus) eingerichtet hatte, und zwar in ein Erholungsheim für Lehrerinnen, dem sie -- aus mir nicht durchschaubaren Gründen -- das Kennwort »Alaska« gegeben hatten. Es diente der Verwahrung einer sehr bunt zusammengewürfelten Belegschaft aus Ministern. Generalen, Diplomaten, Industriellen und so weiter, an deren Befragung ein Interesse bestand. Prof. Blaschke wurde in das von mir bisher allein bewohnte Zimmer eingewiesen. Das erweckte in mir begreiflicherweise kein freudiges Gefühl, denn der SS-Generalsrang, den Hitlers Zahnarzt erhalten hatte (eine von vielen Grotesken in der Hierarchie des III. Reiches), machte mir den Zimmergefährten suspekt. Aber wir gewöhnten uns schnell aneinander. und ich lernte Herrn Blaschke von Tag zu Tag mehr schätzen. Als renommierter Berliner Zahnarzt hatte er ärztlich eine Parteigröße behandelt, war von dieser an Himmler und von diesem an Hitler weiterempfohlen worden. Seinen steilen Aufstieg verdankte er allein seinem Können. Eines Tages erhielt Herr Blaschke in der Verwaltung des Camps eine große Tüte mit Gips. Spachtel, Messer und so weiter ausgehändigt mit dem Auftrag, Hitlers Ober- und Unterkiefer zu rekonstruieren. Mit Interesse verfolgte ich, wie er aus dem angefeuchteten Gips zwei Kiefer formte und auf diesen mit einem Bleistift alle Zähne markierte. Dann schnitzte er sie mit großer Geschicklichkeit und entfernte dabei die Zähne, die Hitler nicht mehr besessen hatte. Den ärztlichen Befund hatte Herr Blaschke verblüffend genau im Kopf. Die großen Lücken, die sowohl der Ober- als auch der Unterkiefer aufwies, sind mir in deutlicher Erinnerung. Erst nach einiger Zeit holten die Amerikaner Herrn Blaschkes Schnitzwerk ab. Es stand daher lange auf unserem Tisch und gab Anlaß zu manchen Glossen, ließ auch die Besucher aus dem Nebenzimmer zurückprallen, wenn sie auf ihre erstaunten Blicke hin über die historische Bedeutung dieses seltsamen »Tischschmuckes« informiert wurden.

Aus Ihrem Bericht ist mir jetzt klar geworden, weshalb die Amerikaner Herrn Blaschkes Rekonstruktion nicht gleich nach der Fertigstellung abholten: die Russen brauchten sie nicht mehr ... seine Hilfskraft konnte den Russen nicht mehr Auskunft geben, denn Blaschkes Assistent Echtmann hatte ihnen inzwischen eine Röntgenaufnahme von Hitlers Gebiß ausgehändigt.

Prof. Blaschke hat meines Wissens seine Freilassung nicht

lange überlebt. So ist es an mir, Ihnen diese zusätzliche, Ihren Bericht bestätigende Mitteilung zu machen.

Göttingen PROF. DR. PFRCY E. SCHRAMM

Es ist mir aufgefallen, daß seit einigen Monaten jede Ausgabe des SPIEGEL zumindest ein Bild von Adolf Hitler bringt.

Ist das absichtlich, damit die Leser ja nicht den Namen oder das Gesicht vergessen? Persönlich gesprochen, ich werde seiner auch ohne Hinweis nicht vergessen.

London JOHN H. KISCH

* Dr. phil. emer. Prof. der Geschichte, Kanzler des Ordens »Pour le mérite« für Verdienste um die Wissenschaft und die Künste.

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