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Höchste Alarmstufe

aus DER SPIEGEL 48/1977

herrschte in der letzten Woche bei der Deutschen Lufthansa und auf westdeutschen Flughäfen -- ausgelöst durch die Attentatsdrohung, für jeden getöteten Terroristen eine Lufthansa-Maschine zu zerstören.

Auf allen westdeutschen Flugplätzen saßen zusätzliche Lotsen im Tower. Im Funksprechkontakt gaben sie den Piloten Anweisungen für die »willkürlich gesteuerten An- und Abflugverfahren«, mit denen die Lufthansa der Gefahr auszuweichen suchte.

Vor allem der Alptraumvorstellung, Terroristenkommandos könnten sich in den Schrebergärten oder Wäldern rings um ein Flughafengelände mit einer automatisch ihr Ziel suchenden »Strela«-Rakete versteckt halten, galten die Abwehrmaßnahmen.

Jeweils kurz vor dem Start erfahren die Flugkapitäne, in welcher Weise sie von der Standardprozedur abzuweichen haben. Statt mit gedämpftem Schub im Geradeausflug zogen die Lufthansa-Maschinen meist noch über der Startbahn mit steilen Links- und Rechtskurven in den Himmel (siehe Photos). Geringeren Spielraum haben die Flugkapitäne beim Landeanflug. Während dieser Phase sind die Antriebsaggregate schon so gedrosselt, daß die Manövrierfähigkeit der Maschinen eingeschränkt ist. Und spätestens einige Kilometer vor Erreichen der Piste müssen die Maschinen auf den sogenannten Gleitpfad einschwenken.« Das ist eben«, erläuterte ein Linienpilot, »die Tür zum Flughafen, durch die jeder durch muß.«

Andererseits ist womöglich die Gefahr eines Attentats während dieser Flugphase geringer: Das gedrosselte Triebwerk strahlt weniger Hitze aus, die Treffsicherheit der hitzesuchenden »Strela«-Raketen nimmt ab.

Wie lange die Lufthansa ihr Verwirrspiel bei Starts und Landungen fortsetzen will, ist einstweilen ungewiß. Die Angaben schwanken zwischen »zunächst drei bis vier Wochen« (Peter Graf von der Bundesanstalt für Flugsicherung) und »vielleicht über Monate nötig« (so der FDP-Verkehrsexperte Klaus-Jürgen Hoffie).

Geringer geworden ist unterdessen offenbar die Angst der Passagiere. Nach drastischen Rückgängen zum Anfang der Woche -- ganze sechs von 90 Plätzen waren am Mittwoch auf dem LH-Flug 125 von Paris nach Köln-Bonn belegt -- nahmen die Buchungen gegen Wochenende wieder zu.

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