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»HOFFENTLICH ALLIANZ-VERSICHERT«

aus DER SPIEGEL 46/1969

Hasch-Schmuggel und illegaler Handel werden in Pakistan mit bis zu 14 Jahren, in der Türkei mit Kerker zwischen zehn Jahren und lebenslänglich bestraft -- bei Androhung der Todesstrafe; das gilt, seit Juli dieses Jahres, auch für den Iran.

Trotzdem nehmen Dutzende von Großhändlern und Hunderte von Schmuggel-Amateuren den riskanten, aber profitablen Haschisch-Handel wahr.

Noch vor einem Jahr gelangte der Stoff aus dem Vorderen Orient und dem ferneren Osten überwiegend in kleineren Portionen nach Mitteleuropa -- Hippies verstauten ihn in den Gitarren. Gammler in ihren Schlafsäcken, Auto-Touristen in der Türfüllung ihres Wagens, Neckermann-Reisende im Koffer oder einfach in der Unterwäsche. Andere Gelegenheitsschmuggler füllten Beinprothesen auf.

Inzwischen aber ist die Nachfrage jugendlicher Bundesbürger nach »Shit« so stark gestiegen, daß sich Haschisch-Import im großen Stil lohnt: Händler, .die jeweils Mengen zwischen 500 und 1000 Kilogramm ordern, gründen zuvor, etwa in Hamburg, über einen Strohmann eine Import-Firma und sichern sich Raum in einem Hafenschuppen oder einer Lagerhalle.

Die Partner, etwa in Pakistan, beziehen den Stoff aus der »Tribal-Area« im Norden des Landes. Erster Umschlagplatz ist Peshawar. Dort -- oder in Karatschi -- verstauen sie die Ware möglichst unverfänglich, beispielsweise in Baumwollballen oder Vakuum-Fischfutterkonserven. Meist suchen sie sich einen Vertrauensmann beim Zoll und handeln mit ihm die Höhe des Bestechungsgeldes aus.

Alle Zahlungen des Importeurs an den Lieferanten laufen über ausländische Banken -- per Vorkasse. Der Konto-Auszug dient als Signal zum Versand: Der getarnte Stoff wird verschifft oder als Luftfracht verschickt (mitunter auch in kleinen Privatflugzeugen, die sich der Zollkontrolle eher entziehen können).

Aufwand (auch für Bestechung), Risiko und vielstufiger Zwischenhandel erklären die enormen Gewinnspannen zwischen Produzent und Endverbraucher: auf einzelnen Stufen des Zwischenhandels bis zu 500 Prozent.

* 20 Mark kostet ein Kilogramm Haschisch guter Qualität bei den Hanfbauern in Nordpakistan.

* In Kabul (wohin es über die offene Grenze des Hindukusch gelangt) kostet es bereits 60 bis 80 Mark: wenn es über -- von Hasch-Fahndern bewachte -- Autostraßen Karatschi erreicht hat, kostet es schon 100 Mark.

* Istanbul wird mittlerweile als Umschlagplatz eher gemieden. Der Kilo-Preis am Bosporus betrug schon 400 Mark.

* 1000 bis 2000 Mark -- je nach Qualität der Ware -- zahlen westdeutsche Zwischenhändler an die Importeure.

* 3000 bis 4000 Mark erzielt sodann der Zwischenhändler, der die Ware in Hundert-Gramm-Portionen an sogenannte Dealer weitergibt.

4000 bis 6000 Mark schließlich bringt das Kilogramm Haschisch, wenn es an den Konsumenten kommt. Nun freilich wird es nur noch grammweise gehandelt, in Stanniolpapier oder in Streichholzschachteln; einige womöglich mit der weitverbreiteten Werbeaufschrift: »Hoffentlich Allianz-versichert«.

* Der Deutsche Horst Treschel (r.), gefaßt im Juni 1969 in Beirut: im Reservekanister seines Autos fanden sich 30 Kilogramm Haschisch.

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