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Freizeit Honi im Sonderangebot

aus DER SPIEGEL 5/1995

Wer auf einem Snowboard mit tropischem Wellendekor durch den Schnee gleitet, zählt nicht mehr zur Avantgarde. Auch die nach der Hawaii-Insel Maui benannten Boards sind in den Alpen längst heimisch geworden. Eine Münchner Firma stößt jetzt in die östliche Hemisphäre vor und hat ein Freestyle-Board nach dem verblichenen SED-Generalsekretär benannt. Auf der Lauffläche steht in Frakturschrift »Honecker«, eingerahmt von martialischem Stacheldraht. Der Hersteller weist politische Absichten weit von sich. Vielmehr stelle der Name »Honecker« eine Verballhornung des Konkurrenten »Nidecker« dar. In Chile hat Profi-Snowboarder Tommy Brunner das Brett getestet. Sein Urteil: ein echtes Freestyle-Board, für den Wettbewerb allerdings nur bedingt geeignet. Bei einer Länge von 151 Zentimetern wird das Modell für die Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm empfohlen, ist also schon für einen Fahrer vom Typ Gysi problematisch. Im kapitalistischen Handel gilt Honi als Ladenhüter. Ein Sporthaus in Hamburg hat das Modell noch kein einziges Mal verkauft. Dabei ist »Honecker« für 648 Mark im Sonderangebot.

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