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Briefe

HORCHPOSTEN
aus DER SPIEGEL 2/1961

HORCHPOSTEN

Über die Unterschiede zwischen der katholischen und evangelischen Beichte, die der evangelische Geistliche Schumann herausgearbeitet hat, habe ich mich gewundert, da außer dem ersten Unterschied kein einziger der wahren Sachlage entspricht:

- Das Kirchengebot sagt, daß der Katholik einmal jährlich zu den Sakramenten (Beichte und Kommunion) gehen muß. Sollte es aber einen Menschen geben, der ein Jahr ohne Sünde lebt, dann fällt selbstverständlich für ihn das Gebot des Beichtempfanges fort.

- Der Katholik ist lediglich verpflichtet, alle schweren Sünden zu beichten, also Sünden, durch die er sich wissentlich in einer wichtigen Sache gegen Gott wendet. Was eine schwere Sünde ist, entscheidet das eigene Gewissen.

- »Die volle Vergebung Gottes ist stets eine totale Begnadigung«. Das ist kein Sonderangebot Gottes für den Protestanten, sondern gilt im gleichen Maß für jeden Katholiken. Es genügt auch für ihn, die schweren Sünden zu bereuen und zu bekennen. Die sogenannten »läßlichen« Sünden sind dann in dieser Beichte eingeschlossen.

Freiburg (Breisgau) A. FUNCK

Es ist kaum anzunehmen, daß »Beichtvater« Schumann, wie Sie ihn titulieren, viel Zulauf von Beichtern haben wird. Ein Mann, ein evangelischer Pfarrer, der sich so wenig sorgfältig und mit so wenig Geschmack kleidet, der auf ihrem Bilde so wenig gepflegt aussieht, wird nicht das Vertrauen genießen, das erforderlich ist, wenn ein Mensch einem anderen Menschen sein Inneres offenbaren will. Da beichten die Evangelischen in der Tat lieber bei einem lebenserfahrenen, gut rasierten und wohldesinfizierten Arzt im frischgewaschenen, weißen Arztmantel.

Neureut (Karlsruhe) DR. SCHMELCHER

Als geradezu bösartig haben wir die Überschrift »Frau hört mit« empfunden. Damit ist dem ganzen Bericht ein falsches Vorzeichen gegeben und die Vertrauenswürdigkeit des evangelischen, Pfarrers in einer Schwer tragbaren Weise in Frage gestellt - wobei offenbar ganz vergessen ist, daß auch die meisten Ärzte und Anwälte verheiratet sind und niemand ihrer Ehe wegen daran denkt, die Ernsthaftigkeit ihres Amtsgeheimnisses anzuzweifeln. Lassen Sie mich in aller Form erklären, daß der evangelische Pfarrer bei seiner Ordination in feierlicher Form vor Gott auf das Beichtgeheimnis verpflichtet wird, und zwar so, daß es sich nicht nur auf die Beichte im engeren Sinne bezieht, sondern auf alles, was ihm in seelsorgerlichem Gespräch anvertraut wird. Auf Bruch des Beichtgeheimnisses steht Dienstentlassung.

Köln HORST SCHUMANN

Pfarrer

Es wird viel »gebeichtet«, finde ich. Bei Frau Irene, bei Dr. Walter von Hollander, in der Telephon-Seelsorge, beim Gynäkologen und sogar beim Betriebsrat. Warum nicht bei Pastor Schumann & Co.? Viel wichtiger aber erscheint mir die Frage: Hat der lutherische Geistliche von heute selbst einen Beichtvater? Ist er persönlich so bußfertig und damit beichtfertig, daß er anderen mit gutem Gewissen die Vergebung zusprechen kann? Oder sitzt er auf dem hohen Roß von Amt und Würden und schüttet sein segnendes Verständnis von dorther auf demütig gesenkte Häupter herab?

Bremen KURT MEHL

Schumann

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