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Horchposten für Rumänien?

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aus DER SPIEGEL 35/1983

Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann muß sein Haus vor östlichen Lauschangriffen schützen. Nur siebenhundert Meter Luftlinie vom Bonner Innenministerium entfernt ziehen die Rumänen derzeit ihr neues Botschaftsgebäude hoch. Die Balkan-Diplomaten hatten die städtische Baugenehmigung Ende der siebziger Jahre erhalten, ohne daß die zuständigen Sicherheitsbehörden eingeschaltet waren.

Erst als Grundstücksverkauf und Baugenehmigung bereits besiegelt waren, schlugen Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst Alarm. Eine interministerielle Kommission tüftelt seither Abwehrmaßnahmen aus - mit zweifelhaften Erfolgsaussichten. Vor allem mit Laserstrahlen und Richtmikrophonen, fürchten Sicherheitsexperten, könnten die Rumänen künftig Anteil am Geschehen im Hause Zimmermann nehmen, zumal sich der freistehende elfstöckige Ministerbau für Lauschangriffe geradezu anbietet: Die Dreifachverglasung der Fassade verstärkt zum Schrecken der Experten noch die Horchmöglichkeiten für Zuhörer von außen - trotz des Verkehrslärms von einer nahen Autobahnbrücke. Die Büros des Ministers sowie der Staatssekretäre und der wichtigsten Abteilungsleiter liegen zumeist der Rumänischen Botschaft gegenüber. Überdies sind Abteilungen wie etwa »Innere Sicherheit« - zuständig unter anderem für Spionageabwehr und Verfassungsschutz - im Ministerbau untergebracht.

Um Laserangriffe der Rumänen abzuwehren, haben die Sicherheitsbehörden bereits begonnen, das Bonner Innenministerium mit erheblichem finanziellem Aufwand »nach Nato-Maßstäben« umzurüsten. Schon jetzt, beruhigen Verfassungsschützer, seien Zimmermanns Büro und andere sensible Räume abhörsicher. Außerdem gebe es genügend technische Abwehrmöglichkeiten, versichern amtliche Lauschexperten.

Ob die ausgeklügelten Sicherheitsvorkehrungen ausreichen, bleibt abzuwarten: Die Rumänen gelten unter östlichen Abhörspezialisten als besonders clever.

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