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Briefe

Horst Wessel in Bagdad
aus DER SPIEGEL 45/1947

Horst Wessel in Bagdad

Die arabische und indische Freiwilligenlegion, von der Wolfgang Keller im »Spiegel« Nr. 43 berichtete, sind nicht der einzige Versuch des deutschen Generalstabes gewesen, im Nahen Osten Fuß zu fassen. Als im Juni 1941 im Irak ein Aufstand gegen die Engländer ausgebrochen war, wurde in aller Eile beschlossen, die irakischen Aufständischen mit deutschen Flugzeugen zu unterstützen. Ich war selbst dabei, als nach der Beendigung des Kreta-Unternehmens eine Staffel des Zerstörergeschwaders »Horst Wessel« vom Flugplatz Argos im Peloponnes mit Me-110-Flugzeugen nach Bagdad startete. Auch einige He-111-Kampffliegerverbände wurden bei Nacht und Nebel nach dem Zweistromland verfrachtet.

Transportflugzeuge vom Typ Ju 52 sollten den Nachschub sicherstellen. Mit den französischen Vichy-Behörden in Syrien und im Libanon war vereinbart worden, daß die deutschen Flugzeuge in Aleppo und Damaskus zwischenlanden und tanken durften. Sabotageakte und passiver Widerstand der französischen Monteure machten einen geregelten Nachschub sehr bald schon illusorisch.

Die deutschen Flieger konnten im Irak wenig Lorbeeren ernten. Bei Luftkämpfen mit der britischen Luftwaffe wurden eine Reihe deutscher Flugzeuge abgeschossen. Nachschubschwierigkeiten machten kurz darauf einen weiteren Einsatz der deutschen Flugzeuge überhaupt unmöglich, während gleichzeitig die Engländer in raschem Vormarsch den Aufstand niederwarfen. Bereits nach vier Wochen war das kurze irakische Gastspiel der deutschen Luftwaffe durch den vollkommenen Sieg der Engländer beendet.

Diese Angelegenheit hat meines Wissens noch ein kriegsgerichtliches Nachspiel gehabt. Der Chef der deutschen Luftwaffenmission im Irak ein Oberst, hatte sich nämlich beim Heranrücken der Engländer aus dem Staube gemacht, ohne die Gefechtsunterlagen und die nicht mehr startklaren Flugzeuge zu vernichten. Ein junger Leutnant vom »Horst-Wessel«-Geschwader hat dann in letzter Minute die restlichen deutschen Maschinen in die Luft gesprengt.

Mannheim.

HERBERT ELLERMANN.

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