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GRIECHENLAND Hundesterben für Olympia?

aus DER SPIEGEL 18/2004

Streunende Hunde, die zu Zehntausenden in und um Athen leben, haben vier Monate vor Beginn der Olympischen Spiele einen ebenso heftigen wie skurrilen internationalen Konflikt ausgelöst. Tierfreunde aus Westeuropa, Kanada, Australien und den USA rufen wegen »Massenvergiftung von Streunern« zum Olympia- und Urlaubsboykott. Seit Anfang des Jahres Dutzende verendeter Hunde in Parks aufgefunden worden sind, gehen Berge von Protestbriefen und »Pfui Griechenland«-Mails bei den zuständigen Ämtern ein. Aus Sorge, die griechischen Behörden wollten die herrenlosen Vierbeiner mit Gift aus der Welt schaffen, um so die Straßen und Plätze Athens olympiafein zu machen, hatten Tierschützer bereits Anfang des Jahres eine bizarre Hilfsstrategie ersonnen: Aktivistengruppen aus aller Welt begannen, so viele Hunde wie möglich einzufangen und in Heimen oder Privathaushalten außerhalb des Landes unterzubringen. Das weckte wiederum bei griechischen Hundefreunden Verdacht. Boulevardzeitungen spekulierten unter großen Schlagzeilen, die herrenlosen Köter würden im Ausland für 30 bis 35 Euro zu Pharmaversuchen oder zur Lederproduktion verhökert. Obwohl es dafür keinerlei Belege gab, wurde das erst voriges Jahr verabschiedete Tierschutzgesetz so verschärft, dass nun praktisch kaum noch Hunde ins Ausland gebracht werden können.

Dabei wollte Athens Stadtverwaltung die Hundeplage vor Olympia anfangs besonders harmonisch lösen: Bürgermeisterin Dora Bakoyannis stellte Geld für Impfung und Sterilisation von Streunern bereit - zwei Exemplare adoptierte sie selbst. Ziel der PR-Aktion: Viele Landsleute sollten es ihr gleichtun.

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