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»Ich bin überhaupt sehr lustig«

Von Gerhard Mauz
aus DER SPIEGEL 37/1989

Eine Frau tötet einen Mann, als dieser versucht, ihre Schwester zu vergewaltigen. Das wurde im Januar dieses Jahres aus dem Hochsauerland gemeldet. Notwehr meinte man, allenfalls Überschreitung der Notwehr. Jetzt ist wegen Totschlags verurteilt worden.

Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Arnsberg hat angesichts eines sozialen Unglücks mit tödlichem Ausgang versucht, einem toten Mann und zugleich der Frau, die ihn getötet hat, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Daß das Strafrecht nur ein »Mittel zur Erhaltung eines verworrenen Gefüges« ist (wie der Rechtsanwalt Martin Beradt, der 1933 Deutschland verlassen mußte, einmal schrieb) und allzuoft ein Käfig für die Mühe um eine leidliche Annäherung an die Gerechtigkeit, sollte man nicht dem Gericht vorwerfen.

Der Anklage zufolge hat die Angeklagte, die verheiratete Hausfrau Annette Grundei, 28, in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar 1989 den türkischen Gastarbeiter Mehmet Canan getötet, indem sie, hinter ihm in seinem Wagen sitzend, ihm ihr Unterhemd um den Hals zog und es hinter der Kopfstütze verknotete.

Der Türke Mehmet Canan lebte seit 15 Jahren in der Bundesrepublik. Er war verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes, die heute zwölf beziehungsweise sieben Jahre alt sind. Wie auch seine Frau Fatma arbeitete Mehmet Canan in einer Glasfabrik. Seine Kollegen schätzten seinen Fleiß und seine Zuverlässigkeit. Er war nie aufgefallen, und mit der Polizei oder gar den Gerichten hatte er nichts zu tun gehabt.

Wie die Nacht vom 17. auf den 18. Januar 1989 für Mehmet Canan bis ein Uhr in der Frühe verlief, wissen wir nicht. Man kann nur versuchen, sich aus den Aussagen in der Hauptverhandlung ein Bild davon zu machen, was Mehmet Canan von diesem Zeitpunkt bis zu seinem Tod zu erleben meinte.

Mehmet Canan interessieren im Lokal »Zum Kupferkrug« die Spielautomaten, mit ihnen ist er beschäftigt, als die Schwestern Margarete und Annette hereinkommen. Sie kommen durch ein Hinterfenster herein, »weil vorne schon zu war«, was natürlich ein großes »Hallo« auslöst. Die beiden Frauen haben, wie sich die Wirtin als Zeugin erinnert, wohl schon vorher »etliches« getrunken.

Es sind auch deutsche Männer in der Nacht so unterwegs wie Mehmet Canan, aber für ihn geht es um die Spielautomaten. Von denen zieht ihn die Ankunft der beiden Frauen auch zunächst nicht ab, doch dann fordert ihn Annette Grundei zum Tanzen auf und zieht ihn in die angetrunkene und angestrengte Fröhlichkeit hinein. Mehmet Canan ist kein Spielverderber, und als sich Annette Grundei plötzlich bis auf den Slip auszieht, da zieht auch er sich bis auf die Unterhose aus und tanzt mit ihr, ohne daß man einander berührt, irgendwelche Figuren, derer sich die Zeugen als »eine Art türkischer Tanz« erinnern.

Mehmet Canan gilt als »ruhige Natur«, er drängt sich nicht in das Leben der Menschen hinein, deren Gast er ist. Zieht er sich aus, weil er die junge Frau nicht allein lassen will, als diese sich, durch ein »Dazu bist du zu feige« provoziert, auszieht? Er zieht sich dann auch rasch wieder an. Annette Grundei tut das erst nach einer halben Stunde, als es heißt, nun sei aber Schluß (wobei sie das blaue Unterhemd nicht wieder anzieht, sie steckt es in die Jackentasche).

Um drei Uhr macht die Wirtin zu, und Mehmet Canan bietet den beiden Frauen an, noch anderswo Spaß zu suchen. Die Frauen, ohne Fahrzeug und Begleitung, sind einverstanden und steigen in den Audi des Mannes. Als Annette Grundei sich im »Kupferkrug« plötzlich bis auf den Slip auszog, hat sich Mehmet Canan vielleicht aus Takt, in unbewußter Zartheit gleichfalls entkleidet. Er hat von den dreien am wenigsten getrunken, weniger als ein Promille wird bei der Obduktion festgestellt. Doch inzwischen hat sich seine Haltung gegenüber den beiden Frauen geändert, und sie ändert sich immer mehr, während man nun in zwei Lokalen vergeblich Einlaß sucht.

Das erste Lokal, das man anfährt, ist geschlossen. Während der Fahrt zu einem zweiten sagt Mehmet Canan, daß er mit der neben ihm sitzenden Annette Grundei schlafen möchte. Er versucht auch, ihr zwischen die Beine zu fassen. Sie wehrt ihn ab, ohne daß er das als unmißverständliche Ablehnung empfinden muß, denn schließlich steuert er den Audi, und sein Annäherungsversuch gerät ihm deswegen nicht so recht.

In das zweite Lokal, das man aufsucht, geht die Schwester Margarete nicht mit hinein, sie ist auf dem Rücksitz eingeschlafen. Zu dem Bier, das Mehmet Canan und Annette Grundei noch trinken wollen, kommt es nicht, weil Frauen keinen Zutritt haben. Mehmet Canan macht das zornig, und als man zum Wagen zurückgeht, hat Annette Grundei den Eindruck, der Mann wolle sie in die Büsche ziehen und nun um jeden Preis mit ihr verkehren.

Sie reißt sich los, läuft zum Wagen zurück, steigt auf den Rücksitz zu ihrer Schwester. Was sie mit der Schwester tuschelt, erfaßt Mehmet Canan nicht, doch daß danach Schwester Margarete über die Sitze hinweg auf den Beifahrersitz klettert, wie soll er das deuten?

Die beiden Frauen sind im Auto geblieben, darüber, wohin es nun gehen soll, wird nicht gesprochen. Mehmet Canan fährt in Richtung Marsberg zurück, und etwa 500 Meter vor dem Ortseingangsschild bremst er ab, setzt rückwärts in die Einmündung eines Seitenwegs hinein und hält dort nach 15 Metern. Er wendet sich der Schwester Margarete zu, nachdem er die Scheinwerfer ausgeschaltet hat, und beginnt, so hat es die Angeklagte beschrieben, an ihr »herumzufummeln«. Beide »fummelten aneinander herum«, sagt Annette Grundei, und daß in dieser Situation unversehens ein Widerstand sich regt, daß Margarete nicht zu dem bereit ist, wozu sie Mehmet Canan, so wie er es versteht, eingeladen hat - er merkt es nicht, es geht alles blitzschnell.

Mehmet Canan sitzt hinter dem Lenkrad, er hat sich nur ein wenig zu der Frau auf dem Beifahrersitz hinübergebeugt, als er jählings mit einem fürchterlichen Ruck auf seinen Sitz zurückgezogen und mit dem Kopf an die Stütze gerissen wird. Er verliert sofort das Bewußtsein. Nach drei bis fünf Minuten ist er tot.

Was geschehen ist, hätte nicht passieren müssen, und zugleich mußte es dazu kommen. Was sich sonst ausschließt, gehört hier zusammen und macht ein soziales Unglück aus. Denn wäre für Mehmet Canan zu erkennen gewesen, daß kein Einverständnis bestand, hätte er noch darauf reagieren können, daß ihm von einem Augenblick zum anderen Widerstand geleistet wurde - es spricht nichts dafür, daß er diesen Widerstand gewaltsam gebrochen hätte.

Doch die Not der Annette Grundei, an die Mehmet Canan geriet, ist größer als die Notlage, in der sie tötete. Was sich im Auto auf den Sitzen vor ihr abspielte, hat sie nicht, wie das Strafrecht es verlangt, »situationsgerecht« einschätzen und sich entsprechend verhalten können. Sie hat nicht »angemessen« reagiert, und wir bestehen ja darauf (um ein verworrenes Gefüge zu erhalten), daß der Mensch, so ihn nicht Schwachsinn lähmt oder ein Befund mit »Krankheitswert« behindert, angemessen reagieren kann; daß er dazu fähig ist, aus den Regalen der Verhältnismäßigkeit das Zulässige im Bruchteil von Sekunden herauszusuchen.

Die Not, aus der heraus Annette Grundei in einer Notlage getötet hat, aus der eine andere Frau wohl einen unblutigen Ausweg hätte finden können, kommt von weit her. Ihre Biographie hat sie verkrüppelt, sie ist ein schwerbehinderter Mensch, nur daß man ihr das nicht ansieht.

Nur dürftig kann hier das Leben Annette Grundeis erzählt werden. Was in der Hauptverhandlung zur Sprache kam, muß vor der höhnischen Nachrede bewahrt werden. Es gehören so viele Menschen zu dieser Geschichte, Verwandte, Freunde und Bekannte; Menschen, die in einer schönen, aber abgelegenen Landschaft leben, die einander kennen. Es ist freilich schwer, die Not der Annette Grundei überzeugend zu erzählen und nicht alle an ihrem Platz in dieser Geschichte so auftreten zu lassen, wie sie mithandelnde Personen sind: die alkoholkranke Frau, die von ihrem Mann, nachdem sie sich einer Totaloperation unterziehen mußte, eine »geschlachtete Sau« genannt wird, oder den Mann, der nicht nur eine Frau, sondern auch eine Gummipuppe hat.

Annette Grundei ist das Kind einer großen Familie. Das erste Kind stirbt als Säugling. Danach folgen acht Kinder, unter denen sie das sechste ist. Sie ist fünf oder sechs Jahre alt, als die Mutter, 40jährig, an Krebs stirbt. Der Vater heiratet eine 14 Jahre ältere Frau, die zwei erwachsene Söhne mit in die Ehe bringt. Die zweite Frau des Vaters ist eine gute Mutter, aber sie bleibt halt die Stiefmutter. Der Vater ist Drahtzieher von Beruf, und man darf sich vorstellen, daß die Familie karg, aber ordentlich gelebt hat und daß den Kindern jeder gute Wille galt.

Die Familie steht heute zu der angeklagten Tochter und Schwester, doch daß es nicht nur ein Glück ist, in einer Großfamilie aufzuwachsen, wird in der Hauptverhandlung in Arnsberg deutlich. Da gibt es Spannungen, Reibungen und unausbleiblich Schäden, die zu erkennen und zu beheben es an Wissen gebricht. Daß Annette sich verfehlt, nicht zu sich findet, sich verloren fühlt, daß sie untergeht in der großen Familie, was ihr Ich angeht, merkt niemand. Mit Krankheiten gibt sie Signale nach dem Tod der Mutter, und sie gibt auch in der Grundschule Signale, indem sie nicht mithalten kann.

Diese Signale werden nicht verstanden, im Gegenteil. Sie kommt auf die Sonderschule, obwohl sie keineswegs minderbegabt ist. Ohne die Zuflucht entdeckt zu haben, die sie selbst sich sein könnte, fühlt sie sich nun jeder Geborgenheit beraubt, sie ist ausgesetzt worden durch ihre Kindheit und versucht ihre Angst zu überspielen fortan. »Ich bin überhaupt sehr lustig«, sagt sie zu einem ihrer Gutachter, und die Rolle des immer fröhlichen Kumpels, der zu allem bereit ist, die hält sie ohne Erbarmen gegen sich selbst durch. Mit ihr kann man »blödeln«, sie ist immer »munter«, immer »locker drauf«.

Mit ihrer jüngeren Schwester Petra, der nächsten nach ihr in der Geschwisterreihe, macht sie Ausbruchsversuche, sogar ins Ausland, doch die Versuche scheitern, sie muß immer wieder zurück. Und es scheitern auch ihre Versuche, bei einem Mann Zuflucht zu finden. Alle Männer gehen fremd, ist ihre Erfahrung, und dieses Fremdgehen zerstört ihre Illusion, sie sei endlich doch geborgen.

Im November 1979 wird Annette Grundei von drei Männern vergewaltigt, dreimal macht sich jeder im Lauf einer Nacht über sie her. Ihr Widerstand wird durch Schläge gebrochen, und er wird auch dadurch gebrochen, daß man nebenan auf ihre Schwester Petra einschlägt, wenn sie nicht nachgibt und damit der Schwester Mißhandlungen und Vergewaltigung erspart. Zwei von den Männern werden deswegen verurteilt, der dritte kann sich ins Ausland absetzen.

Als Annette Grundei später merkt, daß sie schwanger ist, nimmt sie zunächst an, während der Vergewaltigung empfangen zu haben. Doch dann stellt sich heraus, daß dieses Kind aus der vorher von ihr abgebrochenen Beziehung stammt. Sie bekommt das Kind, sie heiratet, aber nicht den Vater des Kindes, und auch diese Beziehung scheitert, weil sie entdeckt, daß ihr Mann bisexuell ist.

Sie verliert das Kind, als sie eines Tages heimkommt, ist es weg. Ihre Schwester Petra hat der Behörde gemeldet, daß sie ihr Kind vernachlässigt, man hat es abgeholt. Sie erkämpft sich das Kind zurück - und gibt es schließlich doch preis, obwohl ihre Zustimmung zur Adoption durch ein Amtspapier ersetzt werden muß. Sie weint heute um dieses Kind. Da war sie einmal ganz nah an einer Wirklichkeit, aber sie hat sie nicht erkennen, nicht halten können.

Sie heiratet ein zweites Mal, und auch diese Ehe verläuft unglücklich, aus vielen Gründen. Ihr Mann läßt sich mit ihrer Schwester Petra ein (und sie sich mit ihm, ausgerechnet sie), und ihr Mann sagt ihr, als sie sich empört, die Petra bumse einfach besser. Sie beginnt bei einer Nachbarin Zuflucht zu suchen, einer Lehrerin, zunächst nur, wenn sie betrunken ist ("Wenn ich nüchtern bin, traue ich mich nicht«, sagt sie). Die versucht ihr zu helfen, behutsam und verständnisvoll. Bei der bleibt sie schließlich, als es ganz unerträglich ist, für 14 Tage.

Am 17. Januar 1989 abends bricht sie von der Wohnung dieser Nachbarin aus auf, um sich mit ihrem Mann zu treffen und sich mit ihm zu versöhnen. Doch ohne daß ihr das bewußt sein kann, ist eine Versöhnung noch nicht oder überhaupt nicht möglich. Es hat sich nichts im Leben ihres Mannes geändert in den 14 Tagen, und in Wahrheit ist sie ja für einen ganz anderen, viel größeren Neubeginn ausgezogen. Sie trifft ihre Schwester Margarete, die beiden Frauen beginnen zu trinken. Über 2,1 Promille werden bei Annette Grundei festgestellt, bei der Schwester noch mehr.

Das Ende ist der Seitenweg an der Bundesstraße 7, in den Mehmet Canan fährt. Vorher, als sie zur Schwester auf den Rücksitz stieg, hat sie diese vergeblich zum Aussteigen aufgefordert. Die ist nach vorn auf den Beifahrersitz geklettert. Darum hat sie zuerst gemeint, die Schwester sei einverstanden - bis sie plötzlich den Eindruck hat, die Schwester wolle nicht, sie wehre sich. Der Mann sollte nur von der Schwester weg. Danach springt sie aus dem Auto, läuft zur Straße, hält schreiend einen Wagen an, dem Fahrer gelingt es mit Mühe, sie nicht zu überfahren. »Ich habe ihn umgebracht«, schreit sie, »ich habe ihn umgebracht.«

Die Schwester Margarete macht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Und die Sachverständigen, der Psychiater Dr. Vahlhaus und der Klinische Psychologe Friese, werden zum bösen Rätsel dieser Hauptverhandlung. Vor allem Herr Friese erfaßt in seinem Gutachten das Leben der Angeklagten sehr genau, zum Beispiel die Neigung, »Ängste und triebbesetzte Affekte zu verdrängen«. Doch für den Psychologen und den Psychiater findet sich nichts, was belegt, daß Annette Grundei eine verminderte Schuldfähigkeit zugesprochen werden könnte. Sie sei »durch Mißgeschicke und Schicksalsschläge wenig zu beeinträchtigen« und darum ihre »Schuldfähigkeit zu bejahen«.

Alle Beteiligten ringen um die Sachverständigen, auch Oberstaatsanwalt Rudolf Schröder, 48, der die Anklage vertritt. Der Vorsitzende Richter Dr. Ewald Franzmann, 60, bedrängt die Sachverständigen, der Berichterstatter, der Richter Hans-Heinrich Kachstein, 54, setzt ihnen zu. Und die Verteidigerin, die Rechtsanwältin Edith Lunnebach, Köln, die sich für diese Mandantin nicht nur nach den Regeln der Kunst, sondern mit klugem und herzlichem Engagement einsetzt, unterzieht die Herren einer Befragung, die tonnenschwere Steine verlegen machen und ins Rollen bringen würde. Mehr als 2,1 Promille und diese Biographie - nein, keine Schuldminderung. Annette Grundei ist auch nach der Zäsur der Vergewaltigung der Mensch geblieben, der sie schon vorher war - eben arm, eben dürftig dran, »in der Spielbreite der Norm«.

Die Verteidigung plädiert auf Freispruch wegen Notwehr, und Edith Lunnebach gelingt ein Plädoyer, das nicht blindlings vom brutalen Angriff eines Mannes handelt, sondern vom Schicksal eines »türkischen Mitbürgers«. Der Mitverteidiger Karl Peter Brendel, Marsberg, schließt sich dem Antrag auf Freispruch mit gescheiten rechtlichen Erwägungen an. Die Anklage hat eine schuldmindernde Verfassung der Angeklagten angenommen und sechs Jahre wegen Totschlags beantragt. Der Oberstaatsanwalt Schröder hat den bedingten Vorsatz konjugiert, aber bitte, er hat das Lebensschicksal, den Alkohol und die Ermüdung berücksichtigt und eine Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit nicht ausgeschlossen.

Das Gericht verurteilt Annette Grundei zu vier Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe wegen Totschlags. Verwirrung, Furcht und Schrecken hätten nicht das Maß erreicht, das es erlaube, einen Notwehrexzeß anzunehmen. Doch eine erhebliche Verminderung der Schuld- und Steuerungsfähigkeit nimmt das Gericht an. »Wir haben deshalb so erkannt«, beendet der Vorsitzende Richter Franzmann die mündliche Begründung, und dieses »deshalb« enthält nicht allein Rechtsgründe.

Für die Nebenklägerin Fatma Canan, die Witwe, hat Rechtsanwalt Sturmius Bartholme, Marsberg, in einem leisen, eindringlichen Plädoyer an das »unendliche Leid« erinnert, das über eine Frau und zwei Kinder gekommen ist. Von Notwehr durfte auch des Getöteten wegen nicht die Rede sein. Die Verurteilung wegen Totschlags ist ein Versuch, dem sozialen Unglück, um das es ging, so weit, wie es uns derzeit möglich ist, gerecht zu werden.

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