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Artikel 20 / 71

»ICH HABE MICH AUF SIEG EINGESTELLT!«

aus DER SPIEGEL 45/1967

Es sind jetzt 25 Jähre her, seit die große Schlacht bei El Alamein geschlagen wurde. Ich gebrauche das Wort »groß«, weil meine persönliche Botschaft vom 23. Oktober 1942 an die Offiziere und Mannschaften der britischen 8. Armee die Satze enthielt: »Die Schlacht, die jetzt beginnt, wird eine der entscheidenden Schlachten der Geschichte sein. Sie wird zum Wendepunkt des Krieges werden.«

Warum sagte ich das? Mancher wird glauben, aus Prahlerei. Doch der Leser sollte sich das Jahr 1941 und die erste Hälfte des Jahres 1942 ins Gedächtnis zurückrufen, die Zeit, in der die Alliierten etliche militärische Katastrophen hatten hinnehmen müssen.

Es war eine düstere Geschichte. Die Russen taumelten unter schweren Schlägen, und die Amerikaner, die am 7. Dezember 1941 in den Krieg eingetreten waren, hatten ihre gewaltige Kraft noch nicht entfaltet.

So sahen die Dinge aus, als ich am 13. August 1942 den Befehl über die 8. Armee in Nordafrika übernahm. Eines war mir völlig klar: Es durfte keine weiteren Niederlagen geben. Eine gewisse Vorsicht mochte notwendig sein, ungerechtfertigte Risiken mußten vermieden Werden; ich nahm mir vor, mich auf keine Schlacht einzulassen, ehe wir dazu in der Lage waren.

Ich war entschlossen, mit den Niederlagen in der Wüste Schluß zu machen und mich auf Sieg einzustellen, auf endgültigen und totalen Sieg. Ich wußte, daß die Soldaten des

© Copyright Feldmarschall Lord Montgomery und »Sunday Times«.

Britischen Empire es satt hatten, sich von Rommel herumstoßen zu lassen; sie verdienten Besseres, und ich sagte ihnen, wir würden gemeinsam Rommels Armee schlagen und ein für allemal aus Afrika vertreiben.

Meines Erachtens ist unbestritten, daß in der Schlacht bei El Alamein ich auf der einen und Rommel auf der anderen Seite die entscheidenden Männer waren. Wir bestimmten jeden Schritt. Ich bedaure, daß Rommel tot ist; ich wäre gern mit meinem berühmten Gegner zusammengetroffen, um mit ihm über die Schlacht zu diskutieren. So aber kann ich nichts anderes tun, als meine Geschichte zu erzählen; wieviel besser wäre es, wenn wir sie gemeinsam erzählen könnten!

Über die Schlachten der 8. Armee unter meinem Befehl sind viele Bücher geschrieben worden, meistens von Offizieren in damals niederen Rängen, Pressereportern und Militärhistorikern. Die vollständige Geschichte hat jedoch noch keiner niedergeschrieben; niemand außer mir konnte das tun, denn gewisse gravierende Probleme, denen ich gegenüberstand, habe ich für mich behalten. Nach 25 Jahren aber ist es an der Zeit, einen ausführlichen Bericht zu geben.

Als ich den Befehl über die 8. Armee übernahm, besaß Rommel offensichtlich die Vorherrschaft in der Wüste; niemand schien imstande, sie ihm streitig zu machen.

Es dauerte nicht lange, bis ich herausgefunden hatte, daß die Soldaten der. 8. Armee hervorragend waren; doch im Krieg kommt es ebenso auf die Führung an, ohne sie sind keine großen Leistungen möglich.

Die Generäle an der Spitze der Korps und Divisionen waren Offiziere, die sich durch persönlichen Mut und Führung im Kampf ausgezeichnet hatten; deshalb waren sie zu ihrem jetzigen Rang befördert worden -- in manchen Fällen über ihre »Leistungssspitze« hinaus. Meinem kritischen Blick kam es so vor, als verstünden sie eine Menge vom Kämpfen, aber zuwenig vom »Krieg«.

In den höheren Rängen, in den Stäben der Verbände und unter den Kommandeuren stand es zudem mit der Moral nicht zum besten, denn dort beschäftigte man sich allzusehr damit, was in den Köpfen des Oberkommandos Mittelost in Kairo »brodelte«. Besonders irritierten Pläne, die das Oberkommando für den Fall entworfen hatte, daß Rommel nicht zum Stehen gebracht werden könnte.

Für den Fall eines solchen Rückzugs wurden Gelände-Erkundungen vorgenommen, zu denen hin und wieder auch Offiziere des Stabes der 8. Armee befohlen wurden. General Sir Claude Auchinleck war nicht nur Oberbefehlshaber des Gesamtabschnitts Mittelost mit dem Hauptquartier in Kairo, sondern auch (taktischer) Führer der 8. Armee mit einem Hauptquartier in der Wüste.

Er verbrachte viel Zeit im Armee-Hauptquartier, und dort wurden die streng geheimen Schriftstücke über einen eventuellen Rückzug getippt; Schreibkräfte und Codespezialisten wußten, was vorging, ebenso Offiziere des Stabes. Selbstverständlich kamen Gerüchte auf, sogar untergeordnete Kommandostellen hörten davon.

Diese höchst unbefriedigende Situation, die aus der doppelten Kommandostruktur entstand und dem Oberbefehlshaber wahrscheinlich nicht bekannt war, wirkte sich nachteilig auf den Stab der Armee aus. Die Lage änderte sich, als General Harold Alexander Oberbefehlshaber in Kairo wurde.

Ein zweites Problem war die Neigung verschiedener Waffengattungen und Divisionen, einander die Schuld an früheren Fehlschlägen zuzuschieben; vor allem zwischen Infanterie und Panzerwaffe herrschte Zwietracht. Das Problem der Zusammenarbeit beider Waffengattungen im Kampf war nicht gelöst worden; daher der gegenseitige Groll.

Ich war schon immer der Meinung, daß der wichtigste Faktor des Kriegspotentials die Moral ist. Generäle sollen Schlachten gewinnen, aber sie müssen sich auf ihre Männer verlassen; Schlachten werden vor allem im Herzen der Männer gewonnen.

Wenn England Krieg führt, stehen in den Reihen seiner Streitkräfte Männer, die im Zivilleben nicht Soldaten, Matrosen oder Kampfflieger gewesen sind -- und die niemals Berufssoldaten werden wollen. Diese Männer denken selbständig, sie wägen das Für und Wider ab. Sie wollen wissen, was der General von ihnen verlangt, warum und wann er es verlangt; sie wollen ihn sehen und sich selbst eine Meinung über ihn bilden.

Ich habe nie etwas davon gehalten, mit Soldaten durch »Fernlenkung« umzugehen. Der einzige General, den die britischen Soldaten zu kennen schienen, war Rommel. Ich beschloß, mich Offizieren und Mannschaften der 8. Armee verständlich zu machen, und dafür blieb nur wenig Zeit. Ich ging ohne Zögern an die Arbeit.

Zuallererst mußte das Problem der Generalität angepackt werden. Ich brauchte drei wirklich gute Korpskommandeure, hervorragend ausgebildete Offiziere, die sich auf die Kriegführung verstanden.

Ich forderte zwei Generäle aus England an und bekam sie sofort: Oliver Leese und Brian Horrocks. Beide hatten unter mir gedient; sie kannten meine Arbeitsweise und meine Befehlsmethoden. Die Frage, wer mein drittes Armeekorps befehligen sollte, verursachte einige Diskussionen; später übernahm es Miles Dempsey.

Das Rückgrat der Armee Rommels war das Afrika-Korps, das aus zwei Panzer-Divisionen und einer motorisierten Infanterie-Division bestand; bei Rommels Offensiven wurde es als Stoßkeil eingesetzt. Ein solches Korps besaßen wir nicht, und ich ging sofort daran, eines aufzustellen.

Der wichtigste Beitrag zur Hebung der Moral war möglicherweise meine Erklärung, es werde keinen Rückzug aus der Stellung von El Alamein geben; Ägypten müsse bei El Alamein und nicht im Nildelta verteidigt werden. Wenn wir El Alamein als Lebende nicht halten könnten, würden wir als Tote dort bleiben.

Ich befahl, sämtliche Schriftstücke, die sich mit einem eventuellen Rückzug befaßten, sofort zu verbrennen, und wies den Ersten Generalstabsoffizier der Armee an, mir vor dem Schlafengehen Vollzugsmeldung zu erstatten -- was er auch tat.

Diese einfachen Anordnungen machten eine gründliche Umgruppierung notwendig. Transportfahrzeuge mußten ins Hinterland gebracht, Depots und Versorgungslager frontnah aufgebaut werden. Der Armee wurde die paradoxe Tatsache klar, daß sie nicht abrücken konnte, selbst wenn manche es wollten -- es gab keine Fahrzeuge!

Wie ich erfuhr, waren in der Vergangenheit die Befehle des Generalstabes der Armee von den Generälen nur als Diskussionsthemen angesehen worden; oft beanstandeten Offiziere aller Art eine Anordnung, jeder glaubte, es besser zu wissen als sein Vorgesetzter.

Zu diesem Thema erließ ich eine strikte Anweisung: Befehle seien keine Diskussionsbasis, sondern Aufträge, die ausgeführt werden müßten. Ich würde nicht dulden, daß Truppenführer »meckerten« -- das heißt: unerhebliche Gründe erfanden, um nicht zu tun, was ihnen befohlen worden war. Nach Erlaß dieses Befehls hörte das Meckern schlagartig auf.

Jetzt müssen wir uns in die Wüste begeben und die Stellung bei El Alamein in Augenschein nehmen, die von der 8. Armee besetzt war.

Die Stellung erstreckte sich von der Tel-el-Eisa-Böschung bis etwa zur Mittelmeerküste, verlief dann fast genau südlich quer über den westlichen Ausläufer des langen, kahlen Ruweisat-Rückens, dehnte sich noch weiter südlich aus und schloß damit die Höhe Karet el Himeimat ein.

Diese Höhe beherrschte das Gebiet im Norden, und wer sie in Besitz hatte, konnte meilenweit jede Bewegung beobachten. Die Erhebung liegt an der nördlichen Ecke der großen Kattara-Senke, eines riesigen, mit weichem Sand bedeckten Salzsumpfes.

Westlich von Himeimat führt ein Hügelausläufer, Minkar Abu Dweis ("Hügel des Vaters der Vögel") genannt, zu der Senke. Sein Rücken ist von großen, lockeren Steinen bedeckt, die selbst einem Jeep das Vorwärtskommen erschweren; die Seiten fallen bis zur Sohle der Senke steil ab. Vom Norden her führen ein paar felsige Schluchten zu der Senke, doch es gibt nur wenige Eingänge.

Ich sollte noch erwähnen, daß die Stellung El Alamein ihren Namen von einer kleinen Bahnstation hat, die an der eingleisigen Strecke Alexandria-Mersa Matruh liegt. An der Küste nördlich der Bahnstation richtete ich meinen Gefechtsstand für die Schlacht ein.

Rommels Armee lag bei El Alamein der 8. Armee gegenüber. Es gab keine offene Flanke: Im Norden befand sich das Mittelmeer, im Süden die Kattara-Senke. Das Problem, das sich mir und meinem Stab stellte, war deshalb schwer zu lösen: Wie konnte man in Rommels Stellung eindringen und sie durchbrechen, obwohl sie keine offene Flanke hatte?

Die einzige Möglichkeit hieß: Frontalangriff auf das etwa acht Kilometer tiefe Verteidigungssystem des Gegners, ein Netz von befestigten Infanteriestellungen, die mit Minen gesichert und von starker Artillerie abgedeckt waren.

An dieser Stelle muß ich eine Sache aufklären. Viele Publizisten haben angedeutet, mir seien nach meiner Ankunft in der Wüste Pläne für künftige Operationen der 8. Armee übergeben worden, auf die sich mein eigener Schlachtplan gestützt hätte. Solche Behauptungen sind absolut unwahr; niemand hat mir derartige Dokumente übergeben. Wenn solche Papiere im Hauptquartier der 8. Armee vorhanden waren, hat man sie mir nicht gezeigt.

Ich ermittelte vielmehr damals zunächst die tatsächliche Lage und entwarf dann meine eigenen Pläne. Was vor meiner Ankunft von anderen niedergeschrieben oder getan worden war, interessierte mich nicht, weil ich der Ansicht war, daß die früheren Operationen Rommel nicht gehindert hatten, die Wüste zu beherrschen.

Und so begann ich, die Schlacht zu planen, die als Schlacht von El Alamein bekannt werden sollte. Doch Rommel griff ein, um in einem letzten Versuch nach Kairo vorzustoßen -- ein Fehler, da Rommel mit langen Nachschubwegen rechnen mußte und das Versorgungswesen seiner Truppen kaum in gutem Zustand gewesen sein kann. Ein Militär schrieb später, es sei »der letzte Wurf eines Spielers« gewesen.

Meine Erkundungen im Raum El Alamein hatten mir die große Bedeutung des stark befestigten Ruweisat-Rückens klargemacht. Etwa 900 Meter südöstlich davon gab es jedoch einen zweiten Höhenzug namens Alam Haifa, der völlig unverteidigt war; diese beiden Höhenzüge schienen mir die Schlüssel zur ganzen Stellung zu sein, insbesondere Alam Halfa.

Es gab Anzeichen dafür, daß Rommel uns angreifen wollte, ehe wir selbst zum Angriff auf ihn bereit waren. So bat ich am Abend des 13. August 1942 meinen Oberbefehlshaber, General Alexander, mir sofort die kürzlich aus England nach Ägypten verlegte 44. Division zu schicken; vom 18. August an traf sie nach und nach ein.

Ich ließ sie auf dem Alam-Halfa-Rücken Stellung beziehen und gab Befehl, ihn zu halten. Ich war überzeugt, Rommel werde meine Südflanke angreifen, in Richtung des Alam-Halfa-Rückens vorstoßen und versuchen, die 8. Armee von rückwärts völlig aufzureiben.

Genau das war tatsächlich seine Absicht; sein Angriff brach in der Nacht des 31. August los. Rommel mußte sich jedoch in seine alte Stellung zurückziehen, als er begriff, daß seine Absicht, die 8. Armee zu vernichten und nach Kairo vorzustoßen, fehlgeschlagen war. Daraufhin brach ich den Kampf ah.

Ich überließ jedoch seinen Truppen die Höhe von Himeimat, die Rommel bei seinem Angriff genommen hatte

sehr zum Ärger von General Horrocks, der das XIII. Korps an meiner Südflanke befehligte. Horrocks klagte, daß Rommel jetzt Einblick in den Abschnitt des XIII, Korps habe. Ich erwiderte, dies liege genau in meiner Absicht; Rommel werde viele Anzeichen eines bevorstehenden Angriffs zu sehen bekommen, doch all das würden bloße Attrappen sein. Der tatsächliche Schwerpunkt unserer kommenden Offensive sollte weiter im Norden liegen.

Man hat behauptet, in Truppenstärke, Ausrüstung und allen wesentlichen Mitteln der Kriegführung sei ich Rommel weit überlegen gewesen. Das stimmt nicht ganz, und wir sollten die Sache etwas genauer untersuchen.

Rommel verfügte über 12 Divisionen, vier deutsche und acht italienische, außerdem einige selbständige Einheiten wie die Fallschirmjägerbrigade Ramcke; die Zahl seiner Truppen belief sich auf insgesamt etwa 180 000 Mann. Er besaß 500 bis 600 Panzer und eine starke Artillerie.

Die 8. Armee bestand aus elf Divisionen; ich hatte etwa 1200 Panzer, über 1000 Geschütze, reichlich Treibstoff und Munition, einen kurzen Nachschubweg (was Rommel nicht hatte); die Truppenstärke belief sich auf etwa 210000 Mann*.

Somit war ich auf der Erde entschieden überlegen, und unsere Überlegenheit in der Luft betrug mindestens 3:1. Ohne eine gewisse Überlegenheit zu Land und in der Luft wäre jedoch eine Offensive gegen die starke Stellung der Achsenstreitkräfte nicht möglich gewesen.

Eine Armee ist eine Kampfmaschine, die von der Führung kontrolliert, durch Disziplin zusammengefügt und durch Ausbildung geformt wird. Ich hatte die Führung der 8. Armee auf den verschiedenen Befehlsebenen sorgfältig überprüft und war zufrieden. Disziplin, Kampfgeist und Moral stellten kein Problem dar -- sie waren gut. Der Stand der Ausbildung jedoch machte mir Sorgen.

Daher beschloß ich, die Armee eine gewisse Zeit intensiv üben zu lassen, und zwar jenen Gefechtstyp, der uns

* Montgomerys Angaben stimmen nicht ganz mit den Berechnungen deutscher und britischer Kriegshistoriker überein. Danach verfügte Rommel über 96 000 Mann, 530 Panzer und 300 Flugzeuge, während Montgomery über 220 000 Mann, 1300 Panzer und 800 Flugzeuge gebot. -- Red.

bevorstand, wenn wir unsererseits zum Angriff übergehen würden: den set-piece attack (Angriff mit massiertem Artilleriebeschuß). Die Ausbildung begann sofort; zum Programm gehörte der Drill in Minenräumung, die Zusammenarbeit zwischen Infanterie und Panzerwaffe, das Vorangehen der Infanterie dicht hinter einer weiterkriechenden Feuerwalze.

Ich wußte sehr wohl, daß in jeder Schlacht gegen einen entschlossenen Feind der Zeitpunkt kommt, an dem der Sieg auf des Messers Schneide steht. Zum Schluß geht die Macht des Heerführers an die Regimentsoffiziere und Mannschaften an der vordersten Front über. Die Ausbildung der Soldaten, ihr Mut, ihre Weigerung, eine Niederlage hinzunehmen, ihre Standfestigkeit und ihre Zähigkeit im Kampf sie entscheiden über den Sieg.

Deshalb hatte ich auf dem langen Weg von El Alamein nach Berlin in meinem Befehlswagen ein Shakespeare-Zitat aus Heinrich V. an der Wand hängen: »0 Schlachtengott! Stähl die Herzen meiner Männer!« Ich überließ die Detailplanung meinem ausgezeichneten Generalstabschef, Brigadier Francis de Guingand, und verbrachte die meiste Zeit bei der Truppe.

Ich beobachtete die Ausbildung sorgfältig. Seit ihrer Aufstellung hatte die 8. Armee etwa 80 000 Mann verloren; auf die Ausbildung der Ersatzmannschaften war nur wenig Zeit verwendet worden. Und weil ich mit dem erzielten Ausbildungsstand nicht gänzlich zufrieden war, ersetzte ich den schon ausgearbeiteten Angriffsplan durch einen weniger ehrgeizigen.

Bis dahin hatte die Taktik im Wüstenkrieg darin bestanden, den

* In den letzten Stunden vor dem britischen Angriff bei El Alamein.

Gegner an der Binnenflanke anzugreifen und dann eine Schwenkung zum Meer hin zu machen -- die Briten schwenkten nach rechts (das heißt, sie führten einen »Linkshaken"), und Rommel schwenkte nach links wie bei Alam Halfa.

In El Alamein, einer Stellung ohne offene Flanken und ohne Raum zum Manövrieren, wäre diese Taktik offensichtlich unangebracht gewesen. Begann außerdem unser Hauptangriff an der Binnenflanke am Südabschnitt der Front, dann hätten die Verbände nach dem Durchbruch nordwärts schwenken müssen -- und das hätte Rommel alarmiert.

Wenn dagegen unser Hauptangriff weiter nördlich vor sich gehen würde, könnten wir nach dem Durchbruch entweder nach links oder nach rechts schwenken, je nachdem, was für uns besser sein würde. Auf diese Weise könnten wir uns ein gewisses taktisches Überraschungsmoment zunutze machen.

Deshalb beschlossen wir, zwei Breschen in das vom Feind gehaltene Gebiet zu schlagen. Infanterie-Divisionen sollten die Minen räumen und die Breschen öffnen; die Panzer-Divisionen sollten ihnen unmittelbar folgen. Falls die Infanterie die Breschen nicht vollständig säubern könnte, so lautete mein Befehl, hätten sich die Panzer allein ihren Weg ins Freie zu erkämpfen.

Dieser Befehl war bei den Kommandeuren der Panzerverbände nicht eben beliebt. Als der Kommandierende General des XXX. Korps, General Leese, die Order den ihm unterstellten Offizieren bekanntgab, kommentierte General Freyberg von der neuseeländischen Division mit lauter Stimme: »Das machen sie (die Panzerverbände) nicht.« General Morshead von der australischen 9. Division stimmte ihm sofort bei.

General Leese war erst seit wenigen Tagen in der Wüste. Die Worte der beiden erfahrenen Generäle verblüfften ihn so, daß er beteuerte: »Vielleicht kennen Sie den Armeeführer nicht sehr gut; was ich gesagt habe, ist sein Befehl.«

Beide Generäle wiederholten: »Das machen sie nicht!« Daraufhin schlug General Leese vor, eine Kaffeepause einzulegen; in der Pause besprach er sich mit seinem Stabschef, der von der Spannung zwischen Infanterie und Panzerwaffe wußte.

Als die Aussprache fortgesetzt wurde, legte General Leese fest, es sei von allen zu akzeptieren, daß man in voller Übereinstimmung mit dem Armee-Plan vorgehe.

Als ich meine Truppen für die Schlacht gruppiert hatte, machte ich eindeutig klar, daß es sich um eine »Armee-Schlacht« handelte, die nach einem Armee-Plan und, soweit es den Gesamtplan betraf, unter sorgfältiger Überwachung durch das Hauptquartier der Armee ablaufen würde.

Sobald die beiden Breschen in die Achsenstellung geschlagen wären, sollte das X. Korps unter General Lumsden die Breschen passieren und seine Panzer-Divisionen rechts und links der Verbindungslinien des Feindes aufstellen; Rommels Panzerkräfte wären dann gezwungen, meine Panzerwaffe anzugreifen, und würden dabei, so hoffte ich, vernichtet werden. Inzwischen könnten meine Infanterie-Divisionen ungestört Rommels Infanterie angreifen.

Mein Plan war einfach, doch ich mußte einsehen, daß er für den Ausbildungsstand, den die Divisionen bis dahin erreicht hatten, zu ehrgeizig war. Ich wollte den Divisionen und Einheiten keine Aufgaben übertragen, die sie schließlich nicht erfüllen konnten.

So traf ich am 6. Oktober eine rasche Entscheidung und änderte den Plan -- kaum mehr als zwei Wochen vor dem festgesetzten Beginn der Schlacht. Dieser zweite Plan hielt sich an den Rahmen des ersten, und so waren die Detailplanung, die Vorbereitung und der Drill nicht umsonst gewesen.

Mein neuer Plan änderte jedoch die ganze Konzeption des Schlachtablaufs. Nach dem neuen Plan sollten meine Panzer-Divisionen, sobald sie die Breschen passiert hatten, an den Westausgängen Verteidigungsstellung einnehmen und die Panzer der Achsenstreitkräfte abwehren, während wir darangehen würden, die feindliche Infanterie, die das ganze Verteidigungssystem hielt, systematisch zu vernichten.

Dazu wollte ich mich eines »Aufreibungsprozesses« bedienen, wie ich es nannte; durch ihn sollte Rommels Infanterie von der Flanke und von hinten angegriffen und abgeschnitten werden.

Ich glaubte, Rommel würde es sich nicht leisten können, untätig zuzusehen, wie seine Infanterie allmählich vernichtet wird; er wäre gezwungen, meine in Stellung gegangenen Panzer anzugreifen. Dann aber würden wir die Minenfelder des Feindes zu unserem Vorteil benutzen, so daß Rommels Panzer-Divisionen nicht in das Geschehen eingreifen könnten.

Ich sollte hier erwähnen, daß mir Major Williams, der Feindlage-Offizier meines Stabes, mitgeteilt hatte, entlang der ganzen Achsenfront seien die italienischen Verbände mit deutschen Einheiten durchsetzt -- »korsettiert«, sagte er und er meinte, es wäre von Vorteil für uns, wenn es gelänge, Italiener und Deutsche voneinander zu trennen; dann könnten wir mühelos eine rein italienische Front durchbrechen. Diese glänzende Analyse wurde als ein wichtiger Punkt in unsere Pläne für die Aufreibungs-Operationen aufgenommen.

Wir beschlossen, in der Nacht anzugreifen, doch brauchten wir gutes Mondlicht, damit die Truppen sehen konnten. Vollmond war am 24. Oktober; zum Tag X wurde der 23. Oktober bestimmt.

Ich setzte die Stunde X für die Artillerie auf 21.40 Uhr und den Beginn des Infanterie-Angriffs auf 22 Uhr fest.

So war nun alles für die Schlacht vorbereitet. Und das Täuschungsmanöver, das den Gegner veranlassen sollte, den Angriff an der Binnenflanke im Süden zu erwarten, zahlte sich aus.

Rommel selbst, das muß ich noch erwähnen, war nicht anwesend, als die Schlacht in der Nacht des 23. Oktober begann. Seit den Kämpfen um Alam Halfa hatte er sich nicht wohl gefühlt, und Ende September übergab er General Stumme den Befehl und reiste nach Deutschland in einen Erholungsurlaub.

General von Thoma übernahm den Befehl über das Afrika-Korps, das aus der 15. Panzer-Division, der 21. Panzer-Division und der 90. Leichten Division bestand. Stumme und Thoma beschlossen kurz vor Beginn der Schlacht, die Panzerwaffe zu teilen und sie hinter der Front in zwei Gruppen zu postieren -- die eine im Norden, die andere im Süden -, damit überall ohne lange Anmarschwege rasch zum Gegenangriff übergegangen werden konnte.

Kurz vor der Schlacht wandte ich mich an die Offiziere aller Ränge bis hinunter zu den Oberstleutnants, um ihnen zu sagen, worauf es in der bevorstehenden Schlacht ankam: Wir mußten Rommel nicht nur in der Schlacht bei El Alamein schlagen, sondern ihn aus Afrika vertreiben. Ich kam zu dem Schluß, daß wir die Schlacht in zehn bis zwölf Tagen gewinnen mußten, andernfalls würden Reserve- und Munitionsprobleme auftreten.

Die Nacht des 23. Oktober war klar, der Mond hell. Als die Stunde X herankam, hörten wir die Bomber über uns.

Pünktlich um 21.40 Uhr eröffnete die Artillerie mit massierter Beschießung der feindlichen Geschützstellungen und Munitionslager die Schlacht. Unter einheitlichem Befehl gab sie über 1000 Schuß in der Minute ab; die Angriffe aus der Luft verstärkten das Getöse und die Zerstörung.

Um 21.55 Uhr verstummte die Artillerie ebenso plötzlich, wie sie zu feuern begonnen hatte. Absolute Stille folgte -- eine spannungsvolle Ruhe. Am Firmament über der 8. Armee deuteten zwei Scheinwerferstrahlen wie lange, ruhige Finger in den Himmel. Fünf Minuten verstrichen. Was dann geschah, schildert Barton Maughan in seinem Buch »Australia in the War of 1939-45":

»Um 22 Uhr schwangen die beiden Lichtstrahlen aufeinander zu, überschnitten sich und blieben so stehen -- wie zwei gekreuzte Schwerter. In diesem Augenblick brachen die britischen Geschütze los, sie schufen eine Feuerwalze von unvorstellbarer Intensität, und im Trommelfeuer der Geschütze verließen die Infanterie-Soldaten ihre Startlinie und gingen in langsamen, abgemessenen Schritten im gleichmäßigen Tempo von 70 Meter pro Minute voran.«

Der Kampf hatte begonnen. Ich allerdings war um 22 Uhr im Bett. Zu diesem Zeitpunkt gab es für mich nichts zu tun; die Schlacht lag jetzt in den Händen der mir unterstellten Generäle. Ich wußte genau, daß vor Ablauf der zwölf Tage eine Krise eintreten würde, vielleicht sogar mehr als eine. Deshalb wollte ich mich ausruhen, solange es möglich war. Es dauerte nicht lange, da war ich eingeschlafen.

Bis zum frühen Morgen des 24. Oktober waren die beiden Breschen im Norden noch nicht so weit vorgetrieben, daß die Panzer-Divisionen des X. Korps sie hätten passieren und die vorgesehenen Verteidigungsstellungen beziehen können. Vielleicht verlangte mein Plan von der Infanterie zuviel.

Jedenfalls war es jetzt Sache der Panzer-Divisionen, den Durchbruch zu erzwingen, das Risiko von Panzerverlusten durch feindliche Geschütze und Minen mußte ich hinnehmen. Die neuseeländische Division beteiligte sich im Südwesten an den Aufreibungs-Operationen.

Die Hauptkrise der Schlacht trat Sonntag, den 25. Oktober, vor der Morgendämmerung ein.

In der südlichen Bresche erlitt die 10. Panzer-Division schwere Verluste. Beim Kommandeur des X. Korps zeigten sich allmählich Zweifel, ob mein Plan wirklich »funktioniere«. Klugerweise befahl mein Generalstabschef die Kommandierenden Generäle des X. und des XXX. Korps zu einer Besprechung zu mir.

Sie trafen um 2.30 Uhr morgens in meinem Befehlswagen am Strand ein, und ich machte ihnen unmißverständlich klar, daß die Schlacht wie geplant weitergehen werde -- es werde nichts geändert.

Manche Leute sind morgens um 2.30 Uhr nicht gerade auf der Höhe. Ich habe oft gemeint, daß wir die Schlacht möglicherweise verloren hätten, wenn ich in jenem Augenblick nicht fest geblieben wäre. Später am Morgen hatten die Panzer-Spitzen überall den Weg ins Freie erkämpft -- doch wir hatten gegenüber meinem Zeitplan eine Verspätung von 24 Stunden.

An demselben Tag (25. Oktober) stellte sich heraus, daß sich die Aufreibungs-Operationen der neuseeländischen Division im Südwesten als sehr kostspielig erweisen würden, und ich beschloß, sie abzubrechen. Ich entschied, diese Operationen statt dessen in das Gebiet der australischen 9. Division zu verlegen, die nördlich zur Küste hin operierte; die neue Operationsachse machte eine Schwenkung um fast 180 Grad notwendig und hatte den Zweck, den Gegner völlig zu überraschen.

Der Division wurde befohlen, alle Kräfte des Gegners auf sich zu ziehen, um an anderen Stellen Erleichterung zu schaffen. Die Stockung war überwunden. Jetzt hing alles von den Australiern ab.

Und wie gut führte die großartige australische 9. Division ihren Auftrag aus! Zwischen den Australiern und den Deutschen tobte ein fürchterlicher Kampf, und Namen wie »Thompson's Post« werden uns immer unvergessen bleiben.

Gegen Abend des 26. Oktober beschloß ich, die neuseeländische Division und die 1. Panzer-Division zurückzuziehen und in Reserve zu halten, damit sie ausruhen und sich neu ausrüsten konnten. Ich wollte sie den letzten Schlag führen lassen, der das Vorspiel zum massiven Durchbruch sein sollte.

Die 10. Panzer-Division löste die 1. Panzer-Division im Kampfgebiet ab. Eine größere Umgruppierung wurde während der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober vollzogen. Der letzte Schlag mußte am Frontabschnitt des XXX. Korps stattfinden, doch ich wußte noch nicht genau, an welcher Stelle.

Daher ließ ich das XIII. Korps an der Südflanke, von Spähtruppunternehmen abgesehen, in die Verteidigung gehen. Außerdem zog ich das Korpskommando des X. Korps hinter die Front zurück, damit es sich auf die Leitung des Durchbruchs vorbereiten konnte.

In Whitehall herrschte -- das sollte ich vielleicht erwähnen -- Bestürzung, als bekannt wurde, daß ich ganze Divisionen aus der Schlacht herauszog. Wieso badeten die Soldaten hinter der Front im Meer, statt zu kämpfen? Hatte ich alle Hoffnung aufgegeben? War die Schlacht verloren? Staatsminister Richard Casey (Englands Vertreter im Nahen Osten) wurde angewiesen, mich aufzusuchen und herauszufinden, was ich eigentlich vorhatte.

Ich sagte ihm, die Schlacht sei durchaus nicht verloren, ich sei vielmehr im Begriff, sie zu gewinnen. Ich bezweifle, daß er mir glaubte. Jedenfalls sagte ihm mein Generalstabschef, er solle abziehen und nicht meckern, wir hätten nämlich ziemlich viel zu tun. Ich wüßte zu gern, was Casey nach. London telegraphiert hat.

Die Aktion der 1. Panzer-Division in der nördlichen Bresche, vor allem der heldenhafte Kampf der Schützenbrigade am sogenannten Kindney-Rücken und die gut gezielten Einzelschüsse der Sechspfünder, durch die etwa 40 feindliche Panzer und Panzerabwehrkanonen aus dem Hinterhalt zerschlagen wurden, die Operationen der australischen 9. Division -- all das ließ Rommel glauben und sollte ihn auch glauben lassen, daß wir im Norden entlang der Küste durchbrechen wollten.

Ein solcher Vorstoß bedeutete für Rommel eine derartige Gefahr, daß er zur Abwehr seine gesamten deutschen Streitkräfte im Norden zusammenzog -- sie korsettierten also die Italiener nicht mehr.

Damit war erreicht, was Major Williams, der Feindlage-Offizier, empfohlen hatte: Die Deutschen standen jetzt im Norden, alle Italiener im Süden; die Trennungslinie zwischen ihnen schien knapp nördlich unserer nördlichen Bresche zu verlaufen.

Nach Besprechung mit meinem Stabschef entschied ich, den endgültigen Vernichtungsschlag auf den Angelpunkt zwischen den Deutschen und den Italienern zu richten. Diese Entscheidung traf ich am 29. Oktober um 11 Uhr vormittags.

Um die Aufmerksamkeit des Gegners weiterhin auf den Norden zu lenken, sollten die Australier in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober in Richtung Meer heftig angreifen. In der darauffolgenden Nacht wollte ich einen tiefen Keil in die feindliche Front treiben. Die dazu notwendigen Truppen hielt ich in Reserve; sie hatten sich ausgeruht und neu ausgerüstet.

Ich hatte also die Absicht, zuerst mit meiner Rechten (den Australiern) zuzuschlagen und in der folgenden Nacht einen vernichtenden Schlag mit der Linken zu führen. Diese Operation nannte ich »Supercharge« (Zusatzladung).

Den vernichtenden Schlag sollte das XXX. Korps führen, den Befehl übertrug ich General Freyberg, einem sehr tapfer kämpfenden Soldaten. Wenn überhaupt jemand den Schlag erfolgreich führen konnte, dann war er es. Für die Operation Supercharge hatte er seine eigenen Neuseeländer, und zur Verstärkung gab ich ihm zwei Infanteriebrigaden, außerdem ein Maori-Bataillon und die 9. Panzerbrigade.

Am Sonnabend (31. Oktober) wurde mir klar, daß die Umgruppierung der Truppen große Schwierigkeiten bereitete: Supercharge drohte ein Fehlschlag zu werden, falls wir in der kommenden Nacht losschlagen würden. Deshalb verschob ich die Operation um 24 Stunden und ordnete sie für die Nacht vom 1. auf den 2. November an. Der Einbruch sollte 5500 Meter tief gehen, und der Angriff sollte auf einer Breite von 3600 Meter vorgetragen werden -- das Ganze hinter starkem Artillerieschirm.

In den oberen Rängen hatten viele ihre Zweifel hinsichtlich der Operation Supercharge. Solche Zweifel waren ein Zeichen der Schwäche und hätten niemals geäußert werden dürfen. Wenn jemals Selbstzucht nötig war, dann in diesem Stadium.

Supercharge begann am 2. November um ein Uhr morgens, und als die Stunden verstrichen, wußte ich, daß wir dem Ziel nahe waren. Wenn die Infanterie ihre Teilziele erreicht haben würde, sollte die 9. Panzerbrigade durchbrechen, weitere 1800 Meter vorrücken und die letzten Verteidigungsgräben und Geschützlinien an der Rahman-Rollbahn und bei Tel el Akkakir vernichten.

Die 1. Panzer-Division mit ihren rund 270 einsatzfähigen Panzern hatte an die angreifende 9. Panzerbrigade aufzuschließen, der wiederum die 10. Panzer-Division folgen sollte. Außerdem stand mir jetzt die 7. Panzer-Division zur Verfügung, deren Kommandeur (General Harding) sich bei mir in meinem taktischen Hauptquartier aufhielt und ungeduldig auf den Einsatzbefehl wartete.

Ich muß erwähnen, wie großartig die 9. Panzerbrigade kämpfte. Mit 132 einsatzfähigen Panzerwagen brach sie auf; als sie die Infanterie passierte, hatte sich die Zahl der Panzer auf 94 verringert, und als ihr Auftrag erfüllt war, besaß sie nur noch 19.

Die Brigade öffnete der Spitze der 1. Panzer-Division den Weg, die dann die Kämpfe fortführte. Falls die britische Panzerwaffe den Infanteristen der 8. Armee etwas schuldete, dann hat die 9. Panzerbrigade die Schulden am 2. November mit Heldentum und Blut bezahlt. Von da an bestand während des Wüstenkriegs kein Groll mehr zwischen Panzerwaffe und Infanterie, soweit ich weiß.

Die Kämpfe hielten am 3. November den ganzen Tag über an, und nachmittags wurde klar, daß Rommel und seine Armee am Ende waren. Am 4. November befahl ich, an den Angeln des Durchbruch-Gebietes, wo der Feind versuchte, uns an der Erweiterung des Keils zu hindern, zwei Vorstöße zu unternehmen.

Den Hauptschlag führte die Highland-Division mit der ihr unterstellten indischen 5. Brigade. Durch die eingesprengte Bresche schickte ich die 7. Panzerbrigade und die Neuseeländer.

Unterdessen hatten weiter im Süden zwei Panzer-Regimenter einen Weg in die offene Wüste erkämpft und waren eifrig dabei, feindliche Depots und Fahrzeuge zu vernichten und Telephonleitungen durchzuschneiden.

Die Achsenstreitkräfte befanden sich in vollem Rückzug. Die Schlacht war am zwölften Tag gewonnen worden. Die italienischen Divisionen im Süden konnten nicht entweichen, da die Deutschen ihre sämtlichen Fahrzeuge mitgenommen hatten.

Ich wies General Horrocks (XIII. Korps) an, sie gefangenzunehmen, und überließ ihm die Verantwortung für das chaotische Schlachtfeld. Ich selbst konzentrierte mich auf die Verfolgung der Streitkräfte Rommels, wobei das X. Korps (Lumsden) die Vorhut bildete.

Wenn ich auf die Schlacht zurück-. blicke, scheint es mir, als habe es bis zum 2. November 1942 keinen Augenblick gegeben, in dem man den Sieg als sicher ansehen konnte. Rommels deutsch-italienische Armee kämpfte tapfer, doch das Schicksal war gegen sie.

Bei einem Besuch des britischen Heldenfriedhofs.

Rommel sah die Armee, die er geschaffen und so tapfer geführt hatte, in der Schlacht zugrunde gehen. Und auch die Zukunft kann ihm nicht rosig erschienen sein, denn am 8. November, vier Tage nach der Schlacht bei El Alamein, landeten hinter ihm, am anderen Ende Nordafrikas, die alliierten Streitkräfte unter General Eisenhower.

Es gibt keine Schablone für Generäle; wir alle sind Menschen und machen Fehler. Manche könnten zum Beispiel sagen, ich hätte einen Fehler gemacht, als ich die Panzer-Divisionen des X. Korps so rasch und unmittelbar hinter der Infanterie in die Breschen schickte, ehe diese gänzlich gesäubert waren. Statt dessen hätte ich die Infanterie in der folgenden Nacht einen zweiten Vorstoß machen lassen sollen.

Ich wußte jedoch, daß der Infanterie in den Breschen harte Arbeit bevorstand, und so war es. Von den ursprünglich angreif enden Infanterie-Divisionen wäre nur eine einzige, die australische 9. Division, in der Verfassung gewesen, in der zweiten Nacht noch einmal heftig anzugreifen.

Dann wieder könnten manche sagen, die Schlacht hätte ebensogut auf andere Weise geschlagen werden können -- vielleicht hätte man besser im Ruweisat-Gebiet oder noch weiter südlich bei Himeimat einen wirklich entschlossenen Angriff machen sollen. Mein Stab und ich waren nicht dieser Ansicht; wir hatten jede Alternative erwogen und schließlich beschlossen, dort anzugreifen, wo es dann geschah -- im Norden.

Im allgemeinen verlief die Schlacht, wie wir sie geplant hatten. Im Endstadium glich sie den Schlachten an der Westfront im Ersten Weltkrieg -- sie war eher eine Zermürbungsschlacht, denn eine Bewegungsschlacht wäre nicht möglich gewesen.

Dadurch aber sicherten wir uns den Sieg, und darauf kam es damals an. Ich hatte die Reserven für eine solche Schlacht -- Rommel nicht.

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