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»Ich hoffe auf junge Leute«

aus DER SPIEGEL 18/1993
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rink, 33, Fuhrunternehmer aus Treuen im Vogtland, ist Mitglied der Deutschen Sozialen Union (DSU) seit Februar 1990 und Vorsitzender des sächsischen Landesverbandes seit September 1991.

SPIEGEL: Herr Rink, die DSU hat sich von der Mutterpartei CSU getrennt und will sich nach Westen ausdehnen. Ist die Partei damit, wie Ihr Amtsvorgänger Reinhard Keller sagt, politisch am Ende?

RINK: Keineswegs. Die DSU zeigt jetzt Selbstbewußtsein und Eigenständigkeit. Wir wollen nicht mehr ständig in München nachfragen, was wir tun dürfen. Mit Idealismus und Charakterstärke haben wir schon im Herbst 1989 viel bewegt. Auch damals hatten wir anfangs wenig Geld. Doch das kann sich bald ändern, denn wir schaffen jetzt eine neue Bewegung in ganz Deutschland.

SPIEGEL: Eine rechtsradikale Bewegung?

RINK: Ich bin kein Radikaler. Ich stehe für kulturerhaltende Werte und Heimatverbundenheit, mein politisches Steckenpferd ist die Ökologie. Wenn ich ökologisch handeln will, kann ich allerdings nicht wie manche Grüne den Zustrom von Hunderttausenden Asylanten befürworten. Eine multikulturelle Unterwanderung lehne ich ab. Im übrigen sagt der sozialdemokratische Münchner Oberbürgermeister Georg Kronawitter ähnliches wie ich.

SPIEGEL: Bei Ihrem Versuch, die DSU nach Westen auszudehnen, finden Sie in den alten Bundesländern vorwiegend rechte Sektierer und Splittergruppen als Mitstreiter. Wie soll daraus eine ernsthafte Konkurrenz zur CDU/CSU entstehen?

RINK: Die CSU beschimpft alle, die sich von ihr trennen, als Chaoten. Das hat schon Tradition. Wir arbeiten aber zusammen mit Hochschullehrern und ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten im Westen, mit seriösen Leuten.

SPIEGEL: Zählen Sie dazu auch die Republikaner des Bayern Franz Schönhuber?

RINK: Ich schließe mich nicht Schönhuber an. Schließlich habe ich innerhalb der DSU nicht umsonst gekämpft für eine demokratische Alternative, die breite Schichten des Volkes anspricht. Ich hoffe auf die vielen Nichtwähler und auf junge Leute. Der Altersdurchschnitt bei der DSU liegt bei 37 Jahren, bei der Ost-CDU liegt er etwa bei 58 Jahren. Wir wollen die Zukunft in die Hände der Generation legen, die später einmal Verantwortung übernehmen muß, ohne jedoch auf die Erfahrungen der älteren Generation zu verzichten.

SPIEGEL: Zunächst mal versuchen CDU und CSU, kommunale DSU-Mandatsträger abzuwerben, die mit Ihrem Kurs nicht einverstanden sind.

RINK: Wir haben bereits viele Eintrittserklärungen aus den alten Bundesländern, fast ausnahmslos enttäuschte CDU- und CSU-Mitglieder. Austritte halten sich in engen Grenzen. Die CSU wird den Leuten kaum etwas anderes als den Beitritt zur CDU empfehlen können, dies tat sie bereits in der Vergangenheit. Die CDU aber ist nicht besonders attraktiv. Wir werden auch in Bayern Strukturen aufbauen. Viele CSU-Politiker sind uns übrigens nach wie vor sympathisch, der bayerische Umweltminister Peter Gauweiler und der bayerische Innenminister Edmund Stoiber mit seinen Positionen zur inneren Sicherheit. Ich stehe nach wie vor der CSU nahe. Das kann mir auch der Generalsekretär Erwin Huber nicht ausreden.

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