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»ICH RAT EUCH, ES-PE-DE ZU WÄHLEN«

aus DER SPIEGEL 19/1965

Plädoyer für eine neue Regierung« soll, seinem Obertitel gemäß, ein Taschenbuch sein, das der Rowohlt -Verlag Anfang Juni, dreieinhalb Monate vor der Wahl, auf den Markt bringen wird. Der Zweittitel »Keine Alternative?« knüpft an »Die Alternative« an, jenes Rowohlt-Taschenbuch von 1961, in dem 21 deutsche Schriftsteller vor der letzten Bundestagswahl die (Untertitel-) Frage »Brauchen wir eine neue Regierung?« zu beantworten versuchten. Herausgeber damals: Martin Walser.

Kernstück des nun von Hans Werner Richter herausgegebenen »Plädoyers« ist eine Porträtgalerie führender Politiker aus Willy Brandts »Regierungsmannschaft«, aus dem Schattenkabinett der SPD - gezeichnet von deutschen Schriftstellern und Journalisten: Paul Schallück schreibt über Fritz Erler ("Pathetiker der Praxis"), Peter Rühmkorf über Gustav Heinemann ("Von-Kopf-bis-Fuß-Demokrat"). Richard Hey über Adolf Arndt ("ein Moralist"), Siegfried Lenz über Helmut Schmidt ("empfindet Grundsätze als ausreichend"), Walter Jens über Carlo Schmid ("wahrhaft gebildeter Mann"), Hans Werner Richter über Karl Schiller ("Selbstironie« und »Kenntnis der Fakten"), Axel Eggebrecht über Alex Möller ("fasziniert nicht«, aber »verbreitet Zuversicht").

Als Scherzo-Einlagen: vom Willy -Brandt-Freund Günter Graß ein Gedicht und ein Einakter, in dem ein »Kandidat«, begleitet von »Wahlkampfleiter« und »Schriftsteller«, auf Wahlkampf-Flugreise vorgeführt wird.

Schriftsteller (zum Wahlkampfleiter): Finden Sie, daß dem Bürgermeister der Homburg steht? Ist diese typische Arbeitgeberkopfbedeckung nicht eine Beleidigung für sagen wir mal ...

Wahlkampfleiter: ... für Ästheten, gewiß, aber die letzten statistischen Umfragen des Emnid-Institutes haben bestätigt, daß diese Hutform beinahe allen Bevölkerungsschichten ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Und Allensbach sagt Ähnliches.

Die SPD-Schattengalerie wird ergänzt durch Kritik an Erhard, Bonn, der CDU und allgemeinen deutschen Zuständen. Unter den Kritikern: Rolf Hochhuth, Ulrich Sonnemann, Dieter Wellershoff, Peter Weiss, Robert Jungk, Robert Havemann.

Richters Taschenbuch-»Plädoyer«, aus dem der SPIEGEL nachstehend einige (zum Teil gekürzte) Auszüge vorabdruckt, ist entschiedener als Walsers »Alternative« von 1961. Aber nicht alle Beiträge und nicht alle Teile mancher Beiträge plädieren so unbeschwert wie die Schlußworte des Graß-Gedichts: »ich rat Euch, Es-Pe-De zu wählen!« Ob beispielsweise Rudolf Augsteins Porträt von Herbert Wehner noch unter den Buchtitel paßt, ist bezweifelbar.

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