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Briefe

»Ihre Argumente überzeugen nicht!«
aus DER SPIEGEL 1/1975

»Ihre Argumente überzeugen nicht!«

Alles, was ich zum Thema der mörderischen Haftbedingungen der RAF-Häftlinge behauptet habe, beruht entweder auf eigenen Beobachtungen oder auf Lektüre der Beschlüsse der Justizbehörden Ihres Landes über die Anwendung dieser besonderen Haftbedingungen. In diesem Zusammenhang lege ich Ihnen nahe, einen Blick auf die Dokumente zu werfen, die die Komitees oCgen die Folterung von Häftlingen in der BRD gesammelt haben und die unter dem »Titel »Der Kampf gegen die Vernichtungshaft« veröffentlicht worden sind.

Ihre Argumente überzeugen nicht. Warum soll man nicht diese besonderen Formen der Haft vom Beginn ihrer Anwendung an in ihrer Gesamtheit betrachten? Warum zitieren Sie nicht den Hamburger Justizsenator Klug, der zu Horst Mahler erklärte: »Die Isolation wird so lange fortgesetzt, bis er nicht wiederbeginnen kann.« Das bringt doch wohl deutlich die Absicht zum Ausdruck, die Identität des Gefangenen zu zerstören, ihn unfähig zu machen, seinen Kampf nach der Haft wiederaufzunehmen. Das erinnert unangenehm an das Ergebnis, das durch die Praktiken der Gehirnwäsche erreicht wird.

Ich möchte mir meinerseits gestatten, Sie zu fragen, wer Sie zu Ihrem Artikel inspiriert hat? (SPIEGEL 50/1974.) Ton und die Absicht erinnern an die Worte, mit denen Generalbundesanwalt Buback meinen Antrag auf Besuch bei Andreas Baader ablehnte: »Die zweifellos beabsichtigte Ausnutzung des Besuches für Propagandazwecke ist ein Akt der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung gemäß Paragraph 129 des Strafgesetzbuches und daher strafbar.«

Da dieser Besuch nicht verhindert werden konnte, scheint es mir, daß sich Ihre Zeitschrift zum Sprecher jener macht, die alle zum Schweigen bringen möchten, die öffentlich anklagen, was sie gesehen haben: die langsame Vernichtung politischer Häftlinge in der BRD. Mich möchten Sie gern als das Opfer skrupelloser Rechtsanwälte und Ihrer Lügen darstellen (apropos Lügen: Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Rechtsanwalt Croissant mir in keinem Augenblick das Mikrophon weggenommen hat). Warum veröffentlichen Sie keine Information, deren Quelle bekannt ist? Die RAF-Häftlinge haben im Zusammenhang mit der im Bremer Bahnhof gelegten Bombe erklärt: »Von der Drohung geht die Polizei zur Durchführung über, unsere Aktionen sind niemals gegen das Volk gerichtet.«

Paris JEAN-PAUL SARTRE (Die Zitate sind Rückübersetzungen aus dem Französischen)

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