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BIATHLON-WM Im Griff der Stasi

aus DER SPIEGEL 6/2004

Das Wintersportzentrum Oberhof, in dem von Freitag an die Biathlon-Weltmeisterschaft ausgetragen wird, war zu DDR-Zeiten stärker im Griff der Staatssicherheit als bisher bekannt. Nach der Studie »Staatsplan Sieg« der thüringischen Stasi-Unterlagen-Beauftragten hatten vier hauptamtliche Offiziere mehr als hundert Inoffizielle Mitarbeiter (IM) in Oberhof platziert, von denen viele das systematische Hormon-Doping überwachen sollten.

Einige der ehemaligen Kader sind noch heute im Sport aktiv. Der frühere Weltklasse-Biathlet Holger Wick (IM »Gerd Schütze") hatte laut Akten über seine Kameraden im ASK Oberhof berichtet. Heute ist Wick Leistungssport-Koordinator im Thüringer Skiverband - und »Zeremonienmeister« bei der WM. Der ehemalige Staffel-Weltmeister Matthias Jacob (IM »Martin Müller") arbeitet heute als Physiotherapeut für die Skilanglauf-Nationalmannschaft. Laut Stasi-Akten wurde er 1986 in Österreich von einem westdeutschen Biathleten gefragt, ob beim Weltcup in Oberhof auf Anabolika kontrolliert werde, die fast das ganze westdeutsche Team benutze.

Im Präsidium des WM-Organisationskomitees sitzt außerdem Rolf Christian, der für die Stasi als IM »Peter Fischer« arbeitete. Kreissportbund-Chef Christian, im Hauptberuf Amtsleiter in der Einheitsgemeinde Schwallungen, war wegen seiner Verdienste um den Sport erst im September von Gerhard Mayer-Vorfelder, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, in den »Club der 100« aufgenommen worden.

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