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BANKEN Im Kurs gestiegen

aus DER SPIEGEL 12/1954

Mit großem Aufwand an Papier stellten sich in der vergangenen Woche die neun Nachfolger der ehemaligen Großbanken - Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank - der Öffentlichkeit vor: Die Tageszeitungen der Bundesrepublik strotzten von lukrativen Börsenprospekt-Anzeigen, und genau 1 007 000 neue Aktien mußten samt Dividendenscheinen und Erneuerungscoupons für den Umtausch der alten Wertpapiere gedruckt werden.

Damit war das geschehen, was die alliierten Konzernentflechter den Deutschen Bundestag im Großbankengesetz vom 29. März 1952 zu beschließen gezwungen hatten. Es entstanden jeweils in Nord-, West- und Süddeutschland aus den altrenommierten Firmen

* Deutsche Bank: die Norddeutsche Bank, die Rheinisch-Westfälische Bank und die Süddeutsche Bank,

* Dresdner Bank: die Hamburger Kreditbank, die Rhein-Ruhr Bank und die Rhein-Main Bank,

* Commerzbank: die Commerz- und Disconto-Bank, der Bankverein Westdeutschland und die Commerz- und Credit-Bank.

Auf diesen Status hatten die deutschen Unterhändler die Zerschlagungswut der Alliierten,

die ursprünglich dreißig Einzelbanken gründen wollten, herabdrücken können. Die Aktionäre der in alliierten Augen als »wirtschaftliche Machtzusammenballung« angesehenen Altbanken mußten jetzt bis zum 15. März ihre Aktien einschicken. Sie bekamen dafür drei neue, auf den Namen ausgestellte Papiere.

Für eine Tausend-Reichsmark-Aktie der Deutschen Bank beispielsweise gab es je eine neue Aktie der Norddeutschen Bank über 125 Deutsche Mark, der Rheinisch-Westfälischen Bank über 250 Deutsche Mark und der Süddeutschen Bank über 250 Deutsche Mark. Das entspricht einem Aufwertungssatz von 62,5 Prozent. An der Börse aber wurden zumindest die Papiere der Deutschen und Dresdner Bank zu über hundert Prozent gehandelt, was einer vollen Aufwertung der Reichsmark-Aktien in Deutsche Mark entspricht.

Die abschließende Umtauschaktion lief vom 15. Dezember 1953 bis Mitte März, und gerade in diesen Wochen zeigte sich, daß jeder gut daran tat, seine Bankpapiere festzuhalten. Allein während der Wochen des Umtauschs ist jede Tausend-Reichsmark-Aktie der drei Großbanken um durchschnittlich 150 Deutsche Mark im Kurs gestiegen.

Heute zeigt sich, daß die Großbanken trotz alliierter Entflechtungsmaßnahmen ihren Geschäftsumfang der Vorkriegszeit wiedererreichten und gesund sind. Mit Dividenden von 8 und 8½ Prozent für das vergangene Jahr führen sie die Gewinnliste aller westdeutschen Wertpapiere an.

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