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Briefe

Im Zweifelsfall allein vor der Glotze
aus DER SPIEGEL 45/2000

Im Zweifelsfall allein vor der Glotze

Nr. 43/2000, Die neue Zweisamkeit: Sehnsucht nach der Beziehungsidylle

Dank für diesen informativen Artikel. Gleichwohl gilt für Ehepaare und andere Paarkombinationen, was uns der Dichter Beckett ins Stammbuch geschrieben hat: »Wo zwei sind, da ist auch schon der Zweifel.« Radikaler, poetischer auf den Punkt gebracht hat es aber Jochen Laabs mit seinem »Isländischen Liebesgedicht": »Ich bin der Bottich / Du drin der Hering / Und das Salz zwischen uns / ist die Liebe / die uns haltbar macht und zerfrisst.«

WIESBADEN WINFRIED KRETSCHMER

Wenn du dran bist, wird die Liebe dich aufspüren wie eine Cruise Missile. Denn wenn du sagst: »Im Moment will ich sie aber nicht«, dann erwischt sie dich ganz sicher! Ja, ja, das Herz ist eine miese Gegend.

KÖLN SIMON ROSELL

Wenn es eine Sehnsucht gibt, dann ist es die nach berauschendem Beischlaf ohne Aids und Anekdoten. Das ist jedenfalls das Resultat unserer Sex-Studie Deutschland 2001 (150 000 befrage Personen), die wir mit dem Buchtitel »Die impotente Gesellschaft« in Kürze vorstellen werden. Deutschland im ausgehenden Jahr 2000 ist ein Jammertal des Sex und ein Tränenareal, wo es um Gefühle geht. Gleichzeitig befinden wir uns im Zeitalter nicht aufhören wollender Impotenz. Die Impotenz hat die Führerrolle in einer Gesellschaft übernommen, der nichts mehr wichtig ist und die in den Medienauswüchsen von »Big Brother« sich nicht an die Zeiten der Big-Mother-Brust erinnert.

WEGBERG (NORDRH.-WESTF.) DR. JOHANN WOLFGANG KRÜLL

Über Ihren Titelbericht zur neuen Zweisamkeit habe ich mich sehr geärgert. Denn was ist das Fazit? Alleine ist man nichts wert, ein Leben ohne Partner scheint fast nicht lebenswert. Darüber hinaus wird man als sozial inkompetent abgestempelt, wenn man keinen Partner hat. Aber es könnte doch auch daran liegen, dass eine Beziehung eben in die Brüche gegangen ist, dass der Richtige noch nicht dabei war oder man - kaum zu glauben - im Moment wirklich keine Beziehung möchte.

MÜNCHEN KATRIN LANDSTORFER

Warum sind 80 Prozent der Männer zehn Monate nach einer Trennung in neuer Beziehung und nur 50 Prozent der Frauen erst nach drei Jahren? Die Frauen haben erst mal keinen Bock mehr, die Socken für einen anderen zu waschen, die Männer brauchen die Bequemlichkeit, die eine Partnerschaft ihnen bietet.

VITORIA (SPANIEN) STEFFI & OLE NORDMANN

Dieser Artikel ist auf Papier gebannte Realität! Auch ich kenne das Bed-Hopping. Mit unzähligen Sexualpartnern Spaß haben, aber etwas Langfristiges ...? Nicht in Sicht. Genau das ist es aber, was man vermisst. Das Problem ist, je länger man allein ist, desto schwerer wird es, sich auf jemanden einzustellen. Früher hab ich gedacht, es ist das Beste, mit immer wechselnden Partnern zu schlafen. Aber es bringt einfach nichts, denn im Zweifelsfall ist man allein vor der Glotze, während die anderen am verregneten Sonntag mit ihrem Partner im Bett frühstücken.

MÜNCHEN MORITZ JAHN

»In den achtziger Jahren«, schreibt die Autorin, »kamen dann Sonderpraktiken wie sadomasochistische Übungen in Mode.« Sadomasochismus ist ebenso wie Homosexualität kein Modetrend der siebziger, achtziger oder neunziger Jahre, sondern in dieser Zeit lediglich sichtbarer geworden - und dazu hat nicht zuletzt der SPIEGEL beigetragen.

BERLIN KATHRIN PASSIG

Was bitte haben die von Ihnen vorgestellten Protagonisten der neuen Zweisamkeit mit der Realität des überwiegenden Teils der Menschen hier zu Lande gemeinsam? Wer gehört denn schon zu den Privilegierten, die nach dem Aufstehen brunchen, golfen, tauchen und reiten gehen können? Die Analyse des Artikels stimmt insoweit, dass als Gegenpol zur immer kälter und feindseliger werdenden sozialen Realität das Ideal einer funktionierenden Zweisamkeit gesetzt wird - und deshalb zwangsläufig scheitern muss. Ein besseres Argument gegen die Ehe als die ständig wachsende Zahl der einschlägigen Beratungsstellen gibt es doch wohl nicht.

MÜNSTER GÜNTER KLEMM

Dem in Ihrer Titelabhandlung mit skeptischem Unterton erwähnten, von Dean Ornish verfassten Band »Die revolutionäre Therapie: Heilen mit Liebe« dürfte trotz seines Aufsehen erregenden Postulats nur ein eher eingeschränkter Neuigkeitswert zuzubilligen sein: Gewahrte man doch bereits in der griechischen Antike diesen aufschlussreichen Zusammenhang; wie sonst könnte das Wort »therapeúein« neben den hinlänglich bekannten noch weitere gar nicht so entlegene Bedeutungen, etwa im Sinne von »Aufmerksamkeit erweisen, freundlich behandeln« oder auch »verehren, dienen« und »hochachten«, ja »um jemandes Gunst werben«, umfassen - eindeutige semantische Hinweise aus der Frühzeit des abendländischen Denkens auf die Relevanz eines nunmehr so spektakulär präsentierten Sachverhalts.

BURGHAUSEN (BAYERN) MARTIN P. KREUTZHUBER

Um wirklich zufrieden und rundum glücklich in einer Partnerschaft leben zu können, muss man vermutlich erst lernen, hochgesteckte Ideale gegen die reale Welt einzutauschen.

HARRISLEE (SCHLESW.-HOLST.) LINUS JUNG

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