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PERSONALIEN Iman, Peter Beard, Josef Ertl, Manfred Köhnlechner, Leon Jaworski, Richard Nixon, Bernard Barker, Helmut Schmidt, Wolfgang Mischnick, Rudolf Nurejew, Veruschka Gräfin von Lehndorff, Hannelore Mabry

aus DER SPIEGEL 45/1975

Iman, 20 (Photo), über Nacht berühmt gewordenes Photomodell aus Kenia, ließ sich aus Reklamegründen von ihrem Entdecker, dem US-Photographen Peter Beard, 36 (r.), unter Wert verkaufen. Beard, der angeblich in Afrika Krokodile knipsen wollte, war überraschend mit Probeaufnahmen der schwarzen Schönen nach New York zurückgekehrt und hatte die ungewöhnliche Photoausbeute sofort einer Modell-Agentur angeboten -- zusammen mit dem Märchen, er habe die Somali-Frau durch Zufall beim Hüten der 500 Stück großen Rinder- und Schafherde ihrer Nomadenfamilie entdeckt. Das schwarze Aschenputtel erhielt sofort einen Vertrag über 80 000 Dollar pro Jahr. Jetzt verlautete aus Nairobi, das Naturkind sei die Tochter eines Diplomaten und mit dem Manager eines Nobelhotels in Nairobi verheiratet. Zwar entdeckte Beard die Schöne tatsächlich durch Zufall -- allerdings nicht im Krokodil-Gebiet, sondern in einem exklusiven Restaurant.

Josef Ertl, 50, Bonner Landwirtschaftsminister, lobte vor Bonner Agrarjournalisten ungeniert das Spanien des Generalissimus Franco. »Ich verstehe überhaupt nicht, wieso die da was ändern wollen, nach über dreißig Jahren Frieden«, urteilte der Bayer; Diktator Franco sei schließlich »ein Mann, der jahrzehntelang viel Gutes getan hat für sein Land«. Bedauernd stellte Ertl fest, der Klerus sei großenteils regimekritisch. In der Verwaltung, die der Liberale zu kennen vorgab, ist das nach seiner Einschätzung anders -- aber es sei die Frage, ob Francos Staatsbürokratie nicht eines Tages »auch in den Strudel abgleitet«. Manfred Köhnlechner, 49, ehemals Deutschlands höchstbezahlter Topmanager und Akupunktur-Protagonist, der vor drei Jahren »in bescheidenem Rahmen« (Köhnlechner) eine Praxis als Heilpraktiker eröffnete, will mit seinen Heilmethoden in Südamerika Leon Jaworski, 70 (Photo 1.), ehemaliger Sonder-Ankläger während der Watergate-Affäre, will »die Aspekte der Geschichte aus meiner Sicht« aufschreiben und als Buch auf den Markt bringen. Jaworski, der den Posten des Sonder-Staatsanwaltes erhalten hatte nachdem es dem da US-Präsidenten Richard Nixon gelungen war, den ihn unbequemen Archibald Cox aus diesem Amt zu drängen, hat einer sicheren Vertragspartner: den US Großverlag Readers Digest, der das Buch im nächsten Jahr in Kooperation mit einem weiteren Verlag veröffentlichen will. Auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber ist dagegen noch Ex-Präsident Richard Nixon, 62 (M.). Der Ruheständler, der ebenfalls noch an seinen Memoiren arbeitet, will sich, so schrieb jetzt die »Los Angeles Times«, um einen Posten al Radio- oder Fernseh-Kommentator bewerben. Zum Teil aus einem Regierungsfonds, der zur Förderung der Beschäftigung Arbeitsloser eingerichtet wurde, bezieht inzwischen Bernard Barker, 58 (r.), einer der beim Einbruch in das Watergate-Hotel verhafteten Männer, sein Gehalt. Barker, ehemaliger CIA-Agent und seit seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis arbeitslos, wurde jetzt von der Stadt Miami für 9600 Dollar im Jahr eingestellt -- als Inspektor der Müllabfuhr.

»einen Großversuch« starten. Zwölf fahrbare Behandlungs-Stationen sollen in Ecuador den Ärztemangel lindern und täglich einige 1000 Kranke nach Art des Münchner Naturheilers versorgen. Zwar befindet sich Köhnlechners Klinomobil-Einsatz noch in der Planung, gilt für den Heil-Manager aber als gesichert: Er will bereits einen Vertrag über Form und Finanzierung des Unternehmens mit der Regierung in Quito ausgehandelt haben. 1977 sollen die südamerikanischen Heil-Filialen ihre Arbeit aufnehmen.

Helmut Schmidt, 56. Bundeskanzler, vergaß auch auf seiner Reise ins ferne China den Koalitionspartner nicht. Als Kanzleramts-Staatssekretärin Marie Schlei beim Anblick einer Sänfte im alten Kaiserpalast zu Peking ihrem Chef anbot, ihn künftig gemeinsam mit den Staatssekretären Schüler und Bölling in den Kabinettssaal zu schleppen, lehnte Schmidt ab: »Nehmt lieber den Genscher, der hat so was von einem Buddha ... und sieht auch so aus.« Wolfgang Mischnick, 54, Bonner FDP-Fraktionsvorsitzender, Verwaltungsratsmitglied von Eintracht Frankfurt und Skatbruder, erfand eine neue Skat-Variante -- auf dem Weg zu einem Fußballspiel. Der Liberale begleitete die Profikicker der Eintracht per Bahn zu einem Auswärtsspiel; kaum hatte der Zug den Frank furter Bahnhof verlassen, forderte Mischnick drei Mitreisende im Abteil zum Skatspiel auf ("Das beruhigt die Nerven"). Und weil er nicht wollte, daß ständig einer zugucken mußte, kreierte er flugs den Ramsch

zu viert: »Jeder kriegt acht Karten, jeder spielt gegen jeden, und jeder versucht, so wenig Punkte wie möglich zu machen.« Der Politiker gewann. Für die Mischnicksche Skat-Variante fiel dem Sieger auch gleich ein hoffnungsvoller Name ein: Eintracht-Ramsch. Rudolf Nurejew, 37, exzentrischer Tanzstar tatarischer Abstammung, versuchte sich jetzt in London als Schauspiel-Debütant. Der Dauergast des Londoner Royal Ballet sprach für eine Rundfunksendung die Titelrolle aus Igor Strawinskis »Geschichte vom Soldaten« auf Band. Mit diesem Stück scheint der Ballerino eine neue Karriere begründen zu wollen. Der Tänzer will den Strawinski-Stoff zusammen mit dem Pantomimen Marcel Marceau im kommenden Frühjahr verfilmen. In der Hauptrolle: Rudolf Nurejew. Veruschka Gräfin von Lehndorff, 36 Photomodell aus preußischem Adel. lichtete sich auf Manhattans Fifth Avenue selber ah (Photo) -- für die November-Ausgabe von Andy Warhols Interview«-Magazin. Die Gelegenheits-Schauspielerin ("Blow up'). seit geraumer Zeit von Profi-Photographen kaum mehr gefragt, hat Übung in der Selbstdarstellung: Seit einem Jahr photographiert sie sich täglich selbst -- »wie immer ich auch aussehe« für eine Art bebildertes Tagebuch.

Hannelore ("Lorley") Mabry, 45, Gründerin und bis vor kurzem Vorsitzende des Münchner Frauenforums. will ihren eigenen Verein verklagen, weil sich ihr Gefolge mit der Arbeit der Frauen-Chefin nicht zufrieden zeigte. Vorwurf Nr. 1: Mit »autoritärem, dingistischem Führungsstil« habe die Volkswirtin und Soziologin in den vergangenen vier Jahren »systematisch das Selbstvertrauen« der Forums-Mitglieder (300 Frauen, drei Männer) abgebaut. Vorwurf Nr. 2: Als Vorsitzende bezog sie seit Juli 3277,82 Mark Monatsgehalt, das -- so eine Forums-Sprecherin -- »das Beitragsaufkommmen weit übersteigt«. Führerin Mabry wurde auf einer Mitgliederversammlung abgewählt und ihrem Vorstand keine Entlastung erteilt -- saubere Vereinsführung aber will die geschaßte Oberfeministin, die »hinter dieser ungeheuerlichen Hetzkampagne einen Gegenschlag des Patriarchats« vermutet, notfalls mit Hilfe »patriarchalischer Gerichte« bestätigt bekommen: »Ich lasse mir von Männern nichts gefallen, aber auch von Frauen nicht.«

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