Zur Ausgabe
Artikel 121 / 129
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

In Deutschland nichts Neues
aus DER SPIEGEL 35/2000

In Deutschland nichts Neues

Nr. 33/2000, Rechtsextremismus: Verbotsantrag gegen NPD so gut wie sicher; Wie braune Internet-Angebote attackiert werden können; Interview mit Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel über Härte gegen Rechtsradikale und Bodyguards für Bürger mit Zivilcourage

Man darf sich nicht wundern, dass das Asylantenbild im Bewusstsein vieler Menschen negativ besetzt ist, wenn man Asylsuchende aktiv abgrenzt, in Asylantenheimen und Sammellagern isoliert und letztlich wie Verbrecher behandelt und pauschal als Wirtschaftsflüchtlinge diffamiert. Zu Tode gehetzte Menschen und brennende Heime haben nicht vermocht, ein energisches Eingreifen der Politik gegen den braunen Mob einzuleiten. Dies geschah erst durch die Ausage der Wirtschaft, dass der »Wirtschaftsstandort Deutschland« wieder einmal in Gefahr ist. Ein schäbigeres Sommerloch habe ich noch nicht erlebt.

DARMSTADT MARTIN MORSBACH

Mit Verwunderung habe ich Ihren Artikeln entnommen, dass unsere Politiker, um auf eine Bedrohung durch »rechte Kräfte« in unserem Land zu reagieren, nicht weniger als zehn Jahre benötigen. Hätte es sich um eine Gefährdung aus der linken Szene gehandelt, wäre mit größter Wahrscheinlichkeit viel eher gehandelt worden. Neonazistische Aufmärsche sind in Deutschland nichts Neues, schon als Jugendlicher habe ich mich deshalb gefragt, warum gegen solche Aktionen nicht mit derselben Härte vorgegangen wurde wie gegen die Demonstranten in Wackersdorf.

LANDSHUT RUDOLF OSSNER

Aufgeregtheit, politischer, meist nebenabsichtsvoller Aktionismus ... Nur schnell noch etwas kundtun, das beweist, dass man auf Seiten der ganz und gar verantwortungsbewussten, friedlichen Bürger steht. Kein Gedanke daran, dass bei weitem nicht jeder Deutsche, den an manchen Ausländern oder Ausländergruppierungen etwas stört, ausländerfeindlich und rechtsradikal ist. Wer das unterstellt, gehört selbst zu den unglückseligen »Radikalen«, die die Atmosphäre im Lande fortwährend vergiften.

PUTZBRUNN-SOLALINDEN (BAYERN)

GOTTFRIED MÜLLER

Wegen des Anschlags auf ein Asylbewerberheim demonstrierten am 22. Juli in Ludwigshafen rund 1000 Personen. Am selben Tage waren es die Hunde, für die in Düsseldorf 10 000 auf die Straße gingen. Lassen diese Zahlenverhältnisse auf die ethische Werteskala der Deutschen schließen?

EDINGEN (BAD.-WÜRTT.) HERBERT MÖLLER

Durch den Artikel neugierig geworden, klicke ich www.heil-hitler.de an und erfahre »Error«, also schaue ich mal bei www.denic.de vorbei und möchte wissen, ob bei ähnlichen »Namenskombinationen« mich der braune Dreck auf dem Monitor anstrahlt. Kaum zu glauben, aber die Denic-Datenbank informiert mich darüber: »Die Domain adolfhitler.de ist noch frei, Stand Datenbank: Samstag 12. August 2000«. - Mir reicht's, aber was ist mit all jenen, die glauben, »Scheiße schmeckt gut, Millionen Fliegen können sich doch nicht irren«?

WÜRZBURG KARL-HEINZ KLAIBER

Bei den Politikern der großen Parteien gibt es im Wesentlichen nur zwei Muster des Umgangs mit Rechtsextremismus in unserem Land. Die einen verdrängen. Die anderen leiern die ISMDZS-(Ich-schämemich-Deutscher-zu-sein)-Formel ab, die selbst Teil des Problems ist, das zu bekämpfen sie vorgibt. Endlich spricht einmal einer über Programme. Auch wenn die Überlegungen von Sigmar Gabriel noch nicht ganz ausgereift sein mögen - sein Ansatz verdient Unterstützung.

LUTHERSTADT WITTENBERG DR. HEIDE RICHTER-AIRIJOKI

Zur Ausgabe
Artikel 121 / 129
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.