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Briefe

»In die Nähe von Kriminellen gerückt«
aus DER SPIEGEL 45/1976

»In die Nähe von Kriminellen gerückt«

In Ihrer sehr informativen, zutreffenden und Gott sei Dank auch Nicht-Pharmazeuten und Nicht-Medizinern leicht zugänglichen Serie weisen Sie in einigen, leider recht spärlichen Sätzen auf die Möglichkeit hin, durch Importe aus anderen EG-Ländern in vielen Fällen die Hochpreispolitik der westdeutschen Pharma-Industrie umgehen zu können.

Das von Ihnen genannte Beispiel des preiswerteren Bezugs von Valium-Zubereitungen der Hoffroche ist jedoch nicht nur legal -- da auch die Hilfsstoffe der englischen Valium-Tabletten mit denen der deutschen übereinstimmen -, sondern wird auch von einer stetig steigenden Zahl von Krankenhäusern in der Bundesrepublik praktiziert. Analysen staatlicher Untersuchungsämter in Münster und West-Berlin haben dies eindeutig bestätigt. Als Anlage finden Sie die Ablichtung einer Stellungnahme des Bundesgesundheitsamtes in West-Berlin zu diesem Problemkreis*.

Am Valium-Beispiel ist zudem noch als recht aufschlußreich zu vermerken, daß Valium-Tabletten (bis aufs letzte Milligramm identisch) bei Bezug durch einen deutschen Importeur per 1000 Tabletten Valium 10,90 Mark kosten (inclusive englischer Spanne, Zoll, Fracht. Nebenkosten und Gewinnspanne des Importeurs), die identische deutsche

* Hinweis des Instituts für Arzneimittel des Bundesgesundheitsamtes (Az: G 1 -- 7140 -- 01 -- 101176): »... Soweit das importierte Arzneimittel mit der registrierten Arzneispezialität in der Benennung und den in § 21 Abs. 1 Nr. 3 bis 8 AMG genannten Eigenschaften identisch ist, fehlt für eine Forderung auf Wiederholung der Registrierung die Rechtsgrundlage ... Auch ein Wechsel in der Person dessen, der die Arzneispezialität in den Verkehr bringt, sowie das Hinzutreten weiterer Vertreiber macht eine Neuregistrierung nicht erforderlich

Ware aber knapp 200 Mark per 1000 Tabletten. Noch pikanter ist die Tatsache. daß der Import-Preis bereits beinhaltet, daß Hoffroche/ England den Valium-Preis dort in weniger als neun Monaten in Drei-Stufen-Basis Dezember 1975 um 300 bis 400 Prozent angehoben hat; durchaus wohl mit der Zielrichtung. die Importe aus England ökonomisch uninteressant zu machen, da alle anderen Versuche, dies zu verhindern, fehlschlugen.

Diese Rechenbeispiele lassen sich an vielen Präparaten auch anderer Firmen demonstrieren. Hinzu kommt, daß betroffene westdeutsche Pharmafirmen auch offensichtlich nicht davor zurückschrecken, ökonomischen und juristischen Druck sowie verbale Diskriminierungen durch ihre »wissenschaftlichen Pharmaberater« anzuwenden, um die betroffenen Importeure in die Nähe von. Kriminellen zu rücken.

Ihr Zitat einer deutschen Hoffroche-Stellungnahme zum Valiumkauf aus Importbeständen einer Hamburger Uniklinik: »daß wir eine Garantie für derartige Import-Präparate, die auf einem nicht geklärten Importweg in die Bundesrepublik gelangen, verständlicherweise nicht übernehmen können, auch jede eventuelle Haftung ablehnen«, ist eine teils recht subtile, teils unwahre Aussage. Der Importweg ist durchaus geklärt und der Rest der Aussage nur dadurch zutreffend, daß der Absender der Stellungnahme die deutsche Hoffroche-Tochter ist. Die Haftung der Mutterfirma in Basel über ihre englische Hoffroche-Tochter bleibt selbstverständlich erhalten!

Duisburg ANDREAS MOHRINGER Apotheker

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