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In Tschernobyl »eine glühend aktive Zone«

Erst am 19. Tag nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sprach Parteichef Gorbatschow zum verunsicherten Sowjetvolk. Bis dahin waren General-Sekretär und Politbüro weggetaucht, offenbar, weil noch kein Schuldiger gefunden werden konnte. Der Super-GAU machte die Kreml-Spitze handlungsunfähig.
aus DER SPIEGEL 21/1986

Die von vielen gefürchtete Katastrophe brach herein, den Herrscher befiel eine schwere Depression. Niemand bekam ihn zu Gesicht.

Endlich, am elften Tag nach dem Angriff der Deutschen, trat Generalsekretär Stalin vor das Mikrophon, spornte zum Kampf und zum fernen Sieg an.

Die größte Katastrophe seit jenem Schicksalsjahr 1941 brach 45 Jahre später über Rußland herein. Diesmal blieb der Generalsekretär über einen halben Monat stumm, obwohl ihm ein weitaus wirksameres Massenmedium zur Verfügung stand als dem Amtsinhaber ein halbes Jahrhundert zuvor. Bislang hatte Michail Gorbatschow das Fernsehen auch weidlich genutzt, wenn er etwa Sowjetmenschen auf der Straße mit aufmunterndem Händedruck begrüßte.

Während sich die ganze Welt über die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl entsetzte, sprach zunächst niemand den unmittelbar betroffenen Völkern der Sowjet-Union Trost zu, niemand den direkt Geschädigten Beileid aus; auch die Gelegenheit, den Mai-Aufruf mit Zuspruch zu verbinden, wurde vertan, auch die Chance, mit der vollen Wahrheit Sympathie und Hilfsbereitschaft im anderen Teil jenes »gemeinsamen Hauses« zu wecken, zu dem Gorbatschow den Kontinent Europa erklärt hatte.

Die Führer der Sowjet-Union gaben keinen Alarm, als der Brand von Tschernobyl das ganze »Haus« gefährdete. Die hoffnungsvollen Pragmatiker, die Rußland zu neuem Wohlstand durch moderne Technik und härtere Disziplin führen wollen, verkrochen sich erst einmal.

Am Tag des Tschernobyler Unglücks wurde Gorbatschow noch in einem »Prawda«-Leitartikel erwähnt - wegen seiner eben absolvierten Reise in die DDR. In den folgenden fünf Tagen, als der Reaktor durchzubrennen drohte und die radioaktiven Wolken in Richtung US-Küsten und Japan zogen, hörte man nichts von ihm und nichts über ihn.

Am 1. Mai stand er auf der Tribüne über dem Leichnam des Staatsgründers Lenin am Moskauer Roten Platz und winkte Untertanen zu, die ihm per Vorbeimarsch huldigten. Er verschwand vorzeitig, während das Volk noch marschierte. Ein Geigerzähler der US-Botschaft hatte das Achtzehnfache der normalen Radioaktivität in der sowjetischen Hauptstadt gemessen.

Ehefrau Raissa immerhin antwortete einem US-Korrespondenten auf die Frage nach dem für dieses Jahr vereinbarten Amerika-Besuch »Ja, wir hoffen zu kommen und, wie mein Mann sagt, wir hoffen auf Vereinbarungen, welche die Drohung mindern, die über uns hängt.«

Dann meldete sich der Generalsekretär wie weiland der sieche Leonid Breschnew mit so Hochwichtigem wie einem Glückwunsch für den neuen Kabuler Parteichef Nadschibullah.

Am 6. Mai gab Gorbatschow im Kreml ein Mittagessen für den afrikanischen Genossen dos Santos aus Angola und hielt eine Rede: »Die US-Administration hat ein weiteres Mal die abscheuliche Fratze eines Würgers der Freiheit und Unabhängigkeit der Völker gezeigt... Der Imperialismus schmarotzt am Körper der Völker und saugt aus ihnen allen Lebenssaft.«

Das war nicht die Diktion, die man bislang von ihm kannte, und über Tschernobyl vernahm man nichts, es sei denn den vagen Satz: »Es wird auch immer offenkundiger, daß die Sicherheit alle Bereiche umfassen muß - den militärischen, politischen, wirtschaftlichen und den humanitären.« Tags darauf gab es noch einen Glückwunsch aus dem Verborgenen für den wiedergewählten DKP-Chef Mies in Westdeutschland.

»Nennen wir die Dinge beim Namen«, hatte Gorbatschow zu Neujahr versprochen, »Erfolge sind Erfolge, Fehler sind Fehler. Das ist die beste Medizin gegen Hochmut und Selbstzufriedenheit.«

Jetzt aber waren die neuen Parolen für Offenheit und Kooperation schon wieder außer Kurs.

Anfang voriger Woche erst setzte sich in Moskau die Erkenntnis durch, daß es mit der bislang betriebenen Beschönigung nicht weitergehen könne. Krisenstabschef Jewgenij Welichow, Haupt der sowjetischen Laser-Forschung, gab in der »Prawda« zu, daß der Reaktorkern sich »in eine glühend aktive Zone verwandelt habe« - also hatte die Kernschmelze doch stattgefunden.

Welichow sprach vom »tobenden Reaktor«; der Chefkonstrukteur dieses Reaktortyps, Iwan Jemeljanow, prophezeite, daß die Ruine, auch in Beton eingegossen, noch »Hunderte von Jahren« Radioaktivität freisetzen werde.

Nach diesen Bekenntnissen. 19 Tage nach dem Unglück, trat am vorigen Mittwoch endlich der Parteichef vors Fernsehvolk:

»Ein Unglück« habe sich ereignet, das Atom sei »außer Kontrolle« geraten, der Ernst der Lage »offensichtlich« - »eine harte Prüfung«, viele Menschen hätten Schaden genommen. Aber: »Das Schlimmste konnte verhindert werden.«

Er nannte die Namen der beiden ersten Toten, zweier Handwerker, und bekundete nun im Namen des ZK den Angehörigen und Arbeitskollegen tiefes Mitgefühl. Das Politbüro selbst habe die »Arbeit zur Eingrenzung der Havarie in die Hände genommen«. Minister, Truppen, Bereitschaftspolizei seien vor Ort.

Über Ursache und Ablauf der »Havarie« sagte Gorbatschow nichts Neues, und gar nichts über ihr Vertuschen, auch nichts über den Grad der Verseuchung Rußlands und des übrigen Europa.

Zu den politischen Folgen der Kern-Katastrophe könnte gehören, daß der Spielraum der Gorbatschow-Mannschaft im Kreml enger geworden ist: Die Technik hat versagt, auf die seine Genossen, in Wahrheit Rüstungsingenieure, so hoffnungsfroh gesetzt hatten; dank eklatant mißtrauenbildender Maßnahmen wurde das Ansehen der großen Sowjet-Union, deren erster Repräsentant der Generalsekretär ist, bei Außenstehenden wie bei den eigenen Bürgern ramponiert.

Ein ideologischer Grundsatzartikel des abgesetzten ZK-Sekretärs Ponomarjow in der »Prawda« vom 10. Mai beruft sich nicht mehr, wie es bislang Pflicht war in der KPdSU, auf den Generalsekretär.

Die ganze oberste Führungsspitze schien durcheinander - auch die übrigen elf Politbüro-Mitglieder blieben seit Tschernobyl weggetaucht. Ihre erste Sitzung nach dem GAU, am zweiten Tag danach, hatte nur die berüchtigte erste Acht-Zeilen-Nachricht in der »Iswestija« zur Folge.

Das Kommuniqué ihrer nächsten Zusammenkunft, am 13. Tag nach dem GAU, ließ sich lang über mehr Qualitätsarbeit aus, dann war die Rede von »materieller Stimulierung« der Belegschaften, »die in der Zone des Kernkraftwerks tätig sind«, von einmaligen Beihilfen und Kleidung für Evakuierte und »kostenlosen Einweisungsscheinen zur Heilbehandlung für diejenigen, die es nötig haben«.

Sonst kein Beschluß zu Tschernobyl.

Denn noch wurde in Moskau offenbar der Schuldige gesucht - war es der ukrainische Parteichef Schtscherbizki einer der beiden letzten Breschnew-Favoriten im Politbüro? Oder war es gar die Antreibe-Maxime der neuen Führung?

»Das Tempo der Entwicklung der Produktion muß angezogen werden an allen Arbeitsplätzen«, hatte Gorbatschow vor einem Jahr vor Arbeitern in Dnjepropetrowsk gefordert. Das galt auch für Atomkraftwerke. Dort konnte das nur heißen: Verlängerung der Betriebszeit weit über die im Westen für vergleichbare Reaktoren üblichen Jahresstunden hinaus.

Das Plansoll für Atomstrom war nur gut zur Hälfte erreicht, der Ausbau von Tschernobyl lag im Rückstand. Dennoch wurde nach der amtlich bagatellisierten »Havarie« in Tschernobyl schon wieder beschlossen, weitere Reaktoren neben das Unglückswerk zu setzen und die Kernenergieproduktion »mit hohem Tempo« (Vizepremier Schtscherbina) zu steigern - »im Interesse der Menschen« (Moskaus Stadtparteichef Jelzin). Gorbatschow im Fernsehen: »Die Sowjet-Union wird bei ihrem Energieprogramm bleiben«, die Zukunft der Weltwirtschaft sei ohne Atomenergie »schwer vorstellbar«.

Dem russischen Volkszorn wurde als Haßobjekt nach alter Manier erst einmal der verängstigte Westen präsentiert: »Erfindungen und Märchen« über den geheimgehaltenen GAU seien »Ausdruck der Unmoral und der Unmenschlichkeit«, wetterte der Vizeaußenminister Kowaljow. »Westliche Propagandamacher weiden sich an diesem Unglück«, erkannte sogar der übernächtigte Atomphysiker Welichow während seiner Rettungsarbeiten in Tschernobyl - Gorbatschow: »Eine höchst amoralische Kampagne.«

Einer »hemmungslosen antisowjetischen Kampagne beschuldigte die Parteijugendzeitung das »offizielle Bonn«, das im eigenen Land wegen Verharmlosung ins Feuer geraten war. Eine »Verseuchung der internationalen Atmosphäre« meldete die »Iswestija« aus Washington. Dabei hatten die Reagan-Leute, verglichen mit früheren Anklagereden gegen Moskau, diesmal eher gedämpft reagiert.

Im Beschluß des Tokioter Weltgipfels zu Tschernobyl, in dem kein kritisches Wort über die Sowjet-Union stand, entdeckte Tass-Kommentator Grigorjew nur »antisowjetische Spekulationen, Beleidigungen und Lügen«.

Verkehrte Welt: In Wirklichkeit legten die konservativen, kernenergiebesessenen Regierungen eine gewisse Solidarität an den Tag. Aber die in der Bundesrepublik oftmals der Sowjet-Kumpanei verdächtigte Opposition, speziell die grüne, und die von Moskau beschimpften Medien sowie der im Westen beklagte Föderalismus schufen jene kritische Öffentlichkeit, die von Moskau als sowjetfeindlich angesehen wurde.

Innerhalb der Sowjet-Union traf die allemal fällige Strafe zunächst die Kleinen. Der Chefingenieur der Tschernobyler Transportfirma für Atommaterial verlor sein Parteibuch und damit den Posten, sein Direktor und der Betriebsparteisekretär erhielten Verwarnungen wegen »absoluter Unbeweglichkeit und Verständnislosigkeit« während des GAU.

Den dreien wurde vorgeworfen, sie hätten ihren 200 evakuierten Arbeitern Lohn und Kleidung vorenthalten. Diesen Mangel behob dann das Politbüro im fernen Moskau.

Überhaupt die örtlichen Techniker: Sie hätten das Ausmaß des Unglücks unterschätzt und Moskau falsch informiert, behauptete Untersuchungsführer Schtscherbina (der für seinen Abschlußbericht noch sechs Wochen Zeit hat).

Der ukrainische Ministerpräsident Ljaschko sieht das freilich anders: »Es ist sehr schwer zu sagen, ob jemand schuldig ist oder nicht«. Am Anfang habe es kleine Explosionen und geringe radioaktive Emission gegeben; aus den Messungen habe man zunächst ersehen, »daß nichts zu befürchten war«. Am ersten Tag, dem 26. April, habe man Moskau unterrichtet, doch erst zwei Tage später sei der Ernst der Situation klargeworden: »Es war eine Lage, die sich entwickelt hat.«

Inzwischen wurde bekannt, daß die Leute von Tschernobyl schon vom ersten Tag an das taten, was nachher die Moskauer veranlaßten: Sie warfen Sandsäcke in den glühenden Krater - obwohl es keine Weisungen aus dem unterrichteten, aber schweigenden Moskau und auch keine Reparaturanleitung für den Ausfall des Notstroms gab, für »Probleme, mit denen weder die Wissenschaftler noch die Techniker jemals konfrontiert worden sind« (Welichow). Professor Jemeljanow, Vizechef des Instituts für Energietechnik: Das Personal »war korrekt in der Beurteilung der Situation«.

Wegen der Geheimhaltung im Rüstungsbetrieb, der Moskau direkt unterstellt ist, soll den Tschernobylern sogar eigenes Handeln untersagt worden sein, verlautete in Kiew. Lokale Behörden dürften nichts sagen, auch nicht warnen und der Bevölkerung keine Verhaltensratschläge erteilen.

Die Einwohner von Kiew aßen weiter Frischgemüse und tranken Milch aus dem Gebiet Tschernobyls. Erst nach vier Tagen kam Schtscherbinas Kommission aus Moskau.

Und die Verwundeten wurden nach Moskau transportiert, zur Behandlung durch Militärärzte. Nur der »Operationsstab« des Kraftwerks Tschernobyl laut Tass alles »ganz normale, gesunde Leute«, kam ins Sanatorium Lesnaja Polnaja in der Nähe von Kiew.

Dem ukrainischen Parteichef Schtscherbizki sei von Gorbatschow verboten worden, irgend etwas zu unternehmen, was zu einer Panik führen könne berichtet die »Neue Zürcher Zeitung« die über spezielle Kontakte in die Ukraine verfügt.

Erst acht Tage nach dem GAU wurden die 30 000 Einwohner der Stadt Tschernobyl, 20 Kilometer neben dem Kraftwerk gelegen, evakuiert. Dabei verfügt die UdSSR über eine Zivilschutzorganisation mit 117 000 hauptberuflichen Angestellten und 70 Generälen. Freiwilligen-Gruppen arbeiten in jedem größeren Betrieb, sie werden jedes Jahr 20 Stunden lang geschult.

Allerdings spielt das auf den Atomkriegsfall abgestellte Schulungsmaterial den GAU herunter: Schon ein abgedeckter Graben oder Erdwall schütze vor radioaktiver Strahlung, heißt es da, und in Kellern sei man um das Zehn- bis Zwanzigfache besser abgeschirmt, so daß radioaktive Verseuchung »völlig ausgeschlossen« sei. Eine Strahlendosis von 100 rem, sogar laut Bonner Innenministerium eine »kritische« Menge, gilt beim sowjetischen Zivilschutz als »durchaus zulässig«.

Die Strahlenmeßwerte nach dem Tschernobyl-GAU blieben Geheimnis der Regierung, die allein über das Maß der Gefährlichkeit entscheidet. Nach zehn Tagen gab sie bekannt, die Strahlenbelastung in der Ukraine und in Bjelorußland stabilisiere sich »mit einer Tendenz zur Verbesserung« - wieviel es war, blieb geheim.

Umweltkontrolleur Sedunow nannte gegenüber Auslandsjournalisten für die Stadt Kiew 0,2 Millirem je Stunde. Zwei Wochen nach dem GAU veröffentlichte die Regierung erstmals einen Meßwert - in Kiew 0,32 Millirem, das wäre hundertmal mehr als normal. Sogar die »Prawda« erklärte jetzt: »Den Kiewern hat anfangs vielleicht eine volle Information über die Ereignisse und die Lage in der Stadt gefehlt.«

Solcher Informationsmangel weckt leicht traditionelle Empfindungen der 50 Millionen Ukrainer, daß sie von den Russen und von Moskau allemal schlecht behandelt werden. Viele der inzwischen 92 000 Evakuierten, die ("nur für ein paar Tage") gerade noch ein paar Decken und ein Kissen hatten mitnehmen können, erinnerten sich der Kriegszeit, so Marina Iltschenko, 80, gegenüber einem West-Korrespondenten.

Auch damals hatte ihnen die Regierung immer wieder Wichtiges verschwiegen, so wochenlang die Räumung der Stadt Kiew. Und mancher ältere Ukrainer mag bei der Räumung der Sperrzone um Tschernobyl noch an die große Deportation Anfang der 30er Jahre denken, als nach Zwangskollektivierung und Abtransport vieler Bauern in Richtung Sibirien Millionen Ukrainer am Hunger starben - von der Sowjetregierung bis heute verschwiegen.

Auch Moskau scheint jetzt aufkeimenden ukrainischen Nationalismus zu fürchten: Wichtiger als Informationen über den GAU waren der »Prawda« in einer Reportage aus Tschernobyl fünf Absätze darüber, daß viele Helfer aus anderen Nationalitäten des Vielvölkerstaates UdSSR stammen:

»Wir sind alle eine Familie«, sagte da ein Soldat aus Estland, und ein Russe berichtete: »Neben uns arbeiten Spezialisten aus Bjelorußland. Alle wollen der Ukraine helfen.«

Davon müssen die Ukrainer, deren eigene Landesregierung samt Außenminister ihnen gegenüber nicht in Erscheinung trat, erst noch überzeugt werden. Ihre Regionalpartei wehrte sich 1971 gegen die Entwicklung der Atomenergie auf Kosten der ukrainischen Kohle, weshalb auch Schtscherbizki-Vorgänger Schelest hatte gehen müssen.

Ihnen fällt auf, daß alle Kernkraftwerke der Sowjet-Union in den Randgebieten des Reiches stationiert sind - dort, wo meist Nichtrussen leben; kein einziges steht bei der Hauptstadt Moskau und in den russischen Kernlanden, die meisten Reaktoren beherbergt die Ukraine.

Von einer Ukrainerin auch, wohnhaft in der Kraftwerksiedlung Pripjat, kam jene Kritik am Reaktorbau in Tschernobyl, die exakt vier Wochen vor dem GAU mit Genehmigung der Kiewer Partei in der ukrainischen Literaturzeitung erschien. Sie meldete »Hoffnungslosigkeit«.

Die zentralen, also Moskauer, Planbehörden hätten »irreale Programme aufgezwungen«, was zur Desorganisation geführt habe. Die Normen würden nicht eingehalten, was die Sicherheit des Kernkraftwerkes in Frage stelle. Zuwenig und zu schlechter Beton sei angeliefert worden - was einige haarsträubende Umstände der Katastrophe erklären könnte: das Fehlen einer Betonabschirmung, das zu schwache Fundament, die rasch brennenden, in Asphalt eingelassenen Holzfliesen in der Reaktorhalle.

Kiewer klagen jetzt über Sehbeschwerden und Halsschmerzen. Symptome einer Strahlenkrankheit. Entgegen einem Anliegen Gorbatschows wurde in Kiew der Verkauf von Alkohol völlig freigegeben.

Und eine Sowjetbürgerin aus Gomel berichtete, daß Menschen in ihrer Heimatstadt die Haare ausfielen. Gomel liegt etwa so weit nördlich von Tschernobyl wie Kiew südlich.

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