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Innsbruck: Sakrale Spiele

aus DER SPIEGEL 6/1976

Die katholische und die evangelische Kirche wollen während der Olympischen Winterspiele in Innsbruck die Sportler bei Sieg und Niederlage mit geistlichem Zuspruch erfreuen -- und nebenbei den winterlichen Rummel zur Eigenreklame nutzen.

Im olympischen Dorf sollen Seelsorger beider Konfessionen in einem kirchlichen Begegnungszentrum den Teilnehmern mit individuellem Trost, Gottesdiensten sowie geselligen Abenden und Lichtbildervorträgen beistehen. Während der Wettkämpfe halten sich an den Pisten und Bahnen sowie an der Sprungschanze durch ein Brustkreuz kenntlich gemachte Geistliche Sportlern und Zuschauern für Auskünfte und Ratschläge zur Verfügung.

Außerdem bringen zahlreiche Mannschaften, wie bei Olympiaden seit langem üblich, eigene Priester nach Innsbruck mit. Die westdeutsche Vertretung etwa wird von einem katholischen und einem evangelischen Pfarrer begleitet. Auf derartigen Service mögen nicht einmal kirchenfeindliche Kommunisten verzichten: Auch zum Polen-Aufgebot gehört, wie schon bei den Sommerspielen in München und bei der letzten Fußballweltmeisterschaft, ein katholischer Geistlicher, der freilich offiziell als Privatmann reist.

Der Innsbrucker Monsignore Albuin Jordan rechtfertigt den kirchlichen Aufwand historisch »Schließlich waren das früher sakrale Spiele.«

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