Zur Ausgabe
Artikel 110 / 121
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

Intriganten und Haudraufs
aus DER SPIEGEL 21/1996

Intriganten und Haudraufs

(Nr. 19/1996, Titel: Zurück zur Mädchenschule: Mehr Chancen für Frauen?)

Die Koedukation ist keineswegs gescheitert. Vielmehr zeigen sich die Lehrer und Lehrerinnen den Anforderungen der Koedukation nicht gewachsen. Naiv ist, wer glaubt, daß es ausreiche, Mädchen und Jungen gemeinsam in ein Klassenzimmer zu stecken, um am Ende der »Beschulung« nicht nur naturwissenschaftlich begeisterte Mädchen und sozial aufgeschlossenere Jungen, sondern obendrein Geschlechterdemokratie zu ernten. Wenn die meisten Lehrer selbst keine Vorstellung davon haben, wie sie sich als Mann oder Frau gegenüber dem eigenen und dem fremden Geschlecht verhalten, wie sollen sie dann auf den alltäglichen Geschlechterkampf in ihren Klassenzimmern verändernd einwirken? *UNTERSCHRIFT:

Wien PROFESSOR GERHARD AMENDT

Würden Vorurteile und Geschlechterklischees in den Schulen konsequent im Unterricht angesprochen und analysiert, wäre das für Schüler, Lehrer und Eltern eher eine Chance zur Veränderung als die Flucht in die Isolation des getrennten Unterrichts. *UNTERSCHRIFT:

München STEFANIE DEISENROTH

Die erste Prägung des Rollenverhaltens erhalten Heranwachsende nicht in der Schule, sondern schon viel früher in der Familie. Eine jahrtausendelang praktizierte Rollenverteilung der Geschlechter mit der Frau als Mutter und Hausfrau und dem Mann als Brötchenverdiener läßt sich nun einmal nicht in ein paar Jahrzehnten überwinden, dazu muß ein neues Rollenverständnis über mehrere Generationen wachsen. *UNTERSCHRIFT:

Chemnitz HENDRIK SEIDELMANN

Ach, Sie wollen wieder mal die Frauen schützen? Danke, kenn' wa schon. Frauen werden vor Nachtarbeit »geschützt« (und bekommen deshalb weniger Lohn, auch in Firmen, wo Nachtarbeit gar nicht anfällt), Frauen kriegen immer mehr Mutterschutz (aber keinen Job - welcher Arbeitgeber will sich dieses Damokles-Schwert schon einhandeln), Frauen müssen an »gewissen Tagen« wie ein rohes Ei behandelt werden (fordern Frauenbeauftragte und liefern damit neue Munition für die »Frauensind-sowieso-hormongesteuerte-Hysterikerinnen«-Fraktion). Zum letztenmal: Frauen sind keine Wundertiere, die vor irgend etwas »geschützt werden« müssen. Schon gar nicht vor den ersten Erfahrungen mit jenen männlichen Wadenbeißern, Intriganten und Haudraufs, mit denen sie später sowieso konfrontiert werden. *UNTERSCHRIFT:

München DR. KARIN LINDINGER

Es stört mich, daß in Ihrem Artikel äußerst selten die Mädchen selber zu Wort kommen. Alle LehrerInnen, DirektorInnen und PolitikerInnen scheinen besser zu wissen, was gut für uns ist. Ich jedenfalls fühle mich auf meiner gemischten Schule keineswegs benachteiligt, und wenn es so wäre, wüßte ich mich zu wehren. *UNTERSCHRIFT:

Mainz CORDULA ZEHNDER

Meine Freundinnen und ich halten es für absurd, naturwissenschaftliche Bücher für Mädchen extra umschreiben zu wollen, da es absolut nicht einsehbar ist, warum sie sich beispielsweise weniger für Hubkräne interessieren sollten als Jungen. *UNTERSCHRIFT:

Hannover KATHARINA HEIN

Meine Physiklehrer waren nicht nur »unterbewußte Chauvinisten": Bemerkungen wie »Mädchen lernen, Jungen verstehn's«, »Hausfrauen führ'n ein feines Leben: Sie tun nichts, spielen nur den ganzen Tag mit den Kindern« oder »Ich gebe dir eine Fünf, weil ich genau weiß, daß du nur gelernt und nichts verstanden hast«, bekam ich dort zu hören. Die Folge war, daß ich begann, dieses Fach zu hassen, und keine guten Leistungen dort erzielte. Meine persönliche Meinung: gemeinsame Schule, aber in Mathe und Physik getrennter Unterricht für Jungen und Mädchen. *UNTERSCHRIFT:

Fürstenfeldbruck MONIKA STACHL

Zur Ausgabe
Artikel 110 / 121
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.