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SPD Intrige gegen Schröder?

aus DER SPIEGEL 44/2000

Schwere Vorwürfe gegen deutsche Wirtschaftsführer hat der frühere Vorstandsvorsitzende des Stahlproduzenten Salzgitter AG, Hans-Joachim Selenz, in mehreren Schreiben an Kanzler Gerhard Schröder erhoben. Danach seien ihm und seinen Vorstandskollegen im Dezember 1997 hohe Beträge für den Fall angeboten worden, dass das niedersächsische Unternehmen an ausländische Interessenten verkauft werde - eine Million Mark, wenn die British Steel Corporation den Zuschlag bekäme, 500 000 Mark für einen Verkauf an die österreichische Voest-Alpine.

Das Geld, laut Selenz »ein Bestechungsversuch«, habe ihm der Vorstandschef der Salzgitter-Mutter Preussag, Michael Frenzel, nach einem Telefonat mit WestLB-Chef Friedel Neuber offeriert. Neuber ist Aufsichtsratsvorsitzender bei Preussag. Anfang 1998 gelang es dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Schröder zusammen mit Selenz, das Unternehmen im Lande zu halten. Dieser Erfolg trug entscheidend zu Schröders Sieg bei der Landtagswahl im März bei. Das gute Ergebnis wiederum durchkreuzte den Plan führender Sozialdemokraten, Parteichef Oskar Lafontaine zum Kanzlerkandidaten zu küren. Einer, der sich gegen Schröder und für Lafontaine ausgesprochen hatte, war der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident und heutige Bundespräsident Johannes Rau, ein enger Vertrauter von WestLB-Chef Neuber.

Im Juni 1998 ging Salzgitter an die Börse. Neuber, so Selenz, habe im Zusammenspiel mit einer anderen Großbank den Erfolg des Börsengangs torpediert, indem er große Mengen gezeichneter Aktien am selben Tag wieder auf den Markt habe werfen lassen. Dadurch habe sich der Kurs nicht entwickeln können, unter anderem seien Tausende Kleinanleger »massiv« geschädigt worden. Selenz: »Ein klarer Fall für den Staatsanwalt.« Neuber und Frenzel haben auf SPIEGEL-Anfrage die Vorwürfe bestritten.

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