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ION GHEORGHE MAURER

aus DER SPIEGEL 26/1970

ist Sohn eines Siebenbürgener Sachsen und einer Französin, spricht selbst kein Deutsch, aber fließend Französisch. Nach dem Jura-Studium in Bukarest und Paris war er Rechtsanwalt und vertrat neben rumänischen Großbanken auch als Strafverteidiger in politischen Prozessen der Vorkriegszeit rumänische Kommunisten.

Seinen prominenten Genossen Gheorghiu-Dej befreite der Linksintellektuelle Maurer, insgeheim Mitglied der illegalen KP, domals durch einen Handstreich aus der Haft: Maurer visitierte in der Uniform eines Luftwaffen-Hauptmanns das Konzentrationslager Targu Jiu und verließ es in Begleitung des Häftlings Georghiu-Dej. Der wurde nach Rumäniens Frontwechsel 1944 Verkehrsminister einer sozialliberalen Koalition -- und machte seinen hochgebildeten Freund zu seinem Staatssekretär.

In der Zeit des Stalinismus hielt Maurer sich zurück: Er leitete ein Rechtsforschungs-Institut und war Vizepräsident der Gesellschaft zur Verbreitung von Wissenschaft und Kultur. 1957 aber holte Parteichef Gheorghiu-Dej Maurer auf den Posten des Außenministers, dann des Staatspräsidenten und eines Politbüro-Mitglieds, schließlich, 1961, des Ministerpräsidenten. Mit dem Gheorghiu-Nachfolger Ceausescu setzte Maurer seine Politik fort, zwischen den Großmächten Unabhängigkeit und Eigenständigkeit für Rumänien zu gewinnen.

Maurer reiste viermal nach Peking, verhandelte in Paris und mit dem Papst, ging schon 1965 mit Berthold Beitz in den Karpaten auf die Jagd, arrangierte 1967 diplomatische Beziehungen zu Bonn und 1969 den Besuch des US-Präsidenten Nixon in Bukarest.

Abgesichert durch Maurers diplomatisches Geschick übt Rumänien heute eine wichtige Brückenfunktion zwischen Ost und West aus. Diese Woche besucht der Premier die Bundesrepublik.

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