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Briefe

IQ-Test für den Richter
aus DER SPIEGEL 49/2002

IQ-Test für den Richter

Nr. 47/2002, Justiz: Warum ein Wolfsburger Richter einer Frau schon vor der Geburt ihres Kindes das Sorgerecht entzog

Eltern mit niedrigem IQ wurde in unserem Land schon einmal der Nachwuchs genommen. Ist der nächste bejubelte Schritt erneut die Zwangssterilisation? Den Aufwand, der in dem beschriebenen Fall betrieben wurde, hätte man besser in die Weiterbildung der Mutter investiert oder in die der Richter.

LANDSHUT (BAYERN) THOMAS LINK

Ich habe als Ehrenamtliche in einem Heim für Mutter und Kind erlebt, wie problembeladen die Beziehung der Mütter zu ihren Kindern ist. Es wird einem angst und bange bei der Vorstellung, was mit den Kindern geschieht, die nach dem Auszug aus dem Heim allein mit ihren Müttern zusammenleben. Wenn der Autor meint, der Staat müsse es aushalten, »... dass diese Menschen Kinder zeugen und erziehen«, so ist dies fatalistisch und zynisch. Denn aushalten muss solche Eltern der Säugling, das Kleinstkind. Kinder aus solchen Verhältnissen nicht herauszunehmen bedeutet, sie dem Scheitern preiszugeben.

MÜNCHEN CHRISTA HOFFMANN

Die in den Medien immer wieder anzutreffende Darstellung vom »allmächtigen, eingriffslustigen Jugendamt« einerseits und dem »Unrecht widerfahrenden, ohnmächtigen Bürger« andererseits wird den Realitäten nicht gerecht, und es empört mich als langjährige Mitarbeiterin eines Jugendamtes, dass diese Berufsgruppe bei der häufig schwierigen Ausübung des staatlichen Wächteramtes in so vielen Fällen verurteilt wird. So schwer wiegende und im Vorfeld stets sorgfältig abgewogene Eingriffe wie die Herausnahme eines Kindes aus seiner Familie oder der Antrag auf einen Sorgerechtsentzug stellt auch für Jugendamtsmitarbeiter eine unangenehme Aufgabe dar. Da die Fremdunterbringung von Kindern zudem im Regelfall von der Jugendbehörde (und damit aus Steuergeldern) finanziert wird, besteht hier wahrlich kein weitergehendes Interesse daran, derartige Schritte außer in wirklich zur Sicherung des Kindeswohles notwendigen Situationen einzuleiten.

BRAUNSCHWEIG SONJA HOCHFELD

Das Problem der Beurteilung von Menschen durch Amtspersonen resultiert nicht primär aus dem Eiertanz um die Auslegung von Gesetzestexten, den zum Beispiel Jugendämter immer wieder aufführen (müssen). Das Problem, das richtige Maß zu finden (zu früher versus zu später Eingriff), entspringt vielmehr der in der Praxis der sozialen und psychologischen Arbeit noch immer verbreiteten Unfähigkeit, eine prognostisch fundierte Persönlichkeitsbeschreibung zu liefern. Die Brisanz zeigt sich auch in der Forensik bei der Beurteilung der Gefährlichkeit von Gewalttätern immer wieder, wo Wissenschaftlichkeit in der Praxis mitunter auf »Versuch und Irrtum« reduziert wird. Die Qualität der im Beitrag genannten Entscheidungen entspricht insofern der »Norm« im Umgang mit eher komplizierten zwischenmenschlichen Verhältnissen.

KERPEN (NRDRH.-WESTF.) MANFRED HANISCH DIPL.-SOZIALPÄDAGOGE

Der Bericht hat mich sehr schockiert. Wie kann man einer Mutter ihr Kind wegnehmen, nur weil sie einen IQ von 56 hat? Wer sagt, dass intelligente Menschen die besseren Eltern sind? Die Familie braucht nur Helfer, die ihnen bei alltäglichen Dingen wie zum Beispiel Behördengängen helfen. Wie kann ich, als Zwölfjährige, das begreifen und der Staat nicht? Vielleicht sollte der Richter einmal seinen IQ testen lassen.

MÖNCHENGLADBACH MADITA ALBERS, 12 JAHRE

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