Rekonstruktion der Tötung Soleimanis Die letzten Minuten des Schattenkriegers

Als Irans General Soleimani am 3. Januar in Bagdad landet, warten auf dem Rollfeld zwei Autos. Da hat Donald Trump den Befehl schon erteilt.
Qasem Soleimani

Qasem Soleimani

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IRANIAN SUPREME LEADER'S OFFICE/ EPA-EFE/ REX

Er muss sich zuletzt sehr sicher gefühlt haben, unantastbar. Jahrelang hatte Qasem Soleimani, der Kommandeur der iranischen Quds-Brigaden, peinlich genau darauf geachtet, keine Spuren zu hinterlassen, wenn er durch den Nahen Osten reiste. Er war ein Phantom. Jeder wusste, dass er Irans Politik vom Irak bis in den Libanon steuert. Doch kaum jemand bekam ihn je zu Gesicht.

Seine Vorsicht legte Soleimani erst in den vergangenen Jahren ab. Vermehrt tauchten Fotos von dem General auf: an der Front in Syrien ebenso wie in Vororten von Beirut und in der Regierungszentrale in Bagdad. Soleimani wurde von einem Schattenkrieger zu einem Popstar. Seine Verwandlung war so umfassend, dass Beobachter mutmaßten, er plane als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Er selbst stritt das ab. 

Soleimani etablierte im Nahen Osten ein Milizennetz, das sich über die gesamte Region erstreckte, war verantwortlich für Terror gegen Zivilisten und die Destabilisierung fremder Staaten. "Er war eine Kombination aus Geheimdienstchef, Oberbefehlshaber und Sondergesandter", sagt der frühere CIA-Chef David Patraeus. Soleimanis öffentliche Auftritte erleichterten es seinen Gegnern aber auch, ihn aufzuspüren. Spätestens seit vergangenem Herbst waren Amerikaner und Israelis sehr genau im Bilde darüber, wo sich der Quds-Chef aufhielt.

Das US-Militär konnte daher mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen, dass Qasem Soleimani am frühen Morgen des 3. Januar von Damaskus nach Bagdad fliegen würde.

Ein Raketenangriff auf eine US-Basis bei Kirkuk, Irak, vermutlich ausgeführt von der schiitischen, irannahen Miliz Kataib Hisbollah, tötete einen amerikanischen Auftragnehmer. Spitzenbeamte aus dem Pentagon präsentierten laut "New York Times" US-Präsident Donald Trump daraufhin mehrere Optionen für einen Vergeltungsschlag. Eine Variante war so verwegen, so extrem, dass die Militärberater sie zwar vortrugen, jedoch in dem Glauben, dass sie der Präsident ohnehin verwerfen würde: Quds-Chef Soleimani, den zweitmächtigsten Mann Irans, zu töten.

Tatsächlich verwarf Trump am 28. Dezember diese Option. Am 29. Dezember griff die US-Luftwaffe zunächst Ziele der Kataib Hisbollah im Irak an. Doch das dämmte die Krise nicht ein, im Gegenteil: Zwei Tage später attackierten Islamisten, wohl ebenfalls auf Anweisung Irans, die US-Botschaft in Bagdad. Der Vorfall weckte Erinnerungen an die Angriffe auf die amerikanischen Einrichtungen in Teheran und Bengasi, 1979 und 2011. Diplomaten mussten evakuiert werden.

Trump war offenbar außer sich. Und er griff zur radikalsten Option: Von seinem Feriensitz Mar-a-Lago in Florida aus ordnete er den Drohnenangriff auf Soleimani an.

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