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NEU IN DEUTSCHLAND Italo Svevo: »Zeno Cosini«.

aus DER SPIEGEL 51/1959

Dem grau in

grau gestrichelten Porträt eines psychopathischen Seelenakrobaten, das 1923 in Italien erschien, wurde von Autoren wie Joyce, Musil und Sartre Weltrang attestiert. Dennoch hatte Italiens erster moderner Roman keinen sonderlichen Erfolg, als er 1928, im Todesjahr seines Verfassers, zum erstenmal deutsch publiziert wurde. Der müßiggängerische Hypochonder Zeno - Musterbild des Anti-Helden, Brennspiegel banalster Erlebnisse und Gefühle, Ausbund geschwätziger Resignation

spult ein Allerweltsschicksal ab, das er mit dem nie gehaltenen Gelöbnis »L. Z.« ("Letzte Zigarette") selbstbetrügerisch und monoton interpunktiert. Den zähflüssigen Brei dieses Lebenslaufs goß der Großkaufmann und Reflexionskünstler Italo Svevo (Pseudonym des zweisprachigen Triestiners Ettore Schmitz) in die durch seinen Freund James Joyce damals ausprobierte Form des »inneren Monologs«. Die Starrolle, die Svevo der Angst in Zenos Existenz einräumt, trug ihm posthum das literarische Adelsprädikat »kafkaesk« ein, dessen Legitimität neuerdings freilich von der Literaturkritik angezweifelt wird. (Rowohlt Verlag, Hamburg; 476 Seiten; 19,80 Mark.)

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