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Jacques Chirac

aus DER SPIEGEL 39/2001

Jacques Chirac, 68, französischer Präsident, ist der Rache seines Chauffeurs zum Opfer gefallen. Ausgerechnet am Tag, als der Politiker als erster ausländischer Staatsgast im Weißen Haus nach den Attentaten von New York und Washington seinem Kollegen George W. Bush seine volle Solidarität zusicherte, erschienen vorigen Dienstag in Paris die Erinnerungen seines Fahrers Jean-Claude Laumond, 54: »25 Jahre mit ihm«. Laumond, der Chirac von 1972 bis 1997 in treuer Ergebenheit diente, schildert den Hausherrn des Elysée privat als Gefangenen zweier Frauen: seiner Angetrauten Bernadette, 68, geborene Chodron de Courcel, dünkelhaft, nachtragend und eifersüchtig, sowie seiner jüngsten Tochter Claude, 38, die als Kommunikationsberaterin dem Papa Befehle erteile. Seit seiner Wahl 1995 gehöre Chirac »nicht mehr sich selbst, er ist das Spielzeug seiner engsten Angehörigen geworden - ein Waschlappen in den Händen von zwei entfesselten Dienstmädchen«. Madame la Présidente erinnere den Gemahl (den sie siezt) gern daran, was er ihr zu verdanken habe: »Jacques, vergessen Sie nicht, dass alles, was ich tue, für Sie ist. Ohne mich wären Sie nicht Präsident.« Dennoch gelang es Chirac gelegentlich, wie der Ex-Chauffeur enthüllt, der Umarmung der »Gottesanbeterin« (Laumond über die First Lady) zu entkommen. Als Prinzessin Diana Ende August 1997 in Paris tödlich verunglückte, war Chirac zunächst nicht zu erreichen - nur Laumond wusste, wo der Präsident steckte: bei einer Dame, die nicht Bernadette hieß. In jüngeren Jahren, als Minister, zweimaliger Premier und Bürgermeister von Paris habe Chirac es noch bunter getrieben, so der Chauffeur. »Er rauchte drei Päckchen Zigaretten pro Tag, leerte zwei Flaschen Dom Pérignon, aß für vier und stellte dem weiblichen Personal nach.« Die Umworbenen seien von einem Abenteuer mit dem Chef nicht immer erbaut gewesen. »Chirac?«, so ihre gängige Erfahrung, »drei Minuten, Dusche inklusive!« Oft fragte Bernadette Laumond: »Wo ist mein Mann heute Abend, wohin haben Sie ihn gefahren?« Obwohl der Fahrer eisern schwieg, wurde er 1997 gefeuert, auf Verlangen von Bernadette Chirac, wie er glaubt.

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