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TAMAGOTCHI Jagd auf das Computertier

Von Sylvia Heinlein
aus DER SPIEGEL 36/1997

Der japanische Spielzeughersteller Bandai überzieht den deutschen Markt mit einstweiligen Verfügungen und Unterlassungsverlangen. In rund 60 Rechtsfällen hat sich Deutschland-Geschäftsführer Michael Spindler gegen »Trittbrettfahrer, Markenpiraten und Schmarotzer«, die ohne entsprechende Lizenzen am Erfolg des elektronischen Haustieres Tamagotchi teilhaben wollten, gewehrt. Es geht um unerlaubte Verwendung des Markennamens. Einstweilige Verfügungen gegen Ratgeberbücher über den Umgang mit dem Computertier im Plastik-Ei trafen Verlage wie Heyne oder Falken. Andere wie der Heel-Verlag, Naumann & Göbel oder die Droemersche Verlagsanstalt verzichteten erst einmal ohne Verfahren auf ihre Tamagotchi-Pläne. Markt & Technik, deren Erstauflage von 20 000 Exemplaren bereits verkauft ist, hat Widerspruch eingelegt. Anfang der Woche entscheidet das Kölner Landgericht. Der Verlag meint, daß bei erfolgreichem Verbot auch keine Bücher über Automarken oder Computerprogramme ohne vorherige Lizenzvergabe verlegt werden dürften. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat sich der Argumentation angeschlossen, er befürchtet einen Präzedenzfall. Herbert Ullmann, Geschäftsführer des Bandai-Lizenznehmers Tandem, der »offiziell« Postkarten, Fan-Bücher und Kalender herausgibt, verteidigt seine sechsstellige Investition in den Lizenzvertrag auch per Anwalt: »Wir lassen uns das Geschäft nicht kaputtmachen.«

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