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Briefe

Jagd auf Minderheiten
aus DER SPIEGEL 22/1996

Jagd auf Minderheiten

(Nr. 20/1996, Fernsehen: Reinhard Mohr über den Kampf um Quoten bei TV-Nachrichten)

Betulich ist die »heute«-Sendung also - den Schuh ziehe ich mir jedenfalls nicht an. Es bleibt der Eindruck, daß Ihr Autor zu den eher seltenen Zuschauern zählt. Wir erfreuen uns einer inzwischen wieder stabilisierten Quote und der Abstand zu unserer aller »Tagesschau« wird an Werktagen immer geringer. *UNTERSCHRIFT:

Wiesbaden CLAUS SEIBEL Studioredakteur »heute«

Auch Sie kommen nicht umhin, den Erfolg der »Tagesschau« mit der beispielhaften Professionalität ihrer Macher zu erklären. Nur ganz selten gibt es bei den Hamburgern einen kleinen Lapsus. Sicher: Das macht den Wert einer Nachricht nicht aus, belegt aber die Präzision im Detail. Die »Tagesschau« feilscht nicht um Zuschauer durch vermeintliche Modernität oder Anglizismen, die eher den Durchschnittszuschauer erschrecken: »Action News«, »Business News«, »Night Lights«. Das alles ist exzessive Jagd nach Minderheiten, die auch nicht darüber hinwegtäuschen kann, daß diese wohl geringbezahlten Nachwuchskünstler unter den Nachrichten-Präsentatoren kaum einmal einen richtigen Genitiv über die Lippen bekommen und auch sonst zumeist schlampig mit der Sprache umgehen. Und daß man auch in »Business-News« die Einer-, Zehner- und Hunderter-Stellen nach einem Komma einzeln verlesen muß, das beherzigt zwar die »Tagesschau«-Redaktion, aber wer sonst? Das ist der Grund, weshalb für mich 20 Uhr die »heilige ,Tagesschau'-Zeit« bleibt, egal ob im Ersten oder Dritten Programm. *UNTERSCHRIFT:

Vlotho (Nieders.) LOTHAR STÖPEL

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