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Briefe

Jahwe sei gelobt
aus DER SPIEGEL 45/2000

Jahwe sei gelobt

Nr. 43/2000, USA: Begeisterung über Joe Lieberman

Henryk Broder hat mir die Ehre erwiesen, mich als »dienstältesten linken jüdischen Systemkritiker der USA« zu apostrophieren. Broder sei herzlich gedankt, aber ich erinnere mich an eine Reklame in den New Yorker U-Bahnen: Sie zeigt einen Indianerhäuptling, sichtlich vergnügt geräuchertes Rindfleisch auf Roggenbrot verzehrend. (Corned beef on rye ist eine ostjüdische Delikatesse.) Darüber die Inschrift: »Man braucht nicht jüdisch zu sein, um Levys Roggenbrot zu verzehren.« Man muss nicht Jude sein, um kritisch über unser System zu denken. Es genügt, ein Mindestmaß an Anstand zu besitzen - und etwas von unserer Geschichte zu verstehen. Die großen Systemkritiker im letzten Jahrhundert (Beard, Dewey, Harrington, Mills, Murray, Niebuhr) waren meistens keine Juden. Übrigens bin ich nicht mal der dienstälteste linke jüdische Kritiker. Es gibt, SPIEGEL-Lesern wohl bekannt, unseren säkularen Oberrabbiner, Norman Mailer, und etliche mehr. Jahwe sei gelobt.

WASHINGTON PROFESSOR NORMAN BIRNBAUM

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