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Jean Gaubert / Chirac, Jacques

aus DER SPIEGEL 39/1999

Jean Gaubert, 62, Bürgermeister des westfranzösischen Käse-Dorfs Camembert, bringt mit einer Revolte gegen institutionalisierte Covergirls wie die Schauspielerin Laetitia Casta oder die TV-Moderatorin Estelle Hallyday das für den 23. November angesetzte Marianne-Fest in die Bredouille. Bis dahin sollen rund 36 000 französische Rathauschefs eine Mademoiselle küren, die - Nachfolgerin von feschen Französinnen wie Brigitte Bardot, Mireille Mathieu oder Catherine Deneuve - als Gipsbüste der nationalen »Marianne« in den Hallen der »Hôtel de ville« platziert wird. Dem Chef des Camembert-Geburtsorts ("seit 1791") stinkt es, dass die auf die Französische Revolution von 1789 zurückgehende Galionsfigur der Republik »wie eine Schaufensterpuppe« ständig ausgewechselt wird ("kein Camembert-Logo wird laufend verändert") und dass die Funktionäre des Bürgermeisterverbandes eigenmächtig nur sechs Kandidatinnen ihres Geschmacks angeboten haben. Gaubert plädiert für eine Puppen-Marianne, die der »Figaro«-Karikaturist Jacques Faizant, selbst eine nationale Institution, 1986 entworfen hat. Die putzige Gips-Französin erhielt schon bei der Geburt ihre höchste Weihe: Der verstorbene Staatspräsident François Mitterrand, lange Bürgermeister von Château-Chinon an der Loire, ließ sie zu seinen Lebzeiten als einzige Marianne-Variante ins Mitterrand-Museum stellen; und auch der jetzige Staatspräsident Jacques Chirac, 66, hatte noch vor seinem Amtsantritt 1995 keine Einwände gegen einen Fototermin gemeinsam mit Faizants Marianne.

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