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Jean-Louis Debré

aus DER SPIEGEL 52/2002

Jean-Louis Debré , 58, Präsident der französischen Nationalversammlung und Mitglied der »Union pour la majorité présidentielle« (UMP), verärgert seine Parteifreunde durch die rüde Art, in der er die Sitzungen leitet, die Einhaltung der Redezeit überwacht und das Wort entzieht. Als in der aktuellen Fragestunde des Parlaments ein Abgeordneter der Mehrheitsfraktion UMP einen Kollegen von der linken Opposition mit Zwischenrufen unterbrach, herrschte Debré den Störer an: »Sie halten jetzt mal fünf Minuten das Maul. Das ist ja phantastisch! Kann man hier nichts tun, ohne dass Sie gleich dazwischenbrüllen, äh, -schreien?« Dem Kulturminister Jean-Jacques Aillagon bedeutete er: »Ich möchte Sie nicht zensieren, aber Ihre Zeit ist um.« Als dann die Umwelt-Staatssekretärin in ihren Ausführungen über nachhaltige Entwicklung den Faden verlor, setzte Debré dem Gestottere brüsk ein Ende: »Merci Madame, es ist immer sehr schwer.« Parlamentarier erklären das autoritäre Gehabe des Vorsitzenden auf seiner »Hühnerstange« (wie der erhöhte Sitz des Parlamentspräsidenten im Volksmund heißt) mit erblicher Veranlagung. Debrés Vater Michel hatte 1958 im Auftrag Charles de Gaulles die Verfassung der Fünften Republik entworfen. In seinem neuen Amt halte sich der Sohn nun für berufen, sich als oberster Politikwächter aufzuspielen.

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