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Jean Shrimpton

aus DER SPIEGEL 46/1965

Jean Shrimpton, 23, britisches Photomodell und Mannequin (die französische Frauenzeitschrift »Elle": »Das schönste Mädchen der Welt"), die mit einem Stundenlohn von 240 Mark die Einkommensskala ihrer Branche anführt, wurde nach einem Besuch der Pferderennbahn Flemington in Melbourne von dem Vorstandsmitglied des »Victorian Racing Club of Australia« Frederick Gilders im Auftrage des Renn-Vereins und der Ehefrauen seiner Vorstandskollegen gerügt, weil sie auf der Derby-Bahn ein kniefreies Kleid getragen und auf Hut, Handschuhe und Strümpfe verzichtet hatte (Bild links). Mode-Zensor Gilders: »Ihr Aufzug war eine Schande.« Antwort der Britin, die in Australien auf Anraten ihrer Schneiderin Judy Maisel längere Kleider als in Europa und den USA trug: »Ich bin immer schlicht angezogen. Ich werde mich immer so kleiden, wie ich es will, und auch die häßlichen Bemerkungen der Melbourner Frauen werden mich nicht ändern.« Anschließend unterwies Gilders das Mannequin, es dürfe nur dann dem drei Tage später stattfindenden Rennen um den Melbourne-Cup zusehen und - wie geplant - einen Pokal überreichen, wenn es sich den einheimischen Bekleidungsvorschriften anpasse. Jean Shrimpton, die beim Derby die gewünschten Accessoires trug, über ihr Aussehen: »Ich bin nicht mehr ich selbst, ich fühle mich furchtbar. Melbourne ist noch nicht aufgeschlossen genug für Menschen wie mich, es ist in der Entwicklung mehrere Jahre hinter London zurück.«

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