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Briefe

Jedenfalls ein Märchen
aus DER SPIEGEL 32/1978

Jedenfalls ein Märchen

(Nr. 28/1978, Telephon: Erhöhte Gebühr für Hotelgäste)

Endlich ein offenes Wort gegen die Hotel-Gangster. Diese gibt es nur in »New-Germany«. Die Hotel-Argumente sind so fadenscheinig wie die Praktiken. Allein die deutschen Zimmerpreise sollten ein Automatic-Telefon rechtfertigen -- bei 80, 120, 150 Mark pro Nacht.

Waikjkj (Hawaii) HORST FRITZ

Ihr Artikel bewegt sich leider nur an der Problemoberfläche. »Der von der Post gestellte Telephon-Service« endet an der Steckdose in der Telefonzentrale. Alles Weitere kommt das Hotel, nicht etwa die Post, teuer zu stehen. Beispiel: Eine moderne Telefonanlage, vom Hersteller gemietet und gewartet, über die 30 Amtsleitungen mit 400 Nebenstellen (Zimmer und Hotelbereich) laufen, kostet ungefähr 15 000 bis 17 000 Mark monatlich. (Alternative: Kauf einer Anlage; Preis ungefähr 700 000 bis 1.2 Millionen Mark und monatliche Wartungskosten von rund 5000 Mark.) Weiter Postgebühren, ebenfalls monatlich: 30 Amtsleitungen à 32 Mark = 960 Mark, 400 Nebenstellen à 3 Mark = 1200 Mark, plus natürlich 0,23 Mark pro Telefoneinheit.

Dazu kommen die Kosten für das auch bei modernen Anlagen nicht zu ersetzende Personal (ankommende und R-Gespräche, Vermittlung in Länder ohne Direktwahl, Auskünfte, Bestellungen und so weiter), das rund um die Uhr, und zwar sieben Tage in der Woche, zur Verfügung stehen muß. Je nach Zahl der zu versorgenden Anschlüsse benötigt ein großes Hotel zwischen fünf und zehn Telefonistinnen. Die gesamten Kosten werden in Form von Zuschlägen dem Telefonbenutzer anteilig in Rechnung gestellt. Zusammen mit den an die Post abzuführenden 0,23 Mark ergeben sich so Einheitenpreise von 0,50 Mark und teilweise mehr. Darin enthalten sind allerdings 12 Prozent Mehrwertsteuer. Die Post ist dagegen mehrwertsteuerfrei. Selbst bei diesen Einheitenpreisen werden die Kosten für den Telefonservice im Hotel häufig nicht gedeckt. Die Telefonanlage als Profitquelle eines Hotels ist jedenfalls ein Märchen.

Bonn DIPL-KFM. 13. GEYER Geschäftsführer Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e. V.

Bilanz für Juni 1978 bei drei Anschlüssen mit Gebührenzähler und 43 amtsberechtigten Nebenstellen: Ausgaben (für Miete, Wartung der Anlage, Gebühren, abzüglich betriebliche Gespräche) 1509,83 Mark. Bei Einnahmen (nach abgeführter Mehrwertsteuer) von 601,79 Mark (Personalausgaben nicht gerechnet) bleibt ein Verlust von 908,04 Mark.

Bad Wiessee (Bayern) A. GRÜHN

Kurheim Florida

Wir zahlen jährlich als Miete nur für die Telefonanlage bei ungefähr 120 Anschlüssen rund 43 000 Mark, ohne die Gebühren der Post. Es ist uns bisher nicht gelungen, diese Kosten bei einer Verrechnungseinheit von 0,50 Mark zu erwirtschaften. Es ist richtig, daß die Gäste vom Zimmer nach außen ohne Vermittlung telefonieren können. Alle ankommenden Gespräche werden jedoch von uns vermittelt, und dies rund um die Uhr.

Bad Alexandershad (Bayern) HERRMANN Direktion Hotel Alexandersbad

Amerika als Vergleich heranzuziehen ist etwas unfair, denn dort haben die Telefongesellschaften kein Monopol, wie bei uns die Bundespost. Aber dies zu durchleuchten, sollte man einen weiteren Artikel starten.

Nürnberg HANS HERMANN BÖDEKER

Euro Crest Hotel

Warum übernimmt die Bundespost nicht die Installation des Telefons in den Hotels? Die andere Frage ist, weshalb die Post nicht, wie in den USA üblich, den Hotels Ermäßigungen auf ihre Gebühren einräumt -- Rabatte auf von den Gästen geführte Gespräche. die die Hotels zugunsten der Bundespost vermitteln.

Nürnberg DR. G. LOTZ Grand-Hotel

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