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Jelzins Gift-Warnung

aus DER SPIEGEL 26/1992

Um amerikanischen Beistand bei der Bergung von mindestens 300 000 Tonnen Chemiewaffen aus der Ostsee bat Boris Jelzin bei seinem Besuch in Washington. Wenn nicht bald etwas unternommen werde, müsse man mit einer »ökologischen Katastrophe« rechnen. Die hochgiftigen Altlasten stammen aus den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals hatten die Alliierten ganze Schiffsladungen von chemischen Kampfstoffen aus den Beständen der Wehrmacht versenkt. Die zwei größten Dumpingplätze liegen nordöstlich der dänischen Ferieninsel Bornholm und vor der norwegischen Hafenstadt Arendal. Allein im ersten Halbjahr 1991 fischten dänische und schwedische Trawler dort 200 Gasgranaten aus dem Wasser. Allerdings sind Zweifel an der Ernsthaftigkeit von Jelzins Hilfeersuchen erlaubt: Am Donnerstag schloß sich die russische Delegation bei der Genfer Uno-Abrüstungskonferenz dem Beschluß der Mehrheit an, alle vor 1983 im Meer versenkten Chemiekampfstoffe zu belassen, wo sie sind.

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_145c Russische Giftwaffenlager in Skandinavien

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