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Jerzy Jedlicki

aus DER SPIEGEL 42/1992

Jerzy Jedlicki, 68, pensionierter Philosophie-Professor aus Warschau, offenbarte in der französischen Zeitschrift L'Evenement du Jeudi ungewöhnliche Thesen zur »Dialektik des Bartes«, in denen er eine enge Verknüpfung zwischen Barthaaren und dem Willen zur Macht nachweist. Nicht zufällig etwa, so der Bericht, hätten die beiden großen Diktatoren des 20. Jahrhunderts, Hitler und Stalin, Schnäuzer getragen. Dank Fidel Castro sei wallendes Barthaar - vielfach nachgeahmt von der 68er Generation - zum visuellen Kürzel revolutionärer Gesinnung geworden, während Lech Walesa bewiesen habe, daß Schnauzbartträger sich auch gegen kommunistische Willkür auflehnen können. Um die Wende der Macht zu demonstrieren, so der bartlose Jedlicki, hätten Herrscher immer wieder zur Wende in der Bartmode aufgerufen: So habe Peter der Große im Kampf gegen barttragende, orthodoxe Popen die Großgrundbesitzer gezwungen, sich den Bart zu scheren. Auch die türkischen Machthaber befahlen 1982, im Kampf gegen den Islam, daß Staatsbedienstete keine Bärte tragen durften. Jedlicki: »Zu allen Zeiten haben Machthaber an den Bärten ihrer Untertanen deren Bereitschaft zur Unterwerfung gemessen.«

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