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ISRAEL Jiddisch träumen

Die einstige Umgangssprache der Juden, das Jiddische, wurde vom Hebräischen in die Defensive gedrängt. Nun aber soll sie wieder gepflegt werden -- wohlan!
aus DER SPIEGEL 36/1976

Jiddisch is die schajnste Schprach, as man varschtejt a jedes Wort«, hod erklärt der varschtorbener Ministerpresident Levy Eschkol. Ober der Jiddischist Jitzchak Korn hot Dages (Sorgen): Amol is gewen Jiddisch a Esperanto far ale Jidden. Heijnt mauscheln nur Bobbes (Großmütter) und Saides (Großväter) Mameluschen (Mutters Sprache).

Far Hitlers Zajten hoben mehr fun zajn Million Jidden geredt Jiddisch. Hejnt varschtejn Jiddisch weniger fun a halbe Million, ale fun elteren Dor (Generation).

Amol is gewen a barimte jiddische Literatur. Ojeh Shakespears Schticke sennen verdaitsch un varbessert gewarn. Hejnt sennen geblieben nur a sach jiddische Schreibers.

Basinders in Jisruel redden weniger Jidden Jiddisch as ojf der ganzer Welt, bot gesogt Teddy Kollek, Birgermajster fun Jerusholayim: » Baj ins varschtejt sachhakol (ingesamt) nur a Vertel fun alle Jidden Jiddisch. die andren kummen fun der Lewante.«

Doch wer sehnt sich nit zirick zu Mames Zajten, zu Tschulent und Begelech. Lattkes und Lozelah, un ojch die jiddische Kultur will man ernait haieben.

Sogt Mordechai Feldmann fun Ratenfarband (Sowjet-Union): »Ober mir eltere Menschen hoben a Recht zu fordern, men soll unds derlojben. in undser jiddischer Medine ojszileben sich in unser jiddischer Schprach. Mir hoben a Recht zu fordern. as in den Amten. welche sennen baschtimmt far dem naj Ongekummenen sollen ale Informatie-Materialn sejn nicht nor in Englisch, Russisch un so wajter, nor ojch in Jiddischn, undser Jugend soll wissen, as mitn jiddischen Wort sennen Jidden ~egangen oifs kidusch Haschem (in den Heldentod).«

Die Kämpfer far Jiddisch hoben sich fargangene Woch zisammengtun zi der »Weltkonferenz far Jiddisch un der jiddischer Kultur«. Ongehojben hot sich die Debatte wegen Problemen fun Ojsbrejtern un farschtarken die Tetiekeit ojfn Gebiet fun jiddischer Kultur un Literatur. Die erschte Sessie ist geeffnet geworn mit a Referat fun Professor Dov Sadan: »Jiddisch in der najer, historischer un aktueller Situatie.«

On dem Kongreß hohn sich betajligt hunderte Delegaten fun 16 Ländern der Golus. Fun Osteuropa, wos amol is gewen dos Zenter fun Jiddisch, is nor gekummen a Delegat ojs Rumanie. Wolf Tambur. a Redaktor fun a rumanischer-jiddischer-hebräischer Zaitung.

Die Delegaten fun Amerike farzajlten, as ojf 38 Universitäten leyenen Studenten Jiddisch un 40 Wochn- un Monats-Bleter derschejnem ojf Jiddisch; hot gesogt Leyb Botwinik ojs Kanade: »Mir darfn wachen ojf der jiddischer Flamm.« Baschtätigt Isroel Breslaw, Forsitzer fun der amerikanischer Delegatie: »Junge amerikanische Jidden zajgen Interess an der jiddischer Schprach.«

Finf Kommissies far Derziehung, Presse, Theater un Ibersetzungen hobn ojsgearbejt in Jeruhsholayim Resoluties far Projekten und Planer zu schtarken die jiddische Kultur. Hot derklärt der Forsitzer fun der Weltkonferenz, iitzchak Korn: »A jeder, welcher hot anbergetrejtn die Schwell fun der Weltkonferenz, soll mit tiefen Sorg farn Gojrel (Schicksal) fun der Jiddisch-Kultur sich fregn. wos darf (muß) ich allain ton, zu schtarken die Positie un Prestige fun Jiddisch.«

Der Enfer (Antwort) fun dc Konferenz-Delegaten: »Efschar (vielleicht) Jiddisch träumen un redden ojchet in der iberklangiker (Überschall-)Zajt.«

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