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Joachim Steffen

aus DER SPIEGEL 47/1966

Joachim Steffen, 44, schleswig-holsteinischer SPD-Chef, der Mitte Oktober auch zum Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Kieler Landtag gewählt wurde, berichtete nach dieser Wahl Parteifreunden bei einem Umtrunk über seine erste Begegnung mit dem derzeitigen schleswig holsteinischen Ministerpräsidenten Helmut Lemke (CDU): »Er war im Zweiten Weltkrieg (1941/42) mein erster NS -Führungsoffizier und mein Batteriechef bei der Marine-Artillerie... Lemke bekam das EK II für den Abschuß eines englischen Flugzeugs - es war ein ganz alter Schlitten, der noch mit Zeltleinwand bespannt war -, auf das ich mit dem Weltkrieg-MG-18 geschossen hatte. Nach dem zweiten Schuß hatte ich aber schon Ladehemmung, es war praktisch ein Absturz, kein Abschuß.« Ein anderer Kriegsbericht des Sozialdemokraten: »In meinem Marine-Führungsbuch stand: ,Weltanschaulich nicht zuverlässig'. Ich bin sicher, daß mir Lemke das 'reingeschrieben hat, aber das kann ich nicht beweisen.« Dazu Lemke zum SPIEGEL: »Ich bin nie NS-Führungsoffizier gewesen. Das EK II habe ich schon bekommen, als Steffen noch gar nicht bei mir war. Und Führungsbücher habe ich nie selbst geschrieben. Es ist allerdings möglich, daß ich die Eintragungen unterschrieben habe.« Eine Stunde nach Lemkes Stellungnahme rief Steffen beim SPIEGEL an: »Ich habe von Ihren Fragen an Herrn Lemke gehört - man hat so seine Kanäle. Natürlich war er nicht mein NS-Führungsoffizier, das gab es erst viel später. Aber ich habe beim NS-Bürgermeister (von Eckernförde und Schleswig) Lemke Kompaniechef-Unterricht gehabt.«

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