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Job für IM »Sekretär«

aus DER SPIEGEL 42/1992

Dem früheren DDR-Konsistorialpräsidenten Manfred Stolpe war im Rahmen der engen Kooperation zwischen der Staatssicherheit und dem sowjetischen Geheimdienst offenbar eine herausragende Rolle zugedacht. Je zwei Inoffizielle Mitarbeiter (IM) beider Seiten sollten nach einer 1978 zwischen der Stasi-Hauptabteilung XX (Kirche, Kunst, Kultur, Opposition) und der V. Verwaltung des KGB (Ideologie und Dissidenten) geschlossenen Vereinbarung mitwirken, »den Einfluß antikommunistischer Kräfte auf den Weltkirchenrat zurückzudrängen und einer Vereinigung mit dem Vatikan entgegenzuwirken«. Von seiten der Stasi sollte dabei auch IM »Sekretär«, so Stolpes Deckname, zum Einsatz kommen. Vorgesehen waren »gemeinsame Absprachen zur Instruierung der IM«. Das jetzt aufgetauchte Dokument, in rotes Leder gebunden und mit zwei Siegeln der Vertragsstaaten versehen, trägt auch die Unterschriften des früheren Stasi-Ministers Erich Mielke und des damaligen KGB-Chefs Jurij Andropow. Die beiden Geheimdienst-Leiter hatten bereits 1973 einen Gundlagenvertrag über gemeinsame »politisch-operative Maßnahmen« gegen Kirchen, Künstler und Sportorganisationen abgeschlossen. Er wurde im Laufe der Jahre durch acht Nachträge angereichert und ausgefüllt. Aus dem Papier geht nicht hervor, ob IM »Sekretär« nach den Vorgaben des Plans tätig geworden ist und ob das KGB auf diese Weise Stolpe-Informationen bekam.

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