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Johan Cruijff

aus DER SPIEGEL 18/2004

Johan Cruijff , 57, Fußball-Weltstar in den siebziger Jahren, muss herhalten für eine Neubewertung der größten Schmach, die die Niederlande in jener Zeit erlitten haben. Der Historiker und Journalist Auke Kok, 47, präsentierte vergangene Woche sein Buch »1974. Wir waren die Besten« über das holländische Nationaltrauma schlechthin: die 1:2-Niederlage im Münchner WM-Endspiel gegen Deutschland. Die spielerisch überlegenen Niederländer scheiterten demnach nicht - wie der Mythos von der »gestohlenen Meisterschaft« nahe legt - an falschen Schiedsrichterentscheidungen, sondern an sich selbst. Kapitän Cruijff zum Beispiel, so recherchierte Kok, habe während der WM täglich eine Packung Zigaretten geraucht, selbst in der Halbzeitpause habe er sich eine Zigarette angesteckt. Sein Zimmergenosse Johan Neeskens fand keinen Schlaf, weil Cruijff oft hypernervös des Nachts rauchend auf und ab lief. Torwart Jan Jongbloed berichtet von einer nachlässigen Vorbereitung, und statt Taktik gab es Ideologie: Trainer Rinus Michels stilisierte vor der Mannschaft den WM-Showdown zur späten Rache für den Zweiten Weltkrieg hoch. »Er redete immer über den Krieg«, so Kok, »und tat so, als ob die deutsche Presse gegen die holländische Elf hetzen würde - das Gegenteil war der Fall.«

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