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Johannes Rau

aus DER SPIEGEL 3/1985

Johannes Rau, 53, Ministerpräsident und SPD-Chef in Nordrhein-Westfalen, sah durch einen unfreiwilligen Fernsehauftritt seine Intimsphäre verletzt. Der Sozialdemokrat hatte den »Tagesthemen« ein Interview über die Grünen und seine Wahlaussichten gegeben. Was er nicht wußte: Schon vor der Sendung lief die Kamera mit und nahm auf, wie Rau sich die Haare kämmte. Ausgerechnet diese Szene wurde dann in einer Vorschau auf die Sendung gezeigt. Kommentar: »Darüber läßt sich Johannes Rau keine grauen Haare wachsen.« Der sonst so volksnahe Regierungschef ließ daraufhin nicht nur beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg intervenieren, sondern machte die Angelegenheit sogar zur Kabinettssache: Er informierte seine Minister über die »Sichtweise« des Tagesthemen-Chefs Edmund Gruber: »Bei der Überlegung, was wir als Trailer nehmen könnten«, hieß es in der Antwort des CSU-Sympathisanten Gruber auf die Beschwerde des Genossen Rau, »erinnerten wir uns Ihres freundlichen, sympathischen Lächelns. Wenn wir gewußt hätten, daß Sie damit nicht einverstanden sein könnten, hätten wir die Sequenz nicht gebracht.«

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