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PERSONALIEN Johannes Rau, Joachim Zahn, Józef Kardinal Mindszenty, Herbert Wehner, Georg, Prinz von Dänemark, Fidel Castro, Raul Kardinal Silva Henriquez

aus DER SPIEGEL 48/1971

Johannes Rau, 40, nordrhein-westfälischer Wissenschaftsminister, wollte es genau wissen. Als ihm SPD-Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Wischnewski kürzlich in einem Telephongespräch den Auftritt des seit Mai mit der forschen Düsseldorfer Finanz-Regierungsdirektorin Etta, geborene Eckel, verheirateten Wirtschafts- und Finanzministers Karl Schiller für den SPD-Sonderparteitag in Bonn avisierte, versicherte sich Spitzengenosse Rau: »Spricht Schiller oder kommt Etta selber?«

Joachim Zahn, 57, Chef der Daimler-Benz AG. ließ sich von einem Lehrling verunsichern. Der Vorstands-Vorsitzer hatte Bundespräsident Gustav Heinemann nach Werk-Besichtigungen in Untertürkheim zu einem Gespräch mit 40 ausgesuchten Jung-Männern geladen, bei dem in einem ausführlichen Sozialreport auch die Unternehmens-Leistungen gepriesen wurden. Als auch die Ausbildungs-Kosten (pro Mann und Jahr: rund 14 000 Mark) erwähnt wurden, meldete sich Elektromechaniker-Lehrling Rüdiger Frobenius zu Wort: »Und wie lange dauert es, bis der Facharbeiter nach seiner Ausbildung der Firma diese Kosten wieder verdient hat?« Zahn, nach einer Pause: Der Einwand sei »durchaus einer Diskussion« wert, sollte aber wohl besser in einem »speziell interessierten Kreis« erörtert werden.

Józef Kardinal Mindszenty, 79, Primas von Ungarn, verwirrt Verleger. Der Kirchenfürst, der 15 Jahre lang Asyl in Budapests US-Botschaft gefunden hatte und erst kürzlich via Rom nach Wien ausreisen durfte, hielt bislang Buch-Macher hin, die seine Memoiren blind ankaufen wollten -- und treibt damit die Preise hoch. Obgleich niemand Näheres über das Erinnerungswerk weiß, reiste der Wiener Verlagsherr Fritz Molden (Swetlana- Memoiren), der sechsstellig mitbietet, vorletzte Woche in die USA, um die Markt-Chancen für die Weitrechte zu erkunden. Auf Fragen von Journalisten, wieviel Seiten er bereits geschrieben habe, pflegt der Kardinal nur mit einer Geste zu antworten: Er nimmt die Hände etwa 20 Zentimeter auseinander.

Herbert Wehner, 65, SPD-Promoter, bewies, daß er den SPIEGEL kennt. Genossin Lucie Kurlbaum-Beyer wollte auf der Parteivorstands-Sitzung letzten Mittwoch nur dann etwas zum Fall Rosenthal sagen, wenn ihre Worte vertraulich blieben -- bei einer früheren Sonnabend-Vorstandssitzung habe sie eine Bemerkung gemacht, die dann montags darauf im SPIEGEL zitiert worden sei. Wehner auf ihren Vorschlag, die anwesenden Partei -Journalisten aus dem Saal zu beordern: »Erstens: Die Journalisten hinauszuschicken bietet keine Sicherheit. Zweitens: Die Genossin Kurlbaum muß sich irren. Es kann sich nicht um eine Samstag-Sitzung gehandelt haben ... denn der SPIEGEL hat am Freitagabend Redaktionsschluß.«

Georg, 51, Prinz von Dänemark, hat die Pornographie »gründlich satt«. Der Vetter des Dänen-Königs Frederik« seit 1950 Militärattaché an der Londoner Botschaft seines Landes, beklagte den einschlägigen Ruf des Nord-Staats: »Jeder macht seinen Spaß oder grinst verschlagen. Mir hängt's zum Halse raus.«

Fidel Castro, 44, Kubas Máximo Lider, litt in Chile unter dem »Zwang des Protokolls«. Ansonsten mochte ihm die Zwei-Wochen-Visite bei Volksfront-Präsident Salvador Allende -- »Ich bin ein persönlicher Freund Fidel Castros« aber unsere Methoden, Taktiken und Strategien sind verschieden« -- durchweg gefallen. Der Reisende nach seiner umjubelten Ankunft auf dem Flugplatz von Santiago: »Irgendeiner sollte einen Film hiervon drehen und ihn als Geschenk an Nixon schicken.« Wann immer Gelegenheit war, »Genosse Fidel« (Flugblatt-Begrüßung) statt Staatsgast zu sein. gab sich der Revolutionär volkstümlich: Vor Minen-Arbeitern (Photo o. l.) griff er zum Basket-Ball (und ging -- obwohl daheim gut durchtrainiert -- beim Wurf zu Boden), außenbords der Motorjacht »Corfo 1« (o. r.) prüfte er die Wassertemperatur des Stillen Ozeans (und ließ sich lediglich an Arm und Beinen halten). Einmal aber schien auch Castro protokollgerechtes Auftreten als Regierungschef unumgänglich: Bei einem Empfang in der Hauptstadt verblüffte der Kubaner, der seit Jahren nur schmucklose olivgrüne Kampfanzüge zu tragen pflegt, die Anwesenden -- unter ihnen Raul Kardinal Silva Henriquez, 64 -- mit weißem Kragen und dunkler Krawatte. Der Premier zu einem Bekannten: »Wenn du wüßtest, was mich das Binden für Schweiß gekostet hat. Ich hatte richtig Angst davor, ob ich den Knoten hinkriegen würde.«

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